Brennen Sie aus?
Burnout gilt nicht als Krankheit, sondern als Ansammlung von Symptomen. Doch immer mehr Menschen scheinen sich von diesem Schlagwort betroffen zu fühlen. Was kann man tun, um sich zu schützen?
Das eigene Burnout-Risiko testen – dazu rief im vergangenen Herbst die Gesundheitsinitiative „Ganz Österreich testet das persönliche Burnout-Risiko!“ unter www.stressfest.at auf. Initiiert wurden die Umfrage und die Homepage von Austroplant Arzneimittel GmbH und IBOS (Institut für Burnout und Stressmanagement). Das überraschende Ergebnis: 15.148 Personen füllten innerhalb von knapp sechs Monaten den kurzen Online-Fragebogen aus, 90 % aller Teilnehmer weisen sowohl auf emotionaler und kognitiver als auch auf körperlicher Ebene deutliche Überlastungssymptome auf. Die Stressbelastung ist laut diesem Test in allen Altersgruppen sehr hoch. Betroffen sind besonders viele junge Menschen –
86 % der unter 30-Jährigen. 80 % der Frauen und 75 % der Männer leiden an Überlastungssymptomen. Erstaunlich ist, dass sowohl 70 % der Teilnehmer mit Kindern als auch 70 % der Teilnehmer ohne Kinder an erhöhter Stressbelastung leiden.
Auch wenn man frei zugängliche Online-Tests nicht als absolut aussagekräftig in Bezug auf die Gesamtbevölkerung sehen kann, zeigt dieses Ergebnis doch, wie groß die Belastung vieler
Menschen ist.
Burnout – Endzustand von Dauerstress
Ein Burnout-Syndrom, das Ausgebranntsein, ist ein Zustand emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Burnout ist keine Krankheit mit eindeutigen diagnostischen Kriterien, sondern eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung durch Überlastung und wird meist durch Stress ausgelöst, der nicht bewältigt werden kann. Burnout wurde zunächst bei helfenden Berufen beschrieben und ist auch in zahlreichen anderen Berufsgruppen zu beobachten, wie bei Lehrern, Sportlern, Politikern, Forschungsmitarbeitern oder Langzeitpflegenden kranker Angehöriger.
Es gibt zahlreiche Ursachen, die zum Burnout führen können – etwa das Ungleichgewicht zwischen Arbeitsbelastung und der Möglichkeit, die Arbeit selbst gestalten zu können. Auch wer allgemein wenig persönliche Widerstandsfähigkeit (Resilienz) besitzt, gilt als gefährdet, in ein Burnout zu rutschen: Eigenschaften wie Ängstlichkeit, mangelnde Selbstachtung, Neigung zu Irritationen, Sorgen und Depressionen, aber auch die Neigung zu Zwanghaftigkeit gehören ebenso dazu wie das Streben danach, perfekt zu sein. Als besonders gefährdet gelten auch Menschen mit dem sogenannten Helfersyndrom: Sie versuchen, ihr labiles Selbstwertgefühl durch die Aufopferung an eine große Aufgabe und die damit verbundene Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger zu stabilisieren – und überfordern sich damit grenzenlos. Auch in gesellschaftlichen Zuständen und Veränderungen lassen sich mögliche Ursachen für die wachsende Zahl an Burnout-Gefährdeten finden, etwa durch den Zerfall familiärer Bindungen und die wachsende Anonymität und Unpersönlichkeit in den Städten. Als Ursache gilt der Wertewandel, besonders die sinkende Bedeutung der früher den Alltag und Jahresablauf so stark prägenden Religion.
Sich selbst schützen
Und wie kann man selber vorbeugen? Was kann man tun, um nicht in ein Burnout zu rutschen? Dafür gibt es unterschiedliche Konzepte. Wer sich gefährdet fühlt, sollte aber auf jeden Fall mit seinem Arzt über die nächsten Schritte sprechen.
Entspannungs-, Atem- und Meditationsübungen sowie Bewegung gelten als ein Pfeiler des Selbstschutzes. Eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung zählt ebenso zu den Schutzfaktoren wie ausreichende Erholung und guter Schlaf (was aber gerade für Burnout-Gefährdete oft schwierig ist). Suchen Sie sich Rückzugsmöglichkeiten in angenehmer Atmosphäre, um mit Yoga, Meditation, Reiki zu sich selbst finden zu können.
Wichtige neuere Ansätze sind Überlegungen zu Selbstmanagement und Selbststeuerung. Wer sich zum Beispiel von Leitsätzen wie „sei perfekt!“, „streng dich an!“, „sei stark!“, „mach es den anderen recht!“ oder „beeil dich!“ leiten lässt, achtet nicht auf die eigenen Bedürfnisse. Ein realistischer Blick auf die tatsächlichen Anforderungen und auf realistische Leistungen kann den Druck deutlich nehmen. Niemand ist perfekt, und man kann es unmöglich allen recht machen. Und es ist keinesfalls egoistisch, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten – auch wenn uns von der Gesellschaft, der Schule oder den Eltern lange das Gegenteil eingeschärft wurde.
Ein wichtiger Faktor des Schutzes vor Burnout sind stabile soziale Beziehungen: einen Freundeskreis haben und pflegen, Freunde treffen, gemeinsam etwas unternehmen – das tut gut und entlastet. Denn oft sind es die Freunde, die zuerst wahrnehmen, wenn man in Richtung Burnout steuert. Was Sie selbst tun können? Ihnen glauben, wenn Freunde Sie warnen. Denn es ihnen nicht zu glauben, gilt als sicheres Zeichen, in Richtung Burnout zu marschieren ...





