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Blut in Wallung

Eine heiße Diskussion mit dem Chef, eine schwierige Prüfung am nächsten Tag – vieles kann unser Blut gehörig in Wallung versetzen und den Blutdruck ansteigen lassen. Das ist nicht weiter gefährlich. Gesundheitsgefährdend hingegen wirkt sich dauernder Bluthochdruck aus.


FOTO: Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Gerungs

„Der Chef ist wieder auf 180“ heißt es dann und man sollte eigentlich eher „ruhig Blut“ bewahren. Doch unser Blutdruck steigt, ohne dass wir es bewusst steuern oder gar verhindern könnten. Die Evolution hat es so vorgesehen, dass bei Gefahr, Stress oder Aufregung das Hormon Adrenalin ansteigt und den Blutdruck buchstäblich „anfeuert“. Gesteuert wird dieser Vorgang über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Biologisches Ziel ist, dem Körper mehr Energie zur Verfügung zu stellen, um für eine Gefahrensituation gewappnet zu sein.
Das ist an sich ein guter Plan der Natur. Bedrohlich wird die Sache, wenn der Blutdruck jedoch dauerhaft erhöht ist. Das ist nicht nur bei Dauerstress der Fall, sondern wird hauptsächlich durch einen ungesunden Lebensstil verursacht. Zu viel Salz und zu viel Fett in unserer Nahrung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol oder koffeinhaltige Getränke können den Blutdruck nach oben entgleisen lassen. Die Folgen: Die Blutgefäße werden beschädigt und damit steigt das Risiko für Arteriosklerose, Gehirnschlag, Herzinfarkt oder Nierenschwäche.

Der ideale Blutdruck

„Der Blutdruck-Grenzwert liegt bei Erwachsenen gemäß den internationalen Fachgesellschaften bei 135/85 mmHg“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Sebastian Globits, Internist, Kardiologe und Ärztlicher Leiter des Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Gerungs. Der vielfach angegebene Richtwert von 140/90 mmHg sei schon die ultimativ höchste Marke, so der Mediziner. Auch die in früheren Zeiten verwendete Formel „Lebensalter + 100“ ist obsolet. „Der Richtwert für einen normalen Blutdruck ist altersunabhängig“, betont Globits, „je niedriger, desto besser im Hinblick auf die Risikoklassifizierung.“ Das bedeutet, dass Menschen mit niedrigem Blutdruck keineswegs krank sind, sondern sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Zu niedriger Blutdruck kann jedoch zu Symptomen wie Schwindel und Müdigkeit führen, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist aber deutlich geringer als bei hohen Blutdruckwerten. Was aber heißt 135/85 mmHg eigentlich? Der erste, obere Wert des Blutdrucks wird als „systolischer“ Wert bezeichnet. Er entsteht in den Arterien, wenn sich der Herzmuskel anspannt. Diesen Vorgang des Zusammenziehens bezeichnet man als „Systole“: Dabei wird das Blut vom Herzen mit einer Druckwelle in die Arterien gepumpt. Der Wert repräsentiert somit die Muskelarbeit des Herzens. Der zweite, „diastolische“ Wert entsteht, wenn das Herz wieder erschlafft – der Vorgang des Erschlaffens wird „Diastole“ genannt. Dabei herrscht in den Arterien ein bestimmter Druck, vergleichbar mit dem Druck in einem Wasserschlauch. Der „diastolische Blutdruck“ repräsentiert den Spannungszustand der Gefäße.

So wird der Blutdruck gemessen

Zum Messen des Blutdrucks verwendet man Manschetten, die gut auf den Oberarm passen und geeicht sind. Die luftleere Manschette wird am Oberarm angelegt, mit einem Ballon wird Luft hineingepumpt, bis das Blut nicht mehr fließt. Dann wird die Luft langsam abgelassen, solange bis der Arzt mit dem Stethoskop in der Ellenbogenbeuge ein klopfendes Geräusch wahrnimmt. Der Wert, der dann aufscheint, ist der systolische Blutdruck. Die Luft wird weiter abgelassen, und zwar so lange, bis das Klopfen verschwindet, an diesem Punkt ist der Wert für den diastolischen Blutdruck ersichtlich. „Beide Werte sind gleich wichtig“, unterstreicht Globits. Wird jedoch nicht richtig gemessen, wenn etwa die Manschette nicht passt oder falsch angelegt wird, sind die Ergebnisse nicht mehr verlässlich.
Ist der Blutdruck zu hoch, bedeutet dies, dass das Herz gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten muss und dadurch chronisch geschwächt wird.
Globits: „Das Entstehen eines hohen Blutdrucks wird zu über 90 Prozent durch Lebensstil-Faktoren begünstigt. Dies wird als ‚essentielle Hypertonie‘ bezeichnet, das heißt ohne organische Ursachen. So etwa führt bereits ein Kilogramm Übergewicht dazu, dass der untere Blutdruck um 1 mmHg ansteigt.“ Aber auch ungesunde Ernährung verursacht Bluthochdruck. „Wir essen heute um dreimal mehr Salz, als die internationalen Empfehlungen raten. Neun Gramm pro Tag sind zu viel – idealerweise sollte der tägliche Salzkonsum drei Gramm nicht überschreiten.“ Das überschüssige Salz kann von der Niere nicht ausgeschieden werden und bindet so Wasser aus dem Gewebe. Dadurch steigen das Blutvolumen und damit auch der Druck in den Gefäßen. Falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Alkohol und Zigaretten fördern den hohen Blutdruck und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. All diese Faktoren kann jeder von uns selbst beeinflussen. „Primäre Erkrankungen wie etwa hormonelle Störungen sind nur zu einem geringen Prozentsatz für Blutdrucksteigerungen verantwortlich“, so Globits.

Sport statt Tabletten

Bei neu diagnostiziertem Bluthochdruck Medikamente zu verordnen, ist für Globits definitiv nicht die Therapie der ersten Wahl. „Es hat keinen Sinn, drei verschiedene Tabletten zu schlucken und am Lebensstil nichts zu verändern“, so der Mediziner. Er rät allen Betroffenen, im ersten Therapieschritt ein gesundheitsbewusstes Leben einzuleiten: „Ein Betroffener mit 20 Kilo Übergewicht sollte zuerst einmal abnehmen, ein Raucher zunächst auf die Zigarette verzichten, ehe man über Medikamente nachdenkt.“ Moderate Bewegung, salzarme Kost, Normalgewicht und der Verzicht auf übermäßig viel Alkohol und Nikotin sind wesentliche Faktoren, die dazu beitragen, den Blutdruck zu senken.
Übrigens: Der Blutdruck verändert sich während eines Tages laufend. Wer die Möglichkeit hat, selbst zu messen, sollte dies regelmäßig tun, um einen Mittelwert zu definieren. Sollte Ihr Arzt beim Messen in der Ordination einen erhöhten Blutdruckwert feststellen, kann das durch eine „Weißkittelhypertonie“ verursacht sein, wie Wissenschafter festgestellt haben wollen: Die Angst vor dem Arzt oder den möglichen Folgen einer Untersuchung kann den Blutdruck kurzfristig in die Höhe treiben.

So senken Sie Ihren Blutdruck

  • Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck regelmäßig – beim Arzt oder mittels Selbstmessung.
  • Ernähren Sie sich salzarm.
  • Reduzieren Sie tierische Fette bzw. essen Sie generell fettarm.
  • Achten Sie auf Ihre Cholesterinwerte.
  • Halten Sie Ihr Sollgewicht.
  • Verzichten Sie auf Nikotin.
  • Reduzieren Sie Alkohol.
  • Versuchen Sie, Stress zu vermeiden bzw. Ruhe und Entspannung zu finden.
  • Achten Sie auf aus­reichend Bewegung: Laufen, Schwimmen, Radfahren sind ideale Disziplinen, um „runterzukommen“ und fit zu bleiben.