„Das Leben ist zu interessant, um es zu versitzen“
Er war 16 Jahre lang Sanitätsdirektor des Landes Niederösterreich und hat bei Rettung, Feuerwehr und Militär seinen Dienst geleistet. Doch auch in der Pension legt Dr. Werner Hoffer nicht die Beine hoch.

„Ich blicke wirklich hochzufrieden auf ein interessantes und erfüllendes Berufsleben zurück“, sagt Dr. Werner Hoffer. FOTO: Philipp Monihart
67 Jahre ist Hofrat Dr. Werner Hoffer, wirkt aber gute zehn Jahre jünger. Zu seiner täglichen Routine gehört es, einen Kilometer im eigenen Pool zu schwimmen, um sich in Form zu halten. Früher hat er jeden Tag Patienten hier in seinem Haus in Amstetten empfangen. Die Privatpraxis gibt es immer noch, nun wird sie allerdings von seiner Frau Elisabeth betrieben, einer Physiotherapeutin. Lange Zeit war Werner Hoffer Sanitätsdirektor des Landes Niederösterreich und somit Spitzenbeamter. „Heute bin ich hauptberuflich Ordinationshelfer bei meiner Frau“, lacht er. Als Hoffers Vater zum Landesschulinspektor ernannt wurde, zog die Familie von Amstetten nach Wien. Dort besuchte Hoffer ein humanistisches Gymnasium und studierte anschließend Medizin: „Bodenkultur wäre auch noch infrage gekommen, doch dann habe ich vom Chirurgen Sauerbruch gelesen. Das Buch steht heute noch in meinem Bücherregal. Das hat mich zum Medizinstudium bewegt.“
Beginn der Freiwilligenarbeit
Gleich nach dem Studium zog er wieder nach Amstetten zurück und arbeitete im dortigen Krankenhaus – „als Praktischer Arzt, oder wie man heute sagt: Arzt für Allgemeinmedizin.“ Den Turnus absolvierte er in Amstetten, St. Pölten und im Heeresspital in Wien-Stammersdorf. Zu dieser Zeit trat er auch dem Roten Kreuz bei. Vorher hatte er kaum Erfahrungen mit den Rettungsdiensten gemacht. „Nur eine!“, erinnert er sich, „mit sieben Jahren hatte ich Scharlach und wurde von weiß vermummten Leuten in einem Infektionstransporter, einem alten Opel Blitz, ins Krankenhaus auf die Isolierstation gebracht. Dort lag ich dann sechs Wochen. Meinen Lieblingsteddybären haben sie mir weggenommen und lakonisch erklärt, der würde nun verbrannt. Sie können sich vorstellen, was das für ein kleines Kind bedeutet.“
Ein Leben als Freiwilliger
Seit Jahrzehnten engagiert sich Hoffer ehrenamtlich bei verschiedenen Organisationen. Seit 1969 ist er Mitglied beim Roten Kreuz in Blindenmarkt, einer Ortsstelle von Ybbs an der Donau, seit 1972 bei der Freiwilligen Feuerwehr Amstetten. „Ich war dort 13 Jahre lang mit eigenem Auto als Notarzt tätig und habe bei Feuerwehreinsätzen geholfen, wenn Verletzte beispielsweise aus ihren Autos geschnitten werden mussten. Das war in einer Zeit, in der es noch gar kein Notarztwesen bei uns gegeben hat“, schildert er. Seine Tätigkeit machte ihn später zum Bundesfeuerwehrarzt, zum Chefarzt der Österreichischen Feuerwehren. „Mein ältester Sohn hat sich damals schon sehr für meinen Beruf interessiert und hat sich, wenn ich auf einen Einsatz fahren musste, hinter dem Fahrersitz versteckt. Einmal habe ich ihn erst bemerkt, als wir schon an der Unfallstelle waren. Heute ist er Anästhesist am Linzer Krankenhaus.“ Der mittlere Sohn hat Medienmanagement in St. Pölten studiert, die jüngste Tochter studiert derzeit Psychologie und ist in der Musikszene aktiv. „Letzte Woche war sie mit ihrer Gruppe Sound Frame in Moskau vor 26.000 Besuchern auf der Bühne. Sie macht elektronische Musik“, erzählt er stolz.
Rettungslandschaft aufgebaut
1975 wurde er Amtsarzt. Damals gab es im Bezirk Amstetten noch jedes Jahr Tetanus-Todesfälle. „Es ist mir dann durch Reihenimpfungen gelungen, den Tetanus innerhalb eines Jahres vollständig auszurotten“, erzählt er. Nach 13 Jahren als Amtsarzt wurde er in die Landesregierung versetzt – erst als Abteilungsleiter, dann als Sanitätsdirektor. „Zwei meiner Aufgabenbereiche dort waren das Rettungswesen und der medizinische Katastrophenschutz. Hier konnte ich mein ganzes Wissen aus meiner freiwilligen Arbeit einbringen und vieles verbessern.“ Besonders freut es ihn, dass einige der damals erstellten Pläne und Konzepte heute noch gelten,
z. B. eine Bettenbörse in den Spitälern: „Diese habe ich Anfang der 90er Jahre noch selbst als Excel-Tabelle erstellt. Sie ist heute noch aktuell und wurde nur ein wenig modifiziert.“
Sein freiwilliger Einsatz bei zahlreichen Hilfsorganisationen half ihm bei der Ausübung des Amtes. „Mein Vorteil als Sanitätsdirektor war es sicherlich, dass ich sowohl bei der Feuerwehr und der Rettung als auch beim Militär war – ich war bis 2011 Milizoffizier im Militärkommando Niederösterreich. Die Zusammenarbeit mit diesen Organisationen funktionierte wirklich hervorragend. Wir haben die Rettungslandschaft, wie sie heute besteht, aufgebaut – das Modell hat sich bewährt.“
Auch in der Pension aktiv
Seit einigen Jahren ist Hoffer nun in Pension und engagiert sich wieder verstärkt beim Roten Kreuz. „Ich dachte eigentlich, das Ende meiner Karriere würde ich als Schriftführer bei der Ortsstelle Blindenmarkt erleben. Dann machte man mich aber zum Bezirksstellenleiter von Ybbs an der Donau. Ich arbeite hier wöchentlich etwa 20 bis 25 Stunden. Das Schöne in Ybbs ist, dass die Rettungsstelle ins gesellschaftliche Leben voll integriert ist, denn hier wurde die Bevölkerung durch die vielen Hochwasser mit den Rettungsdiensten zusammengeschweißt.“ Ganz besonders stolz hat ihn die hervorragende Zusammenarbeit beim großen Hochwasser Anfang Juni gemacht. „Ohne Aufforderung kamen jeden Tag mehr als 50 Freiwillige zu uns in die Dienststelle und haben ihre Hilfe angeboten“, erzählt er, „wir sind alle sehr froh, dass die Dämme in Ybbs gehalten haben.“
Bis zum Jahr 2016 wird Werner Hoffer die Bezirksstelle leiten. „Man hört aber immer wieder die Frage, ob ich dann nicht weitermachen möchte“, erzählt er. Ob er dieser Bitte nachkommen wird, lässt er allerdings offen. „Ich blicke wirklich hochzufrieden auf ein interessantes und erfüllendes Berufsleben zurück“, reflektiert er, „aber ich bin einfach nicht der Typ, der in der Pension die Füße hochlegt. Das Leben ist zu interessant, um es zu versitzen.“




