< vorhergehender Beitrag

Das braune Gold

Kuren mit natürlichen Moorvorkommen kombinieren medizinische Wirksamkeit mit wohltuender Regeneration.


Seit Jahrhunderten bekannt, erfreut sich eine alte Heilmethode heute wieder wachsender Beliebtheit: Schon der Volksmund weiß, dass hinter dem „schwarzen Gold“ Moor mehr steckt als nur Schlamm. Der Arzt Paracelsus empfahl bereits vor 470 Jahren in seinem „Pfäferser Baderbüchlein“ Heilmoor gegen Fieber und Appetitlosigkeit, Unfruchtbarkeit und Gallenleiden. „Natürliche Heilmoor-Vorkommen haben ein sehr großes gesundheitliches Potenzial und können in einer breiten Palette von Anwendungsgebieten eingesetzt werden“, weiß Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Leiter der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin, das sich der Erforschung der Wirkung und des Erfolgs von Kuren verschrieben hat.
Dabei ist das Moor nur die Lagerstätte, und nicht das therapeutische Material im eigentlichen Sinne: Das im Moor vorhandene und verwendete Material ist Torf. Es entsteht durch die Verwitterung von versunkenen Blüten, Blumen, Heilkräutern und anderen Pflanzen. „Moore sind ganz spezielle Naturlandschaften mit einer einzigartigen Pflanzenwelt. Über Jahrtausende reifen die Torfschichten hier heran – meist abgeschottet von Wasser und Luft. Dieser organische Cocktail ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen wie Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphaten oder Schwefel“, erklärt Marktl.

Gleichmäßige Erwärmung

Die häufigste Anwendungsform für Peloide, so die fachliche Bezeichnung für Heilerden, ist jene der Peloidpackung: entweder als Ganzkörperpackung oder punktuell nur an bestimmten Teilen des Körpers. „Heilmoor kann dank seiner thermophysikalischen Eigenschaften heißer aufgetragen werden als Wasser und gibt seine Wärme langsamer ab“, erklärt Marktl. Die Folge ist eine gleichmäßige Erwärmung des Körpers, seiner Organe und Muskeln. Diese Eigenschaften macht man sich zum Beispiel in den Kurzentren in Bad Traunstein, im Moorbad Harbach, Bad Großpertholz oder in Bad Tatzmannsdorf zunutze. Die Wirkungsweise des Moors hängt von der Qualität und Zusammensetzung des sogenannten Moorstiches ab, weiß Marktl „Das bedeutet: Moor ist nicht gleich Moor. Jedes Vorkommen hat seine ganz eigenen charakteristischen Eigenschaften.“ Der Nutzen für die Patientinnen und Patienten? Ob Immunsystem, Hormonhaushalt, Stoffwechsel oder Nervensystem; Moorbehandlungen kombinieren medizinische Wirksamkeit mit wohltuender Regeneration. Das Immunsystem wird gestärkt und die Selbstheilkräfte des Körpers werden angeregt. Die nachhaltige Wirkung des Moors als entzündungshemmendes, muskelaktivierendes, schmerzstillendes und kräftigendes Heilmittel ist seit langem wissenschaftlich bestätigt. Peloide kommen etwa bei Erkrankungen des Bewegungsapparates zum Einsatz, bei degenerativen Zuständen der Gelenke und der Wirbelsäule, entzündlich-rheumatoider Arthritis und rheumatischen Erkrankungen, nach Entzündungserkrankungen der Gliedmaßen oder Verletzungen des Bewegungsapparats.
Durch seine thermische, biochemische und mechanische Wirkung fördert Heilmoor die intensive Entspannung der Muskulatur und fördert gleichzeitig auch die Durchblutung. Wichtige Mineralstoffe können so in die Haut eindringen und auch die Durchblutung der feinsten Blutgefäße anregen, was der Körper mit einem Ausscheiden von Schlacken, Schweiß und Salzen an das Moor goutiert.

Stichwort: Peloide

In der Balneologie werden Heilmoore, Heilschlamme und Heilerden unter dem Begriff „Peloide“ zusammengefasst. Die drei Peloidarten unterscheiden sich in erster Linie durch das unterschiedliche Verhältnis von organischen zu anorganischen Inhaltsstoffen. Moore bestehen überwiegend aus organischen Inhaltsstoffen, Heilerden aus anorganischen. Von therapeutischer Bedeutung sind vor allem das hohe Wärmehaltungsvermögen und die geringe Wärmeleitfähigkeit.

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl,
Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin