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Bewegung macht schlau

„Lernen kann man am besten in Bewegung“ lautet das Leitmotiv der „Gesunden Schule“ in NÖ. Dafür gibt es die Bestätigung aus den Neurowissen­schaften – und überraschend Neues: Durch Bewegung wächst das Gehirn.


Bringt seine Schüler in Bewegung – Dr. Werner Schwarz, Direktor an der „Gesunden Schule“ BG Zehnergasse in Wiener Neustadt.

Dr. Werner Schwarz wird ganz euphorisch, wenn er erzählt, wie er neue Erkenntnisse der Neurowissenschaften in seiner Schule umsetzt – und dass sich dabei zeigt, dass die Forscher richtig liegen. Der Sportwissenschafter ist Direktor an der „Gesunden Schule“ BG Zehnergasse in Wiener Neustadt und hat bereits einige Bücher geschrieben – zum Beispiel über die positive Auswirkung der Bewegung im Alter. Diesmal sind seine Probanden jedoch die Schüler – und die profitieren vom Forschertrieb ihres Direktors.

Bewegung lässt das Gehirn wachsen

„BrainMove – bewege dich schlau“ heißt das Programm, das Werner Schwarz entwickelt hat und das nun nach wissenschaftlichen Kriterien in der Zehnergasse ausgetestet wird. Die Grundlagen: „Wir wissen, dass Bewegung und Sport dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen. Viele Studien belegen, dass körperliche Aktivität in der richtigen Dosierung die Gesundheit fördert“, erinnert Schwarz: Ausdauerbelastungen kräftigen das Herz und optimieren die Kreislauffunktionen, Kraftbelastungen stärken die Muskeln und schützen vor dem altersbedingten Abbau von Muskelkraft und -volumen. „Jetzt kommt etwas Neues dazu: Bewegung und Sport sind gut für den Geist. Unser Gehirn reagiert auf die Bewegung von Muskeln mit verbesserter Durchblutung, Neubildung von Blutgefäßen im Gehirn und dem Wachstum von Nervenzellen. Vermittelt wird dieses Wachstum über Botenstoffe, die unter dem Sammelbegriff Myokine zusammengefasst werden.“
Aus diesem neuen Wissen, das Schwarz aus der neurowissenschaftlichen Fachliteratur gewonnen hat, schließt er: Mit richtig ausgewählten und passend dosierten Bewegungsübungen können die Aufmerksamkeit, das Lernen und das folgende Einspeichern im Gedächtnis positiv beeinflusst werden. Ein Übungsprogramm hat er bereits entwickelt, jetzt laufen die Tests (mehr über den wissenschaftlichen Hintergrund im Kasten).

Selber machen ist am besten

Bewegung ist in vielerlei Hinsicht die beste Grundlage für das Lernen. Das weiß auch Mag. Julia Gassner, Lehrerin am BG/BRG Krems und als Projektmitarbeiterin beschäftigt im Programm „Gesunde Schule“ der Initiative „Gesundes Niederösterreich: Tut gut!“. Bloßes Zuschauen und Zuhören genügen nicht zum Lernen, sagt Gassner: „Der Mensch lernt am besten, wenn er selbst tätig sein kann.“ Und sie verweist auf den berühmten Pädagogen Heinrich Pestalozzi, der das Lernen mit Kopf, Herz und Hand einforderte. Gassner: „Durch Bewegung und die damit verbundenen Muskelaktivitäten steigt die Anzahl neuronaler Verbindungen im Gehirn, was wiederum die Basis fürs Lernen ist.“ Und Bewegung steigert die Aufmerksamkeit.
Dass Lernen weit mehr ist als das Wiedergeben vorgegebener Inhalte, betont auch der Hainburger Bildungswissenschafter Mag. Dr. Josef Voglsinger, der sich seit vielen Jahren mit der „Bewegten Klasse“ beschäftigt, einem Projekt, das jetzt von der Initiative „Gesundes Niederösterreich: Tut gut!“ getragen wird. „Lernen ist ein äußerst aktiver Prozess, der von jedem Einzelnen im selbstständigen Tun vollzogen werden muss.“ Hilfreich dabei ist, wenn Bewegung im Spiel ist – und nicht nur die des Körpers, sondern aller Sinne, und dass Emotionen eine Rolle spielen können, denn dann bleiben die Informationen ganz fest im Menschen verankert, oft ein Leben lang (mehr im Interview und auf www.dr-voglsinger.at).

Was die Wissenschaft sagt

Warum Bewegung und Lernen unbedingt zusammengehören? Bewegungsexperte Dr. Werner Schwarz hat das Wissen der Experten zusammengetragen.