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Ein flimmerndes Herz kann zu Schlaganfall führen

Unser Herz schlägt tagein und tagaus, Winter und Sommer rhythmisch wie ein Uhrwerk. Wenn wir aufgeregt oder außer Atem sind, sogar schneller. Aber immer rhythmisch – sofern wir gesund sind. Denn dieses rhythmische Schlagen sorgt dafür, dass Muskulatur und elektrische Leitungssysteme des Herzens gut funktionieren.


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Unser Herz schlägt tagein und tagaus, Winter und Sommer rhythmisch wie ein Uhrwerk. Wenn wir aufgeregt oder außer Atem sind, sogar schneller. Aber immer rhythmisch – sofern wir gesund sind. Denn dieses rhythmische Schlagen sorgt dafür, dass
Muskulatur und elektrische Leitungssysteme des Herzens gut funktionieren.
Bei Herzrhythmusstörungen gerät das Herz außer Takt. Zwar bleibt die Herzfunktion aufrecht, der Rhythmus des Ausstoßens von Blut aus dem Herzen in die Gefäße ist aber gestört. Der Betroffene bekommt meist gar nichts mit von den Problemen seiner lebenswichtigen „Pumpe“ Herz. Nur ganz selten gibt es dramatische Warnzeichen wie akute Atemnot, am ehesten bemerkt der Patient Schwindel oder Leistungsabfall.

Sechs Millionen Europäer mit Vorhofflimmern

Die häufigste Form der Rhythmusstörung ist Vorhofflimmern und betrifft immerhin mehr als sechs Millionen Menschen in Europa. Patienten mit Vorhofflimmern haben einen unregelmäßigen Herzrhythmus und sind daher anfällig für die Bildung von Blutgerinnseln im Herz. Diese können mit dem Blutstrom mitgerissen werden und große Gefäße, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen, verstopfen. Es kommt zu einer großflächigen Unterversorgung des Gehirns, was Mediziner als Schlaganfall bezeichnen. Ein solcher Schlaganfall kann zu schweren Folgeschäden mit dauerhafter Behinderung führen. Nicht selten verlaufen die Schlaganfälle sogar tödlich. In Österreich erleiden etwa 25.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall, wobei zumindest jeder fünfte auf Vorhofflimmern zurückzuführen ist.

Wie hoch ist Ihr Risiko?

Wer ist besonders gefährdet, an Vorhofflimmern zu erkranken? Im Prinzip jeder von uns, egal, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau. Aber es gibt Personen, die besonders gefährdet sind: Zum einen gilt das Lebensalter als entscheidender Risikofaktor, den wir allerdings nicht beeinflussen können. Denn ab dem 65. Lebensjahr steigt das Risiko für Vorhofflimmern leider deutlich an. Aber auch bestimmte Krankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht, Zuckerkrankheit, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzklappenfehler oder Schilddrüsenleiden können das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen. Wenn Sie einer dieser Risikogruppen angehören, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen. Mit einfachen Untersuchungen wie einem EKG lässt sich Vorhofflimmern aufspüren. Die europäische Kardiologengesellschaft empfiehlt sogar ausdrücklich allen
Personen über 65 Jahre, sich beim Arzt auf Vorhof­flimmern untersuchen zu lassen. Denn noch immer werden viele Rhythmusstörungen als „Zufallsbefund“ im Rahmen einer Vorsorge- oder anderen Untersuchung oder erst zu spät, nach einem Schlaganfall, aufgedeckt.

Vorbeugende Maßnahmen

Steht die Diagnose „Vorhofflimmern“ fest, können vorbeugende Maßnahmen gegen einen Schlaganfall ergriffen werden. Bei manchen Patienten gelingt es, den Herzrhythmus zu normalisieren. Den allermeisten Patienten, auch jüngeren, werden heute jedoch blutverdünnende Medikamente empfohlen, damit die Blutgerinnsel erst gar nicht entstehen. Häufig werden so genannte Vitamin-K-Antagonisten zur Blutverdünnung verordnet. Diese Medikamente sind zwar wirksam, ihre Wirkung kann aber durch Nahrungsmittel wie etwa Kohl beeinflusst werden. Zudem sind regelmäßige Laborkontrollen und Anpassungen der Dosis unbedingt erforderlich.
Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, sodass heute moderne blutverdünnende Medikamente zur Vorbeugung eines Schlaganfalls zur Verfügung stehen, die einfach anzuwenden sind. Die neuen Medikamente werden in fixer Dosierung eingenommen und regelmäßige Laborkontrollen sind nicht mehr erforderlich. Allerdings sollte vor Verabreichung dieser modernen Medikamente die Nierenfunktion untersucht werden. Denn einige der neuen Medikamente werden vor allem über die Niere ausgeschieden, sodass bei Störungen der Nierenfunktion die Dosis angepasst wird. Andere werden hingegen sowohl über die Niere als auch über die Leber ausgeschieden, sodass bei nur geringfügiger
Störung der Nierenfunktion die Dosis nicht verändert werden muss.

Gehören Sie einer Risikogruppe für Vorhofflimmern an? Sind Sie über 65 Jahre? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ärztin Ihres Vertrauens – diese werden Sie persönlich beraten und entscheiden, welche Untersuchungen und Behandlungen für Sie am besten geeignet sind. Denn nur rechtzeitige vorbeugende Maßnahmen schützen vor Schlaganfall!