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Fürs Herz – und für die Seele

Es ist etwa faustgroß und mit etwa 300 Gramm ein Leichtgewicht: Unser Herz ist ein gut trainierter, leistungsfähiger kleiner Muskel. Um unseren „Lebensmotor“ jedoch vor Schäden zu schützen, sollte man ihn entsprechend warten und pflegen.


FOTO: fotolia

Kein noch so starker, leistungsfähiger, teurer Motor, keine Hightech-Umwälzpumpe schafft, was unser Herz tagtäglich bewältigt: Während unseres ganzen Lebens pumpt es etwa 2,6 Milliarden Liter Blut durch den Körper, um ihn mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Als Verteilungssystem agieren unsere Gefäße, also Venen und Arterien, die das Blut zum und vom Herzen transportieren. Damit dieses System auch lebenslang gut funktioniert, bedarf es Sorgfalt und Pflege. Das Herz muss seine 70 Schläge pro Minute ohne Einschränkung bewältigen können, die Gefäße müssen frei von Ablagerungen und Schlacken, also sogenannten Plaques sein, sodass die Nährstoffversorgung unseres Körpers ohne Hindernisse möglich ist. Ein Blick auf die Statistik zeigt jedoch, dass es viele Menschen mit Sorgfalt und Pflege ihres Herzens nicht gar so ernst nehmen. Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Landesklinikum Baden und Ärztlicher Direktor im Landesklinikum Baden-Mödling, warnt: „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor in Österreich wie auch in ganz Europa die häufigste Todesursache. Für Niederösterreich zeigt sich, dass im Osten des Bundeslandes – speziell im Wein- und im nördlichen Industrieviertel – Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen besonders hohen Anteil bei den Todesursachen aufweisen.“ Das Ost-West-Gefälle ist selbst Medizinern nicht erklärbar, Experten vermuten, dass Bewegung, Sport und ein gesunder Lebensstil in Westösterreich eine größere Rolle spielen als im Osten des Landes.

Kranke Herzen

Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst eine große Bandbreite, erklärt Experte Pidlich: „Darunter versteht man alle Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Es handelt sich dabei meistens um chronische Erkrankungen, die ohne ordnungsgemäße, konsequente Behandlung für die Betroffenen schwere Folgen haben können.“ Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Bluthochdruck, insgesamt etwa jeder fünfte Erwachsene ist davon betroffen, sowie die koronare Herzerkrankung, die in den meisten Fällen durch Arteriosklerose, also Arterienverkalkung, ausgelöst wird. „Häufige Erkrankungen, die schließlich zum Tod führen, sind auch chronisches Herzversagen oder Herzinsuffizienz, bei der die Pumpleistung des Herzens immer weiter nachlässt“, beschreibt Pidlich.

Die vielen Gesichter

Für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist eine Vielzahl von Risikofaktoren verantwortlich, berichtet Pidlich: „Viele davon, wie etwa Übergewicht, ungesunde Ernährung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung oder Stress, lassen sich durch einen gesunden Lebensstil bzw. auch durch entsprechende medizinische Behandlung vermeiden.“
Neben diesen beeinflussbaren Risikofaktoren gibt es auch unbeeinflussbare. „So steigt etwa das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit zunehmendem Alter bzw. bei familiärer Vorbelastung, auch ist das Risiko bei Männern höher als bei Frauen“, weiß Pidlich. Mit ein Grund für das geschlechtsbedingte Erkrankungsrisiko ist, dass Frauen vor den Wechseljahren durch das Hormon Östrogen besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt sind. Nach der Menopause lässt die Östrogenproduktion jedoch nach, wodurch Frauen stressanfälliger werden können, ebenso empfindlicher für Kochsalz (ein Zuviel begünstigt Bluthochdruck) – alles Faktoren, die die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begüns­tigen.

Vorsorge durch Ernährung

Das Positive ist, dass jede und jeder Einzelne sein Risiko entsprechend minimieren und einer Erkrankung vorbeugen kann. Eine ausge­wogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil tragen wesentlich dazu bei, dass das Herz gesund und leistungsfähig bleibt. In punkto Ernährung sollte man daher bei Attributen wie „salz- und fettarm“ hellhörig werden. Risikofaktoren, die sich in unserer täglichen Ernährung zu einem veritablen Sündenregister entwickeln können, sind beispielsweise Blutfette – mit diesem Begriff werden Cholesterin und Triglyceride zusammengefasst. Experte Pidlich verdeutlicht: „Cholesterin ist ein wesentlicher Risikofaktor. Bei überhöhten Werten ist der Zusammenhang zwischen der Höhe des Cholesterinwertes (in erster Linie des LDL-Cholesterins) und dem Entstehen und Fortschreiten der Gefäßverkalkung klar nachgewiesen.“ Bei Trigylceriden handelt es sich um Fettbestandteile, wie Kochfett, Streichfett und versteckte Fette, die meist in Fleisch- und Wurstwaren, aber auch Milchprodukten und Käse enthalten sind. Sind die Triglyceride-Werte erhöht, steigt das Risiko für Schäden an den Blutgefäßen, man spricht von Arteriosklerose.
Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein wichtiger Grundpfeiler für die Herzgesundheit. Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Wasser versorgen den Körper mit lebenswichtigen Substanzen und helfen, leistungsfähig und gesund zu bleiben. „Fette, nährstoffarme sowie auch säureüberschüssige Ernährung kann dazu führen, dass das Herz-Kreislauf-System nachhaltig beeinträchtigt wird“, erklärt der Internist.

Rauchen, Stress & Alkohol

Dass Nikotin der Lunge schadet, Stress auch ins Burnout führen kann und Alkohol in eine starke Sucht, sind „Markenzeichen“ dreier unterschiedlicher Risikofaktoren. Was ihnen gemeinsam ist, sind ihre fatalen Folgen auf die Herzgesundheit. Pidlich warnt: „Bei Rauchern ist das Risiko eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln und einen Herzinfarkt zu erleiden, doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Rauchen schädigt den Körper und die Blutgefäße.“ Zum Aufhören ist es aber nie zu spät – denn: Sobald das Rauchen eingestellt wird, verringert sich dieses Risiko deutlich (siehe auch Seite 16–19).
Stress macht krank – vor allem das Herz. Der Experte weiß: „Klar nachgewiesen ist, dass Menschen mit psychischen Problemen und ‚ungesundem‘ Stress häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und auch öfter einen Herzinfarkt haben.“ Aus diesem Grund sind Erholung und Entspannung wichtige Elemente im Alltag. Dadurch kann man verhindern, dass psychische Faktoren negative Auswirkungen auf das Auftreten und den Verlauf von Erkrankungen haben. Pidlich rät: „Betroffenen kann dabei mit psychosomatischer Medizin spezifisch geholfen werden, die Abteilung für Innere Medizin des Landesklinikums Baden ist beispielsweise mit der Station für Integrierte Psychosomatik darauf spezialisiert.“ Auch für des Österreichers liebsten Stresspuffer Alkohol gilt: Neben Magen- oder Lebererkrankungen hervorzurufen kann Alkoholkonsum auch den Blutdruck und die Blutfette, vor allem Triglyceride, erhöhen. „Das Trinken großer Alkoholmengen in kurzer Zeit steigert zudem das Risiko von Herzrhythmus­störungen und Schlaganfällen“, warnt Pidlich.

Haben Sie Normalgewicht?

Ein paar Kilos zu viel sind kein Drama, Über­gewicht hingegen wird zum Risikofaktor für die Gesundheit im Allgemeinen, für das Herz im Besonderen. Täg­liche Bewegung hilft, den Kreislauf anzukurbeln, die Fitness zu verbessern, Kalorien zu verbrennen sowie Stress abzubauen. Idealerweise sollte regelmäßige Bewegung daher bereits in der Kindheit zur Gewohnheit und lebenslang in den Alltag eingebaut werden. Dabei kann jeder von uns durch einfache Maßnahmen mehr Bewegung in den Alltag bringen, wie Treppen zu benutzen statt Rolltreppen oder Rad fahren statt das Auto zu nehmen.
Und wie hält der Herz-Experte seinen Motor auf Trab? „Durch gesunde Ernährung – mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch und Wurst.“ Regelmäßige Bewegung ist für den Mediziner ein Muss, er achtet auf seinen Blutdruck und hält ein normales Körpergewicht, „zwischendurch sind Phasen der Erholung und Entspannung für mich wichtig – ich genieße die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe und schöpfe dabei Kraft. Sehr wichtig für mich ist eine positive Lebenseinstellung und Zufriedenheit, Freude an meinem Beruf zu haben und mit Motivation und Engagement meine Aufgaben zu erfüllen. Ich vermeide nach Möglichkeit Dinge, die dem Körper schaden könnten, und beachte die Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge.“ Gute Tipps – zum Nachahmen empfohlen.

Vorbeugen durch Bewegung

  • Warum? Moderates Ausdauertraining tut gut und beugt Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Auch in der Therapie dieser Krank­heiten wird Sport gezielt eingesetzt: Etwa 80 Prozent der Patienten sprechen auf ein Ausdauertraining ähnlich wie auf Medikamente an.
  • Wie? Lockeres Laufen, Walken oder regelmäßiges Training am Home­trainer sind ideale sportliche Möglichkeiten, um fit und gesund zu bleiben.
    Der ideale sanfte Einstieg für Anfänger in das Ausdauertraining ist das Nordic Walking, das eine Vielzahl von Vorteilen bietet: Die Technik ist leicht erlernbar, die Gelenksbelastung ist geringer als beim Laufen, der Einsatz von Walkingstöcken bringt auch eine Stärkung der Schulter-, Oberarm- und Rückenmuskulatur mit sich. Nordic Walking lässt sich darüber hinaus auch ganzjährig betreiben. Wer lieber wetterunabhängig zur körperlichen Fitness hintrainiert, ist mit einem Hometrainer gut bedient. Achtung: Bei Entzündungen oder Fieber sollten Sie nicht trainieren.
  • Wie oft? Für alle Bewegungshungrigen, die bisher nicht untätig waren, gilt folgende Empfehlung: Zu Trainingbeginn an drei Tagen der Woche 20 Minuten trainieren. Eine Steigerung um fünf Minuten erfolgt nach sechs Wochen. Drei Mal wöchentlich 45 Minuten ist eine sehr gute, 60 Minuten pro Einheit eine Top-Leistung. Der Körper soll dabei gefordert, jedoch nicht überfordert werden. Wichtig ist es jedoch, vor Trainingsbeginn die eigene körperliche Konstitution feststellen zu lassen. Das gilt jedoch nur für Neo-Sportler ab einem Alter von 40 Jahren. Wer jung und gesund ist, braucht aus medizinischer Sicht keine zusätzliche Untersuchung.

Landesklinikum Baden
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