Echte Männer sorgen vor
Was für Frauen selbstverständlich ist, ist für viele Männer unvorstellbar: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Die Aktion „Movember“ will Männer verstärkt dazu motivieren.

Aus allen urologischen Abteilungen der NÖ Landes- und Universitätskliniken beteiligen sich Ärzte an der Motivationskampagne: (v. l.) Ass. Dr. Ortwin Heissler (Baden), 1. OA Dr. Gerhard Donner (St. Pölten), Ass. Dr. Rudolf Hölzl (Korneuburg), LR Mag. Karl Wilfing, OA Dr. Mirco Holz (Krems), Kabarettist Reinhard Nowak, OA Dr. Bernhard Schmid (Wiener Neustadt), Dr. Markus Klamminer (stv. Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding) und 1. OA Dr. Vladimir Kotek (Waidhofen/Thaya). foto: NLK
Männer sind Gesundheitsmuffel. Sie gehen seltener zum Arzt als Frauen, ernähren sich ungesünder und rauchen öfter. Damit setzen sie sich einem hohen Risiko aus. „Die meisten Männer kommen zum Urologen, weil sie von ihrer Frau geschickt werden. Das ist ganz klassisch und liegt wohl an der Grundeinstellung der Männer, die lautet: ‚Was soll mir passieren?‘“, meint Prim. Assoc. Prof. Dr. Eckart Breinl, Leiter der Klinischen Abteilung Urologie und Andrologie im Universitätsklinikum St. Pölten. Ein großes Problem sieht er darin, dass urologische Erkrankungen, die zum Tod führen können, in einem Stadium, in dem sie noch heilbar sind, keine Symptome hervorrufen.
Vorsorge
Darum müssen Männer auf Vorsorge setzen. Dabei ist die Vorsorge beim jungen Mann und beim älteren zu trennen. Hodentumore bei jungen Männern sind mit einer Häufigkeit von 7:100.000 zwar relativ selten, aber dennoch die am häufigsten vorkommende Form der Organtumore. Da sie sehr schnell wachsen können, empfiehlt der Experte, einmal im Monat die Hoden in eingeseiftem Zustand unter der Dusche auf Veränderungen hin zu überprüfen. Die Vorsorge für Männer ab 45 Jahren sollte über den praktischen Arzt erfolgen, der den Lebensstil überprüft. Bei ungesundem Lebensstil sind Männer häufig von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinfarkten betroffen. „In den letzten Jahren achten mehr Männer auf ihre Ernährung und gehen öfter laufen, um fit zu bleiben“, meint Urologe Breinl, „es gibt aber dennoch viel Nachholbedarf.“
Die Prostata
„Das Prostatakarzinom ist der häufigste Tumor bei Männern. Glücklicherweise aber nicht der Tumor, der am häufigsten zum Tode führt“, erklärt Breinl. Die Sterblichkeitsrate ist in den letzten Jahren zurückgegangen und die Entdeckungsrate gestiegen. Prostatakrebs kann in Zusammenhang mit einem gestörten Fettstoffwechsel stehen, hat also auch etwas mit der Ernährung zu tun. In Japan kommt der Prostatatumor viel seltener vor als in Österreich. Männer, die von Japan nach Österreich ziehen und ihre Ernährungsweise anpassen, haben laut Studien ein höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Auch die Familie spielt eine Rolle: „Wenn der Vater oder Großvater ein Prostatakarzinom oder ähnliches hatte, sollte man ab 40 Jahren mit Vorsorgeuntersuchungen beginnen“, rät der Experte.
Die Blase
Diabetes kann Nerven und Organe wie die Blase schädigen, Diabetiker haben ein viel höheres Risiko, eine Blasenfunktionsstörung zu erleiden als ein Mann mit guten Blutzuckerwerten. Breinl: „Das kann zu Inkontinenz führen, bedeutet aber meistens, dass die Blase nicht mehr vollständig entleert werden kann.“ Das ist leider das Schicksal der meisten Männer: Die Prostata umschließt die Harnröhre, wird mit dem Alter immer größer und ist somit ein Hindernis, erklärt Breinl. Auch die Blase kann von Tumoren befallen werden.
Häufigstes Symptom für einen Blasentumor ist Blut im Harn – das man mit freiem Auge aber nicht unbedingt sehen kann.
Nierentumore
Nierentumore lassen sich mit Ultraschall-Untersuchungen gut erkennen „Die Technik wird immer besser, wir sehen sie heute immer früher“, berichtet Breinl. Dadurch können sie oft entfernt werden, bevor sie Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden, und meist kann – im Gegensatz zu früher – „organerhaltend“ operiert werden.
Potenzstörungen
Die für Männer so wichtige Potenz wird von vielen Faktoren beeinflusst. Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes können sie beeinträchtigen. Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankungen können ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Potenz haben. Deshalb findet Breinl es wichtig, Männern frühzeitig zu erklären, dass sie mit Potenzstörungen rechnen müssen, wenn sie nicht auf ihren Körper achten. „Klassischerweise kommen Männer zwischen 55 und 65 zu uns, die vorher selten beim Arzt waren“, schildert der Urologe. „Ich schicke sie dann zum Internisten, der häufig eine Arterienverkalkung diagnostiziert, die die Potenz beeinflusst.“
Individuelle Behandlung
Von der jährlichen Vorsorgeuntersuchung, die den Patienten früher ans Herz gelegt wurde, sind die Mediziner wieder abgekommen. Wenn die Ergebnisse in Ordnung sind und der PSA-Wert sehr niedrig ist, genügt es, einmal im Jahr beim Hausarzt eine Laborkontrolle machen zu lassen und erst in zwei oder drei Jahren wieder zum Urologen zu gehen. „Es ist viel wichtiger, die Leute indivi-duell zu betreuen, um auch die Disziplin der Männer zu verbessern, die Vorsorgeuntersuchung durchführen zu lassen.“ Der PSA-Wert ist zwar umstritten, weil er von vielen Faktoren abhängt und nicht unbedingt nur erhöht sein muss, wenn eine Krankheit dahintersteckt, es gebe in der klinischen Praxis aber keine Alternative dazu, sagt Breinl: „Er ist der Blutwert, der am häufigsten zur Prostatakrebsdiagnose führt.“
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