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Den Husten richtig im Griff

Reizend oder verschleimt? Husten ist nicht gleich Husten. Doch welche Mittel helfen bei welcher Hustenart?


Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker berät Sie bei der Wahl des richtigen Medikaments.

Die Nächte werden länger, die ersten Schneeflocken fallen ... Die klirrend-kalten Wochen haben freilich ihre schönen und romantischen Seiten. Die Freude darüber wird aber oft durch einen quälenden Husten getrübt. Doch Husten ist keine Krankheit, sondern ein Symptom mit tieferem medizinischen Sinn: Durch das explosionsartige Ausstoßen von Luft werden der von den Bronchien produzierte Schleim und damit auch Keime und Schadpartikel ausgestoßen. Husten ist daher auch ein Schutzreflex, der verhindern soll, dass die Atemwege verlegt sind.
Husten kann verschiedene Ursachen haben, erklärt Mag. Heinz Haberfeld, Inhaber der Landschafts-Apotheke in Baden: „Bei etwa 90 Prozent der Erkrankungen sind Viren die Ursache einer Erkältungsinfektion. Husten kann aber auch als Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten oder wegen einer Magenübersäuerung auftreten.“

Reizend oder reinigend

Bei gängigem „Erkältungshusten“ unterscheiden Mediziner zwei Arten: den trockenen Reizhusten und den verschleimten Husten. Der anfangs trockene, „unproduktive“ Reizhusten entsteht wegen einer Infektion der oberen Atemwege oder des Rachenraumes. Er wird durch einen Reflex im Hustenreizzentrum ausgelöst, um die Bronchien zu reinigen. Anhaltender Reizhusten belastet den Körper, weil er die Luft mit hoher Geschwindigkeit durch das Zwerchfell aus der Lunge schleudert. Dadurch können die Bronchien verletzt werden. Als „produktiv“ bezeichnen Apotheker und Mediziner den nach drei bis vier Tagen folgenden verschleimten Husten. Er befreit die Bronchien von Schleim und Keimen und reinigt sie so. Husten ist also nicht gleich Husten: Wesentlich ist, je nach Stadium der Erkrankung das entsprechende Medikament zu wählen. Apotheker Haberfeld rät: „Greifen Sie zunächst nur zu hustenreizdämpfenden Medikamenten. Geht der Husten in einen ‚produktiven Husten‘ über, dann nehmen Sie auswurffördernde Substanzen.“

Phase 1: Hustenstiller

Was eignet sich angesichts des reichhaltigen Angebots in welchem Hustenstadium? Experte Haberfeld klärt auf: „Wir unterscheiden zwischen synthetischen und pflanzlichen Arzneimitteln, die – je nach Hustenstadium – unterschiedliche Wirkungen haben.“ Natürliche Hustenstiller sind beispielsweise Extrakte aus Spitzwegerich, Sonnentau, Eibisch oder Isländischem Moos, die in verschiedensten Darreichungsformen erhältlich sind. Synthetische Hustenstiller basieren meist auf der Substanz Dextromethorphan bzw. Codein – letztere ist jedoch verschreibungspflichtig.

Phase 2: Hustenlöser

Nach etwa drei bis vier Tagen erreicht der Husten seine Phase 2, es kommt zu verschleimtem Husten. Hier helfen pflanzliche Substanzen wie ätherische Öle und Saponine (Substanzen, die in nährstoffreichen Pflanzen vorkommen, wie Anis und Fenchel) sowie Extrakte aus Thymian oder Efeu bei Erwachsenen. Die Konsistenz des Hustenschleims ist meist zäh, und diese Wirkstoffe helfen, die Cilien in den Bronchien zu aktivieren, um den Schleim abzutransportieren. Wirksam sind aber auch natürliche Heilmittel, wie etwa Brusttee, den man in der Apotheke erhält. An synthetischen Arzneien, die den Auswurf fördern, steht dreierlei zur Auswahl: Sekretolytika, diese stimulieren die Schleimhaut. Mukolytika hingegen setzen die Zähigkeit des Schleims herab. Und Sekretomotorika stimulieren die Schleimtätigkeit. Synthetische Arzneimittel werden etwa auf Basis von Acetylcystein, Bromhexin oder Ambroxol hergestellt. Diese Wirkstoffe aktivieren Enzyme, die die langkettigen Schwefelverbindungen des Schleims spalten.

Kinder husten anders

Die in der Apotheke erhältlichen Medikamente sind gut verträglich. Vorsicht vor Nebenwirkungen ist jedoch bei einigen synthetischen Arzneien geboten, so etwa bei codeinhältigen Medikamenten (rezeptpflichtig). Sie sind für Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren nicht geeignet, denn sie können das Atemzentrum lähmen. Vor allem bei Säuglingen sollte man Husten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sowohl unbehandelt als auch durch das falsche Medikament kann er schlimmer werden, weil die kindlichen Abwehrmechanismen noch nicht vollständig ausgeprägt sind. Bei Säuglingen helfen häufig auch Zäpfchen und Tropfen, bei Kleinkindern von ein bis sechs Jahren sind Säfte hilfreich. Da diese jedoch Zucker enthalten, ist bei Kindern und Diabetikern Vorsicht geboten.
Als Hustenstiller bei Reizhusten werden vor allem rezeptpflichtige Medikamente mit Codein oder Codein­derivaten oder auf der Basis von Dextromethorphan empfohlen. Sinnvoll sind solche Medikamente, wenn das Kind vom Husten erschöpft ist und der nächtliche Schlaf gestört ist. Forscher der Pennsylvania State University in Hershey haben bereits 2007 die Wirkung der Substanz Dextromethorphan mit der des Honigs verglichen. Das alte Hausmittel, einen Löffel Honig in Tee zu rühren, sollte man wohl zumindest ausprobieren.
Eine Alternative oder Ergänzung bei kindlichem Husten sind Salben, Inhalationen und Kompressen mit ätherischen Ölen, denn sie erleichtern das Atmen. Für Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren sind Salben mit Kampfer und Menthol im Nasen- oder Gesichtsbereich nicht geeignet, da es zu Krämpfen und Atemstörungen kommen kann. Bei größeren Kindern sind diese Mittel jedoch ratsam. Und fast jedes Kind liebt es, die Brust von Mama oder Papa mit Erkältungsbalsam eingerieben zu bekommen. Auch ein abendliches Erkältungsbad kann das Kind beruhigen und entspannen.

Sinnlose Kombinationen

Achtung: Hustenreizdämpfende Arzneien und schleimlösende Medikamente sollte man nie gleichzeitig einnehmen! Sie blockieren gegenseitig ihre Wirkung und es kann mitunter zu einem Sekretstau kommen. Ist ein Infekt auch in diesem Winter unvermeidbar, lindern auch äußerliche Anwendungen das Leiden. Voraussetzung Nummer eins: viel trinken. Spezielle Teemischungen aus der Apotheke und Erkältungsbäder helfen beim Einschlafen. Wichtig: Halten Sie sich an die empfohlene Dosierung, lesen Sie also den Beipacktext – oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

FOTO: Gerald Lechner