Frauen stark machen
Zwei Polizisten aus St. Pölten zeigen Frauen ehrenamtlich, wie sie sich bei Übergriffen verteidigen und damit schützen können.

Peter Praxl trägt den schweren Schutzanzug, damit Amanda Börner die gelernten Techniken mit vollem Körpereinsatz üben kann.

Wenn man schon die Fäuste einsetzen muss, dann richtig: Sandra Bock übt mit Hugo Schläger-Mathisl. Foto: Felicitas Matern
„Wenn du an den Handgelenken festgehalten wirst, wie kannst du dich befreien?“ Hugo Schläger-Mathisl, Kontrollinspektor der Polizei in St. Pölten, lässt die zwölf Frauen im Trainingsraum paarweise ausprobieren, wie das gehen könnte – und zeigt es ihnen. Jede schafft es, auch wenn der zweite Trainer, Revierinspektor Peter Praxl, sie festhält. Und der war schließlich viele Jahre Kampfsportler und ist noch heute gut trainiert.
Selbstverteidigung für Frauen
Die beiden Polizisten bieten im Rahmen des Polizeisportvereins St. Pölten zweimal pro Jahr Selbstverteidigungskurse für Frauen an – ehrenamtlich. Und lassen sich dabei treten, schlagen, anschreien und stoßen, und das, so fordern sie, mit aller Kraft, die diese Frauen aller Altersgruppen aufbringen können. Warum, das erklärt Oberst Franz Bäuchler, Stadtpolizeikommandant von St. Pölten und Obmann des Polizeisportvereins, bereits in der ersten Einheit. Dass es nämlich wichtig ist, sich zu wehren. Denn laut Zahlen des Innenministeriums kommen 90 Prozent der von Männern attackierten Frauen
weitgehend unbeschadet davon, wenn sie sich wehren.
Hemmschwelle überwinden
Zum Training gehört das Üben: Wie nutze ich meine Faust, ohne mich selbst zu verletzen? Wie kann ich mich befreien, wenn ich von hinten festgehalten werde, ob am Hals oder um die Mitte? Wie kann ich mir selbst dann noch helfen, wenn ich schon am Boden liege? Tritte und Stöße werden trainiert, die beiden Polizisten ermutigen die Frauen, über ihre natürliche Hemmschwelle zu gehen. Das hilft, selbst eher schüchterne junge Mädchen tauen auf und setzen ihre Kraft ein – und das macht beim Trainieren allen Spaß.
Wenn Peter Praxl schwitzend und schwer atmend im Schutzanzug immer wieder gestoßen und geschlagen wird, Ellbogenstöße in den Bauch bekommt und Tritte gegen die Beine – warum tut er sich das an? „Wahrscheinlich aus Idealismus“, sagt er ganz bescheiden. Als er mit dem Kampfsport vor fünf Jahren aufgehört hat, hat ihn Hugo Schläger-Mathisl gefragt, und seither steht er 14 Abende pro Jahr zur Verfügung – „weil es wichtig ist“. Und Initiator Hugo Schläger-Mathisl – warum ist ihm dieses Training so wichtig? „Weil ich mir immer wieder denke, Frauen müssen sich doch wehren können. Wir kennen ja die Zahlen.“ Seit 17 Jahren bietet er beim Polizeisportverein in St. Pölten nun schon die Kurse an. Die Kollegen in Wien haben ihn inspiriert, weil dort so viel Nachfrage besteht. Und auch das Duo in St. Pölten kann sich nicht über mangelnde Nachfrage beschweren.
Stress & Herzklopfen
Auch wenn es an den sieben Abenden nur eine Trainingssituation ist – von hinten festgehalten werden, erzeugt Stress und Herzklopfen. Doch zu spüren, dass man sich aus einem festen Griff befreien kann, macht stark. „Das macht Frauen selbstbewusst, und mit dieser Haltung treten sie anders auf und sind damit weniger gefährdet, dass jemand einen Übergriff probiert“, weiß Schläger-Mathisl. Und dafür lässt er sich gerne stoßen und boxen ...
Polizeisportverein St. Pölten
Tel.: 059133/351002
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