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Das Beste für kleine Gäste

Kleine Feinschmecker auf den gesunden Geschmack zu bringen ist für Eltern oft gar nicht so einfach – und auch eine spannende Herausforderung für Wirtinnen und Wirte.


Unsere Testesser (v.l.) Felix, Selina, Celine Leonie und Elise verkosteten dreierlei gesunde Kindergerichte: Das schmeckt!

„Das mag ich nicht“, „Ich esse nichts Grünes“, „Ich will lieber Pommes!“ – Sätze, die vielen Eltern bekannt sein dürften. Kinder befinden sich im Wachstum. Eine abwechslungsreiche Ernährung, die neben den Hauptnährstoffen viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe enthält, ist daher besonders wichtig. Damit Kinder abwechslungsreich essen und auch zu Obst und Gemüse greifen, gibt es kleine Tricks, die das Essen spannend und interessant machen. Auch immer mehr Gastronomen bieten gesunde Kindergerichte an – als Alternative zu Schnitzel mit Pommes. Doch wie bringt man die Kleinen dazu, sich einen Putenspieß mit Gemüse statt eines Schnitzels zu bestellen? „Man muss sich was einfallen lassen“, schmunzelt der Waldviertler Wirt Christian Vlasaty, „und es muss vor allem appetitlich aussehen.“

Gesundheit und Genuss

Christian Vlasaty muss es wissen. Seit Jahren beliefert er die Volksschule Maissau mit gesundem, schmackhaftem und abwechslungsreichem Essen – und trifft beinahe immer den Gusto der Kinder. Mit seinem Gericht „Putenspieß auf Gemüsebett mit Erdäpfelküken“ hat er nun einen Rezeptwettbewerb der Initiative »Tut gut!« gewonnen. Eingeladen waren alle »tut gut«-Wirte in NÖ, gesucht wurde das kreativste und innovativste Kindergericht – natürlich entsprechend den »tut gut«-Wirte-Kriterien (siehe Kasten S. 36). Mag. Barbara Puchberger, bei der Initiative »Tut gut!« zuständig für die »tut gut«-Wirte: „Mit dem Wettbewerb haben wir die Wirtinnen und Wirte dazu aufgerufen, gesunde Gerichte für Kinder zu kreieren. Denn Gesundheit und Genuss müssen auch bei Kindergerichten kein Widerspruch sein.“

Fantasievolle Gerichte

Wirt Christian Vlasaty hat mit dem Gasthof zur Eiche in Maria Dreieichen gewonnen – gemeinsam mit seiner Gattin Alexandra Turek und seiner Mutter Brigitta schwingt er heute den Kochlöffel und präsentiert GESUND+LEBEN das Sieger-Rezept und zwei weitere Gerichte. Schon beim Durchlesen läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Putenspieß an Gemüsenest mit Erdäpfelküken, bunter Knödelmix in Gemüsewurzelsauce und Gemüsewalze im Kräutersee (Rezepte siehe S. 37). Schon die Namen machen neugierig und verleiten Kinder, sich dieses Gericht zu bestellen. Denn was bitte schön ist ein Erdäpfelküken? Und was sind bunte Knödel? Nicht nur die kindliche Neugier ist geweckt.

Spielerischer Zugang

Wichtig ist vor allem der spielerische Zugang, erklärt Christian Vlasaty: „Man muss kreativ sein – beim Kochen und auch beim Anrichten, denn gerade bei Kindern isst das Auge mit.“ Dass nur frisches Gemüse verwendet wird, versteht sich von selbst, betont die Senior-Wirtin Brigitta Vlasaty: „Wir kochen immer mit frischen und vor allem Bio-Produkten, schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.“ Immer schon schwört sie auf den besseren Geschmack von Produkten aus der Region, auch beim Fleisch: „Das Schwein aus dem Tullnerfeld schmeckt einfach besser als ein beliebiges No-name-Schwein. Das Fleisch ist mürber und saftiger.“  Während die Senior-Wirtin die Wurzelsauce zubereitet, klein geschnittenes Gemüse kocht und anschließend püriert, verrät ihr Sohn, wie die Knödel bunt werden: „Man muss eine spezielle Erdäpfelsorte verwenden, Violetta, die – wie der Name schon sagt – violett sind. Gibt man eine Prise
Natron dazu, werden sie grün. Keine Sorge, die Beigabe von Natron ist absolut unbedenklich.“
Die Violetta-Erdäpfel bezieht er aus der Stockerauer Gegend, sie sind aber auch in anderen Regionen Niederösterreichs erhältlich. Und wenn Sie keine zur Hand haben, eignen sich auch normale festkochende Sorten – sie werden zwar nicht bunt, schmecken aber genauso lecker und sind schön angerichtet auch ein Augenschmaus.
Ein Tipp von Christian Vlasaty: „Machen Sie die Knödel unterschiedlich groß, das kommt bei Kindern besser an.“ In der Zwischenzeit formt seine Gattin Alexandra aus der Erdäpfelmasse ein Küken – es wird später der Hingucker beim Putenspieß. Fast zu putzig zum Verputzen!

Kleine Genießerinnen und Genießer

Alle drei Gerichte wurden im Vorfeld bereits getestet von den Maissauer Volksschülern und Vlasatys beiden Töchtern, sind also praxiserprobt und kamen bei den kleinen Genießern gut an. Wirt Vlasaty weiß um den Gusto von Kindern: „In ihrer gustatorischen Wahrnehmung sind Kinder den Erwachsenen weit überlegen. Sie haben weit mehr Geschmackszellen und nehmen Gerüche und Geschmäcker viel intensiver wahr. Das Mundgefühl von Kindern ist noch viel feiner, daher bevorzugen Kinder eher milde und neutrale Speisen. Nudeln lieben alle, auch Reis und Erdäpfelgerichte. Gemüse sollte etwas süßlich schmecken – beliebt bei Kindern sind Karotten,
Gurken, Erbsen, Zucchini oder Mais. Auch Obst muss reif, süß und saftig sein.“

Appetitlich angerichtet

GESUND+LEBEN macht heute die Probe aufs Exempel und serviert kleinen Testessern – und einer größeren Testesserin – die frisch gekochten Speisen. Gespannt und hungrig warten Leonie Elise (8), Celine (12), Selina (6) und Felix (3 1/2).
Als Erstes wird der Putenspieß an Gemüsenest mit Erdäpfelküken serviert. Erwartungsgemäß stürzen sich alle gleich aufs Küken, das auf einem appetitlich angerichteten Gemüsenest sitzt. Alles wird ratzeputz verschlungen – Test bestanden. Die Knödel kommen auch sehr gut an. Nur der kleine Felix beäugt etwas verun­sichert den grünen Knödel – erinnert es ihn doch an ein Spinatknödel, und das mag er gar nicht. Aber der kleine Draufgänger kostet es trotzdem und wirkt überrascht: Es schmeckt – und zum Glück nicht nach Spinat! Sogar der Gemüsespieß mit Kräutersauce mundet allen hervorragend. Ein weiterer Tipp von Wirt Vlasaty: „Verfeinern Sie die Kräutersauce mit einer kleinen Prise Zucker – dann schmeckt sie Kindern besser.“
Es kommt also auf die Zubereitung an und auch darauf, wie die Speisen angerichtet werden – bunt und spielerisch sind nur einige Tricks. Und bedenken Sie: Kinder ahmen ihre Eltern im Ernährungsverhalten nach – da kann es sich für Erwachsene durchaus lohnen, die eigenen Einstellungen ehrlich zu hinterfragen. Seien Sie ein Vorbild.

Fotos: Felicitas Matern

Gasthof zur Eiche
3744 Maria Dreieichen 77
Tel.: 02982/8251
www.gutspeisen.at

Putenspieß an Gemüsenest mit Erdäpfelküken

Zutaten (4 Portionen): 2 Karotten, 1 kleine Zucchini, 1/2 Paprika rot, 1/2 Paprika gelb, 4 Cocktailparadeiser, 25 dag Putenbrustfleisch
Erdäpfelküken: 4 gekochte Erdäpfel, 1 Ei, 3 EL glattes Mehl, 1 EL Butter
Zubereitung: Karotten und Zucchini schälen und mit dem Sparschäler in Streifen „schälen“. Die Gemüsestreifen kurz in einer Pfanne mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer anschwitzen. Paprika in ca. 1 x 1,5 cm rechteckige Stücke schneiden. Putenfleisch in kleine Würfel schneiden und abwechselnd mit den bunten Paprikastücken auf Spieße stecken. Die Spieße mit Salz und Pfeffer würzen und in einer Pfanne mit etwas Olivenöl anbraten.
Die gekochten Erdäpfel durch eine Presse drücken und mit Ei, Butter, etwas Salz und Mehl vermengen. Sollte die Masse zu feucht sein, geben Sie Semmelbrösel zur Bindung dazu, bis die Masse eine formbare Konsistenz hat. Daraus die Küken formen und kurz heraus­backen. Spieß und Gemüsestreifen auf dem Teller anrichten, das Küken auf das Gemüse setzen und einen Cocktailparadeiser als Farbtupfer auf den Teller legen.

Bunter Knödelmix in Gemüsewurzelsauce

Zutaten (4 Portionen): 2 Karotten, 1/2 Zeller, 1 gelbe Rübe, 1 kleine Zwiebel, 2 EL Paradeismark, 1/4 l Gemüsebouillon, 4 Erdäpfeln Ditta, 4 Erdäpfeln Violetta, 2 Eier, 10 dag Mehl, 1 EL Grieß, 5 dag Stärkemehl, Prise Natron (Speisesoda), Petersilie und roten Paprika zum Garnieren
Zubereitung: Gemüse in Würfeln schneiden, anschwitzen, Paradeismark mitrösten. Mit etwas Gemüsebouillon aufgießen und mit Salz und einer winzigen Prise Chili und Staubzucker abschmecken. Erdäpfel am Vortag kochen (Violetta brauchen die halbe Kochzeit wie herkömmliche Erdäpfel) und über Nacht kühl stehen lassen. Erdäpfel pressen und mit Eiern, Mehl, Stärkemehl und dem Grieß zu einem Teig vermengen. Verschiedengroße und verschiedenfärbige Knödel formen (z. B. innen violett und außen weiß oder außen violett und innen weiß). Kochen Sie die Knödel in zwei verschiedenen Kochtöpfen und geben Sie zu den Violetta-Knödeln eine Prise Natron dazu – dadurch färben sich die violetten Erdäpfelknödel grün. Die bunten  Knödel auf der Wurzelsauce wie ein Gesicht anrichten und den in Streifen geschnittenen bunten Paprika als Haare und Mund anrichten.

Gemüsewalze im Kräutersee

Zutaten (4 Portionen): 1/4 l Becher Joghurt, frische Kräuter nach Saison oder 7 Kräuter gefroren, 2 große Karotten, 1 Gurke, 1 Zucchini, weißer Radi, 2 große Erdäpfel
Zubereitung: Joghurtsauce: Joghurt und Kräuter mischen und mit Salz, Pfeffer und wenig Staubzucker abschmecken. Für die Spieße das Gemüse waschen, schälen und kurz in Ölivenöl anbraten. Das gebratene Gemüse abwechselnd auf Spieße stecken. Joghurtsauce am Teller verteilen und Spieße darauf legen. 

»tut gut«-Wirte

Ein Angebot der Initiative »Tut gut!« in Zusammenarbeit mit den Fachgruppen Gastronomie & Hotellerie der Wirtschaftskammer NÖ. Mit der Aktion »tut gut«-Wirte unterstützt die Initiative »Tut gut!« seit 2003 jene Wirte in Niederösterreich, die aktiv zu einer gesünderen Ernährungsweise ihrer Gäste beitragen wollen. Alle »tut gut«-Wirte haben eine spezielle Ausbildung abgeschlossen und kochen für ihre Gäste nach aktuellen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Speisekarte der mittlerweile etwa 100 »tut gut«-Wirte in NÖ erfüllt folgende Kriterien:

  • regionale und saisonale Lebensmittelauswahl
  • Fischgerichte und fleischlose Gerichte
  • verschiedene Salatvariationen
  • Gerichte werden auch als kleinere Portionen serviert
  • Desserts mit hohem Obstanteil
  • fettarme Zubereitungsarten
  • Informationen: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at