Die Stiefkinder des Körpers
Auch kräftige und gesunde Füße brauchen ein Trainingsprogramm, um auf Dauer funktionieren zu können.
Irgendwann rund um den ersten Geburtstag ist es so weit: Aus dem Krabbelkind wird ein kleiner Geher. Fortan tragen ihn die Füße durch Dick und Dünn, tagtäglich, oftmals in schlechtes Schuhwerk gezwängt.
Auf unseren Füßen lastet unser ganzes Körpergewicht – bei manchen ist das ziemlich viel, bei anderen weniger, aber immer ziemlich viel auf recht kleiner Auflagefläche! All das er-tragen die Füße im wahrsten Sinne des Wortes – und meist, ohne dass wir sie beachten oder ihre Leistung schätzen.
Probleme mit den Füßen sind in den wenigsten Fällen angeboren, sondern meist im Laufe der Zeit erworben. Bewegungsmangel, falsches Schuhwerk und das Laufen auf unnatürlichem Boden sind einige der Gründe dafür. „Passt die Fußstatik nicht mehr, hat dies Auswirkungen auf den gesamten Körper! Es ist nie nur ein lokales Problem“, betont Physiotherapeutin Andrea Miklin vom Physioteam der Sportwelt NÖ.
Falsche Belastung der Füße und Fehlstellungen wirken sich auf Kniegelenk, Hüfte und in weiterer Folge auf die Wirbelsäule aus. Dann treten Beschwerden auf, die man meist erst nach genauer Analyse dem Fuß als Auslöser zuordnen kann.
Zehn Minuten täglich
All das lässt sich vermeiden, weiß Physiotherapeutin Miklin: „Mit rund zehn Minuten täglicher Gymnastik können Sie Ihren Füßen ein kleines Dankeschön sagen für die vielen Jahre treuer Begleitung. Und gleichzeitig Fehlstellungen vorbeugen.“ Die Durchblutung der Füße steigt an, die Zehen werden besser mit Sauerstoff versorgt und auch die Beweglichkeit bleibt erhalten.
Die Übungen sind einfach auszuführen, Sie benötigen keine besonderen Hilfsmittel. Bei Kreislaufproblemen oder Schwindel versuchen Sie den Einbeinstand mit Vorsicht und verzichten besser auf geschlossene Augen. Leiden Sie unter einem Hohlfuß, dann lassen Sie die Übungen aus, bei denen die Zehen zusammengekrallt werden, da er dadurch verstärkt wird. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen.
Kinder fürs Üben gewinnen
Beim Üben mit Kindern lässt sich das Programm leicht unterhaltsamer gestalten, indem man kleine Wettbewerbe einbaut. So können etwa Socken mit den Zehen hochgehoben und in einen Korb gelegt werden. Oder beim Schreiben mit dem Stift soll ein aufgezeichneter Weg nachgefahren werden. Eine Alternative für zwei Kinder oder Erwachsener und Kind ist das „Kräftemessen“, wo ein Handtuch mit den Zehen festgehalten wird und man versucht, den anderen zu sich herzuziehen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Den Füßen Gutes tun
Gönnen Sie Ihren Füßen immer wieder ein Wellness-Programm: Fußbäder mit rund 36 Grad für zwanzig Minuten sind nach einem langen Arbeitstag eine ideale Entspannung. Ein Badezusatz macht daraus pures Vergnügen: Rosmarin und Zitrusfrüchte wirken belebend, Kamille und Melisse beruhigend. Danach immer schön eincremen. Ideal sind dafür Massagegriffe, vom Streichen über das Dehnen der Sohle bis hin zum Ausstreichen der einzelnen Zehen.
Möchte man seinen Füßen etwas besonders Gutes tun, so ist eine Fußreflexzonenmassage eine wunderbare Möglichkeit. Hier geht man davon aus, dass am Fuß der ganze Körper und alle Organe in gewissen Bereichen dargestellt sind und man durch Berühren der Sohle auf den stellvertretenden Körperteil Einfluss nehmen kann.
Fußübungen in den Alltag integrieren
Im Alltag lassen sich immer wieder Pausen für die Füße einplanen:
- Unter dem Schreibtisch aus den Schuhen schlüpfen und die Zehen bewusst strecken und beugen.
- Zwischen Zehenstand und Fersenstand wechseln.
- Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen – das schult so ganz nebenbei Muskeln und Gleichgewicht.
- So oft wie möglich barfuß gehen!
Auf gute Schuhe achten
Achten Sie bei Ihren Schuhen darauf, dass den Zehen genug Bewegungsfreiheit bleibt und sie nicht eingezwängt werden. Eine relativ neue Alternative sind Zehenschuhe oder FiveFingers. Hier hat jede Zehe – wie der Name schon sagt – vergleichbar einem Handschuh einen eigenen Platz. Eine Spezialsohle schützt vor Verletzungen. Für den Träger ist es ein Gefühl „fast wie barfuß“.
Schuhe mit Absatz verändern den Schwerpunkt und in weiterer Folge die Haltung. „Liegt der Hauptdruck zu 60 bis 70 Prozent normalerweise auf den Fersen, so wandert er bei
Stöckelschuhen nach vorne auf die Zehen. Die damit verbundene Schwerpunktverlagerung setzt sich bis zur Wirbelsäule fort“, erklärt Miklin das Entstehen des Hohlkreuzes durch diese veränderte Belastung und rät, hohe Schuhe nur zu besonderen Anlässen, aber nicht tagtäglich zu tragen.
Bei Kindern mustern Sie zu klein gewordene Schuhe immer rechtzeitig aus. Schuhe müssen gut passen und dürfen nicht einengen. Planen Sie beim Schuhkauf daher immer genug Zeit ein, damit Sie gemeinsam mit Ihrem Sprössling den richtigen Schuh finden, der passt und Ihrem Kind auch gefällt.
Es ist ganz einfach, die Füße fit zu halten – zehn Minuten Gymnastik täglich und ein wenig Zuwendung durch Massieren und Bäder helfen ihnen, uns auch weiterhin stark und gesund durchs Leben zu tragen.
Fotos: Gerald Lechner
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