< vorhergehender Beitrag

Gesund beginnt im Mund

Kinderleicht gesunde Zähne: Die Zahngesundheits-Erzieherinnen im Projekt „Apollonia 2020“ machen schon den Kleinen Lust aufs Zähneputzen.


Gemeinsam mit dem grünen Plüschtier Kroko bringt Zahngesundheits-Erzieherin Erika Haba den Kindern im Tullner Kindergarten alles rund um gesunde Zähne bei. foto: Philipp Monihart

„Lieber Kroko, lieber Kroko, schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Kinder, hörst du nicht die Kinder? Wache auf, wache auf!“ Die Kinder freuen sich. Endlich ist das grüne Plüschkrokodil munter, sie haben es wachgesungen. Kroko räkelt sich und kriecht unter einer blaugetupften Decke hervor. Die Kinder klatschen, stampfen leicht mit den Füßen und lachen ihn an. „Guten Morgen“, sagt Kroko zum Buben neben ihm: „Wie heißt denn du?“ „Ich bin der Jan.“ Kroko geht reihum, bis er alle Namen weiß. Amelie steht auf und streichelt Kroko. Sara zeigt ihm ihren Wackelzahn, Felix zuckt mit den Schultern – bei ihm wackelt noch nichts. Die Kinder wissen genau, warum das grüne Plüschkrokodil heute hier ist, bei ihnen im Landeskindergarten Tulln VI in der Hafenstraße. Es ist schon sein zweiter Besuch. Auch das letzte Mal kam er mit Erika Haba, die ihm ihre Stimme leiht. Sie ist eine der 35 Zahngesundheits-Erzieherinnen im Projekt „Apollonia 2020“, Kroko ist das Maskottchen (siehe Kasten Seite 22). Gemeinsam besuchen sie Kindergärten, Schulen und Mutter-Eltern-Beratungsstellen und vermitteln spielerisch alles rund um das Thema Zahngesundheit.

Zahnbürste & Zahnpasta

Jedes dritte Kind hat Karies. Wie leicht und vor allem wie früh Zähne faulen können, überrascht viele Eltern – oft bilden sich die braunen Stellen schon im Säuglingsalter. Die Karies-Erreger können schon in den ersten Monaten übertragen werden, meist von der Mutter auf ihr Kind - durch abgeleckte Löffel oder Schnuller. Mit der richtigen Zahnpflege sollte man daher schon beim ersten Zahn beginnen.
Zahngesundheits-Erzieherin Erika Haba empfiehlt dazu entsprechende Produkte wie Fingerlinge, Erstlingsbürsten, Waschhandschuhe usw. Oder einfach einen kleinen Tupfen Zahncreme auf ein Wattestäbchen geben und ganz sanft putzen. Parallel dazu sollte man die Kleinen spielerisch an eine Kinderzahnbürste gewöhnen. Das optimale Modell für die Altersgruppe 0–4 hat einen kleinen Bürstenkopf und einen längeren Griff, die Borsten müssen sanft abgerundet sein. Alle drei Monate sollte man die Bürste wechseln; wenn die Borsten zerfranst sind oder der Junior krank war, sogar schon früher. Auf die Bürste sollte die richtige Zahnpasta. „Kaufen Sie eine Zahnpasta, die neutral schmeckt“, empfielt Erika Haba.
Zahnkaries kann ab dem ersten Milchzahn entstehen, deshalb ist ab diesem Zeitpunkt die regelmäßige Zahnpflege wichtig. Ab dem zweiten Lebensjahr sollen die Zähne zweimal täglich mit einer Kinder-Zahnpasta (fluoridierte Kinderzahnpasta, Altersangaben beachten) geputzt werden.

Spielend lernen

Kroko hat etwas mitgebracht. „Ich will mit euch spielen“, grummelt er. Aus einer großen Tasche nimmt Erika Haba eine flauschige rote Decke und breitet sie in der Mitte des Sesselkreises aus. Für die Kleinen gibt’s einen weißen Umhang. Kroko bittet die Kinder, sich auf die Decke zu setzen. Amelie beginnt es zu dämmern, sie ruft: „Wir sind Zähne und die Decke ist der Mund!“ Diesen Wissensvorsprung konnte sie nicht für sich behalten. Sie hat recht. „Jeder Zahn hat eine Funktion“, erklärt Zahngesundheits-Expertin Haba und deutet auf zwei Kinder, „ihr seid die Schneidezähne. Die sind ganz scharf und helfen beim Abbeißen. Hinten sind die Backenzähne, die zerkauen alles.“
So geht’s reihum: Zu jedem Zahn gibt’s ein Lied, die Kinder machen Handbewegungen dazu. So prägen sie sich alles besser ein.
„Und manchmal sind die Zähne etwas klebrig“, sagt Erika Haba, „etwa nachdem man Gummibärli gegessen hat, oder Schokolade oder einen Faschingskrapfen.“ Sie geht um den Kreis und legt den Kindern orange und braune Tücher auf Kopf und Schultern. Jan will das Tuch abschütteln. „Gefällt das den Zähnen?“, fragt sie. „Nein“, sind sich alle einig, „da werden die Zähne kaputt.“ „Und was kann man dagegen machen?“ „Zähne putzen!“ Kroko eilt zu Hilfe. Mit einer großen gelben Zahnbürste streicht er die Tücher von den Köpfen der Kinder – jetzt sind sie wieder sauber und fühlen sich wohl. Dazu singen alle gemeinsam: „Ritsche, ratsche, hin und her, gefällt den Zähnen sehr“. Nun sind die Kau­flächen sauber.
Weiter geht’s mit den Außenflächen: „Ich putze meine Zähne von Rot nach Weiß, morgens wenn ich früh aufstehe und abends, wenn ich schlafen gehe“. Danach sind die Innenseiten dran: „Schwupps, schwupps, gib den Bröseln einen Schubs“. Alles ist nun sauber. Und mit den entsprechenden Reimen und Liedern haben die Kinder die richtige KAI-Putzmethode verinnerlicht: zuerst die Kaufläche, dann die Außenseite und zum Schluss die Innenseite.

Gesunde Milchzähne

Erst mit circa zweieinhalb Jahren ist das Milchgebiss vollständig. Die Kinder benötigen die Milchzähne nicht nur zum Essen, sondern auch als Platzhalter für die zweiten Zähne. Werden die Milchzähne zu früh durch Karies zerstört und müssen entfernt werden, dann können sie diese Platzhalter-Funktion nicht mehr einnehmen und es kann zu Zahn-Fehlstellungen kommen. Wie wichtig die Pflege von Milchzähnen ist, zeigt die aktuelle Apollonia-Statistik: Bereits rund
20 Prozent der Dreijährigen haben mindestens einen kariösen Zahn.
Daher sollte man mit einem Besuch beim Zahnarzt nicht zu lange warten, rät Erika Haba: „Nehmen Sie Ihr Kleinkind einfach zu einem Kontrollbesuch mit. So lernt es die Geräusche und den Geruch einmal als unbeteiligter Zuschauer kennen. Lassen Sie es kurz am Zahnarztstuhl sitzen. Das gefällt den meisten Kindern, da können sie rauf- und runterfahren und fühlen sich wie ein Astronaut.“ Einen ersten Kontrolltermin sollten Sie zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr vereinbaren.

Superstarke Zähne

„Wir sind die Kleinen und wir sind stark, durch Zähneputzen sind wir superstark“, tönt es im Tullner Kindergarten. „Wollt ihr alle superstarke Zähne haben?“, fragt die Zahngesundheits-Erzieherin. „Ja“, rufen alle wie aus einem Munde. „Dann gehen wir jetzt Zähne putzen.“ Gruppenweise gehen die Kinder ins Bad. Erika Haba zeigt an Plüschtier Kroko noch einmal, wie man’s richtig macht – mit seinem Riesengebiss ist er das perfekte Model. Sind die Zähne sauber, gibt’s für jedes Kind einen Stempel auf den Arm. Als zusätzliche Motivation. Aber die hätte es gar nicht gebraucht, denn die Kleinen wissen nun genau, warum Zähneputzen wichtig ist. Und das Wichtigste: Sie haben Freude daran.

Keine Chance für Karies   

  • Karies ist eine Infektionskrankheit. Daher sollten Sie nicht den Schnuller/Löffel Ihres Kindes abschlecken.
  • Eine „größere“ Nascherei, am besten im Rahmen einer Hauptmahlzeit, ist weniger schädlich für die Zähne als viele kleine.
  • Drei Hauptmahlzeiten und zwei Jausen am Tag sind für Kinder empfehlenswert. Ständiges Zwischendurchessen und -trinken kann den Zähnen schaden.
  • Vorsicht bei sogenannten „gesunden“ Kinderlebensmitteln. Diese sind oft fett- und zuckerreich und ersetzen nicht die gesunde Jause.
  • Meiden Sie Getränke mit hohem Zucker- bzw. Säuregehalt, wie beispiels­weise Cola, Eistee, Limonaden usw.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht am Saugfläschchen dauernuckelt.
  • Nach dem Zähneputzen am Abend sind keine „Betthupferl“ mehr erlaubt – dazu zählen auch Getränke (außer Wasser).
  • Chips, Butterkekse, Knabbergebäck und dergleichen können wegen ihrer klebrigen Konsistenz das Entstehen von Karies fördern. 
  • Putzen Sie die Zähne Ihres Kindes solange nach, bis es flüssig schreiben kann. Dann ist die Motorik des Kindes so weit ausgeprägt, dass es eigenständig putzen kann.

Apollonia 2020   

„Apollonia 2020“ ist ein Projekt zur Kariesprophylaxe. Zahngesundheits-Erzieherinnen und -Erzieher besuchen alle Kindergärten und einen Großteil der Volks- und Sonderschulen in NÖ – und das mindestens zweimal pro Schuljahr. Nach dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ vermitteln sie den Kindern auf spielerische Weise alles rund um die Zahn­gesundheit. Auch in gut frequentierten Mutter-Eltern-Beratungsstellen informiert ein- bis zweimal im Jahr eine Zahngesundheitserzieherin/-erzieher von „Apollonia 2020“ über die optimale Zahnpflege bei Säuglingen (Termine siehe Seite 23; weitere Termine finden Sie in jeder Ausgabe von GESUND&LEBEN).
„Apollonia 2020“ ist eine Gemeinschaftsaktion des AKS-ZAVOMED und der Initiative »Tut gut!« und wird von der NÖ Landesregierung und den NÖ Krankenversicherungsträgern finanziert. Die Teilnahme am Projekt ist kostenlos.
Informationen: www.apollonia2020.at, www.noetutgut.at

Ganze Seite mit Terminen als PDF:


Dateien:
23from_GL010216_net.pdf110 Ki