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Der Muskelkater meines Lebens

GESUND+LEBEN-Redakteurin Ingrid Vogl über ihren ersten Kontakt mit Slings und ziemlich schmerzhafte Folgen des 45-minütigen Trainings


Foto: Wolfgang Danzer

Es ist eine Rückkehr in meine Jugend: Nach mehr als 20 Jahren stehe ich wieder im Mädchen-Turnsaal meiner Schule. Verändert hat sich nicht viel, sogar der typische Geruch ist mir auf Anhieb vertraut. Völlig neu ist für mich nur die Sportart, die ich heute mit fünf Schülern der Wahlpflichtgruppe Sport ausprobieren werde – lauter aktive Sportler, darunter auch eine Teilnehmerin der Leichtathletik-Jugend-WM. Da heißt es, alle Kräfte mobilisieren, um nicht allzu sehr von den Youngsters abzustechen. Aber das könnte schwierig werden, denn Kraft und vor allem Körperspannung zählen nicht zu meinen großen Stärken. Das bestätigt sich gleich bei der ersten Übung.

Schwieriger, als es aussieht

Im Stand sollen wir uns mit gestrecktem Körper und gestreckten Armen nach vorne fallen lassen und kräftig in die Seile stützen. Sieht einfach aus, ist es aber nicht, denn die Seil-Schlaufen-Konstruktion erweist sich als weit instabiler als gedacht. Sofort beginne ich zu wackeln und zu zittern, aber auch mein Ehrgeiz erwacht. Wäre doch gelacht, wenn ich die Seile nicht zur Ruhe bringen könnte. Geschafft. Jetzt sollen wir eine Hand aus der Schlaufe lösen, an der Körperhaltung sollte sich dadurch jedoch nichts ändern. Und das soll gehen? Bei mir nicht, denn ich verliere das Gleichgewicht und kippe zur Seite. Damit ich nicht wie ein Mehlsack auf die Matte plumpse, greife ich schnell nach der zweiten Schlaufe und mache einen Schritt nach vorne. Gerettet. „Gut reagiert“, lobt Prof. Müller. Na immerhin, die Reaktionsfähigkeit stimmt noch, muss ich doch ein wenig schmunzeln. Je mehr Übungen wir machen, umso stärker merke ich, wie intensiv Sling-Training ist. Nach einer halben Stunde bin ich ziemlich geschafft. Mir gelingt es kaum mehr, meine Muskeln richtig anzuspannen, um die Übungen noch halbwegs korrekt ausführen zu können. Meist hänge ich hilflos in den Seilen. Meine Arme zittern mittlerweile ganz von alleine. Und das vergeht auch in den nächsten Stunden nicht.

Meine Muskeln rebellieren

Wäre das Zittern nur schon alles gewesen. Der Muskelkater, den ich als Andenken an 45 Minuten Sling-Training mitgenommen habe, übertrifft alles bisher Dagewesene und wirft mich für zwei Tage aus der Bahn. Plötzlich sehne ich mir Schuhe mit Klettverschlüssen oder besser gleich Schlüpfer herbei, weil ich vor lauter Muskelkater in den Oberarmen Probleme habe, die Schuhbänder fest zuzubinden. Und dann erst das Autofahren: Zum Einlegen des Rückwärtsganges brauche ich die zweite Hand, weil eine alleine zu kraftlos ist, um den Schalthebel nach hinten zu drücken.
Eines weiß ich aber sicher: Dass man mit Sling-Training Muskeln kräftigt, die man mit keiner anderen sportlichen Betätigung trainieren kann, ist kein billiger Werbegag. Nein, es ist die nackte Wahrheit. Wer’s nicht glaubt, möge es ausprobieren. Aber Vorsicht: Die Wahrheit tut manchmal weh, und in diesem Fall sogar ganz bestimmt …