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Bewegung ist Leben

Sie sollten sich mehr bewegen? Das ist gar nicht so schwer, denn der Alltag bietet viele Möglichkeiten. Tun Sie es – Ihrer Gesundheit zuliebe!


Foto: Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

Wir Menschen sind Jäger und Sammler – eigentlich. Damals, vor vielen tausenden Jahren, mussten wir uns bewegen, um Tiere zu jagen und Beeren zu sammeln. Heute gibt es an jeder Ecke einen Supermarkt, und Auto, Bus und Bahn helfen uns, die Beute in die eigenen vier Wände zu schaffen. Selbst das Feuerholz müssen wir in den seltensten Fällen eigenhändig schlägern und hacken. Per Drehknopf erhitzt sich der Herd und lässt sich die Heizung temperieren. Blöd nur, dass unser Körper sich nicht so schnell verändert hat wie der Stand der Technik.
Das Resultat dieser ungleichen Entwicklungs-Tempi sind zahlreiche sogenannte Zivilisationskrankheiten: Rückenschmerzen, Störungen im Fettstoffwechsel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Schlaganfall und vieles mehr.

Bewegter leben als Prävention

Also müssen wir gegensteuern, um gesund zu bleiben. Das gelingt am besten mit Bewegung, sagt Mag. Karin Flautner: „Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen der Alltag bietet – damit tun Sie eine Menge, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.“ Die Sportwissenschafterin arbeitet im Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs und weiß genau, wie schwer es Menschen fallen kann, sich im Alltag ausreichend zu bewegen. Doch Flautner macht Mut: „Sie müssen kein aufwändiges Trainingsprogramm machen. Sehen Sie es als Herausforderung: Nutzen Sie einfach jede Chance, die sich in Ihrem Alltag finden lässt.“ Zum Beispiel:

  • Nehmen Sie die Treppe statt dem Lift.
  • Wenn Sie die Rolltreppe nehmen, gehen Sie dabei zumindest ein paar Stufen.
  • Parken Sie das Auto ganz bewusst ein, zwei Straßen von Ihrer Wohnung, Ihrem Haus entfernt, und denken Sie bei dem kleinen Fußweg daran, wie gut Ihnen diese Schritte tun.
  • Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, steigen Sie eine Station früher oder später aus und gehen das kleine Stück zu Fuß.
  • Kleine Einkäufe erledigen Sie möglichst oft zu Fuß oder mit dem Rad. Das schont übrigens auch die Umwelt.

Diese Beispiele zeigen: Es kommt auf die innere Haltung an. Wenn man bereit ist, sich mehr zu bewegen, findet man auch Gelegenheiten. Sehen Sie es als ein Spiel an: Wo kann ich noch ein bisschen zusätzliche Bewegung machen, ohne viel Aufwand?

Kleine Ausdauer-Trainings

Alltagsbewegung ist wichtig. Doch ein bisschen mehr darf es für die Gesundheit schon sein, oder? Karin Flautner rät, sich an die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu richten: „Bewegen Sie sich drei bis fünf Mal pro Woche 30 Minuten – gehen Sie flott spazieren, fahren Sie Rad, wandern Sie, gehen Sie schwimmen oder machen Sie Nordic Walking.“ Hier ein paar Tipps, wie die Bewegung leichter fällt:

  • Nutzen Sie jede Chance auf Bewegung mit netten Menschen – mit Nachbarn, Freunden und der Familie, den Enkelkindern. Gemeinsam macht ein Spaziergang oder eine kleine Wanderung gleich mehr Spaß. Und wenn man sich verabredet, hält man Bewegungstermine auch eher ein.
  • Nutzen Sie Nordic-Walking-Gruppen in Ihrer Nähe, in Ihrem Dorf oder Stadtteil. Erkundigen Sie sich, fast überall gibt es verschiedene Angebote. Und trauen Sie sich ruhig. Selbst wenn Sie dort der unsportlichste Teilnehmer sind – das kann sich ändern. Und außerdem: Wen stört es?
  • Wenn Sie Hunde mögen, holen Sie sich regel­mäßig einen aus dem Tierheim als Fitness-Partner.

Kraft ist wichtig

Nicht nur Ausdauertraining ist wichtig – Flautner empfiehlt, ein bis zwei Mal pro Woche die Muskeln zu fordern: „Schon zehn Minuten Treppen steigen ist ein gutes Krafttraining für die Beinmuskulatur. Fangen Sie ruhig langsam an. Wenn Sie eine Treppe im Haus haben, reicht es, solange Sie noch wenig Kraft haben, sie drei bis fünf Mal am Tag zu bewältigen. Irgendwann schaffen Sie dann auch zehn Minuten am Stück.“ Oder Sie probieren es mit den Übungen auf dieser Seite. Sie brauchen dafür nur ein sogenanntes Thera- oder Gymnastikband, das Sie zum Beispiel im Sportfachhandel in unterschiedlichen Stärken finden.

Mein Schweinehund

Und wie schaffe ich es, meinen inneren Schweinehund zu überwinden? Auch dafür hat Flautner Tipps:

  • Schlechtes Wetter ist eine schlechte Ausrede, findet sie: „Hier lohnt es sich zu investieren. Mit der richtigen Bekleidung hält Sie schlechtes Wetter nicht davon ab, hinauszugehen. Sie werden spüren, wie wunderbar frisch die Luft ist, wenn es zum Beispiel regnet oder der Wind weht.
  • Wenn Sie zu Hause sitzen und nichts tun, schwinden Ihre Muskelkraft und Ihre Leistungsfähigkeit. Probieren Sie es für drei bis vier Wochen aus, sich regelmäßig zu bewegen. Sie werden
  • spüren, dass es Ihnen dann besser geht. Das wird Sie motivieren, dranzubleiben.
  • Überbrücken Sie den Winter, stellen Sie ein Zimmer-Fahrrad vor den Fernseher und nutzen Sie die Sendung „Niederösterreich Heute“ als Trainingszeit – zumindest zwei bis drei Mal pro Woche. Irgendwann kommt der Frühling ...