143 Kilo weniger
Gesünder essen, sporteln, mehr auf seinen Körper achten: Das Programm VORSORGEaktiv hilft dabei. Bei einer Gruppe aus Pöggstall mit einem besonders schlanken Ergebnis.
Renate Raffetseder machte mit, weil sie eine Rücken-OP vor sich hatte und daher abnehmen musste – 20 Kilo weniger wiegt sie nun.
Renate Schroll hatte (noch) kein Gewichtsproblem, wollte sich einfach mehr bewegen.
Im Gegensatz zu Alfred Knoll: Er wollte abnehmen, war aber nicht motiviert, Sport zu machen. Mittlerweile hat er sich ein Rad gekauft und radelt damit quer durchs Waldviertel.
Der erfolgreichste und jüngste der Gruppe, Stefan Müllner (24), hat 22 Kilo abgenommen, isst nun viel Gemüse und Reis.
Maria Lienbacher hat ihre Essgewohnheiten komplett geändert, isst nun keine Mayonnaise mehr.
Monika und ihr Sohn Christian Adam haben ein Wirtshaus, er ist Koch, daher fiel das Abnehmen besonders schwer. Etliche Kilos sind gepurzelt.
Das sind nur einige der Erfolgsbeispiele. 15 Personen aus Pöggstall und Umgebung wollten gesünder leben und abnehmen. Daher meldeten sie sich bei VORSORGEaktiv an – das ist ein Programm, das beim Weg in ein gesünderes Leben hilft (siehe unten). Von März bis Oktober 2015 nahmen sie teil – eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die in dieser Zeit gemeinsam 143 Kilo abgenommen hat. Ein leuchtendes Beispiel, was gemeinsam alles möglich ist.
„War einfach am Sand“
GESUND&LEBEN trifft zwei der Teilnehmenden, Herta Pemmer und Christian Wurzer, zu einer gesunden Jause, um über den Erfolg der Gruppe zu sprechen. Roggen-Weizen-Vollkornbrot,
frischer Topfen und Joghurt, Bällchen aus Frischkäse mit Paprika und Kräutern – alles von Bäuerin Herta Pemmer selbst gemacht. Dazu Salat, mageren Schinken und Obst. So lässt sich’s plaudern.
Sie selber wollte schon länger abnehmen und erfuhr aus der Gemeindezeitung von VORSORGEaktiv. „Alleine hätte ich es nicht geschafft“, deshalb meldete sie sich an. Als zusätzliche Motivation machte auch ihre Tochter Eva-Maria mit. Christian Wurzer war „körperlich einfach am Sand“: Er machte keinen Sport, aß ungesund, „jeden Tag zur Jause zwei Leberkäse- oder Wurstsemmeln“ und war übergewichtig. Eine Lungenentzündung Anfang 2015 gab ihm dann den Rest. Sein Hausarzt hat ihm das Programm VORSORGEaktiv empfohlen. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Bestätigung vom Arzt, dass ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Dafür reichen schon einige Kilos zu viel.
Im März startet die Pöggstaller VORSORGEaktiv-Gruppe mit wöchentlichen Treffen: Zu den Bereichen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit gibt es abwechselnd Einheiten von je 24 Stunden. Dabei erfährt man praxisnahe alles rund um gesunde Ernährung, kann verschiedene – vielleicht neue – Bewegungsformen ausprobieren und lernt, wie man sich selbst gut motivieren kann. Außerdem sind Umgang mit Stress, Entspannungsmethoden und der innere Schweinehund ein Thema. Zu Beginn werden die 15 Teilnehmenden gründlich durchgecheckt, um zu sehen, wie körperlich belastbar sie sind: Geh- und Lauftraining, Gleichgewichts-Test, Liegestütze, Situps usw. Dann wird das Training individuell abgestimmt, manche beginnen mit sanftem Spazierengehen, manche mit langsamem Laufen – je nach körperlicher Verfassung und Vorlieben. Alles ist so konzipiert, dass es leicht in den Alltag zu integrieren ist, damit die Teilnehmenden auch nach Projektende dranbleiben. „Ich koche nun ganz anders“, berichtet Herta Pemmer: „Die Tipps aus den Ernährungseinheiten sind ganz einfach umzusetzen. Wir essen mehr Gemüse, Suppen bereite ich ohne Einbrenn zu, verwende Vollkornmehl und weniger Fett. Früher kam jeden Sonntag paniertes Schnitzel auf den Tisch, nun öfter Naturschnitzel oder Hühnerfilet. Auch meinem Mann schmeckt das gesündere Essen.“
Praxisnah und leicht verständlich waren die Infos zum gesunden Essen: Die Gruppe war gemeinsam einkaufen, weiß, worauf sie auf Verpackungen achten muss, wo besonders viel Fett und Zucker enthalten sind und wo sich besonders viel Cholesterin versteckt. Die Tipps zu einem leichteren Leben sind einfach, etwa beim Kuchenbacken nur die halbe Zuckermenge nehmen – das Ergebnis schmeckt genauso gut. Leicht umsetzbare und alltagstaugliche Tipps sind einer der Erfolgsfaktoren von VORSORGEaktiv. Sogar die Sporteinheiten kann die Bäuerin Herta Pemmer in den Alltag integrieren: „Beim Kühemelken mache ich zwischendurch ein paar Übungen wie den Einbein-Stand. Im Melkstand mache ich Damenliegestütze. Mein Mann belächelt mich zwar, aber das ist mir egal.“
Auch der 40-jährige Christian Wurzer ist begeistert, wie einfach es sein kann, sich gesünder zu ernähren: „Als Beilage zum Grillhendl esse ich nun Salat statt einer Semmel. Beim Heurigen bestelle ich öfter einen Schafkäse statt einer Brettljause. Es gibt immer eine Alternative.“ Der Schulwart war der einzige Pummelige der Familie, seine Frau und seine Kinder (10 und 12 Jahre) sind schlank und sportlich. Machte die Familie früher sonntags eine Radtour, blieb er lieber vorm Fernseher liegen. Ein Leben, das er nicht mehr führen möchte. Eine richtige Sportskanone ist er nun, hat sich im Februar ein E-Mountainbike gekauft, ist bereits 1.700 Kilometer gefahren. Im Sommer radelte die Familie von Passau nach Pöggstall – 120 km in drei Tagen. Mit den Kindern geht’s nun auch in den Kletterpark oder zum Wandern, „die Kinder freuen sich, wir unternehmen nun viel mehr gemeinsam.“ Im Sommer war Christian Wurzer wandern, „meine neue Leidenschaft“, am Rauhen Kamm am Ötscher oder am Yspertal-Weitental-Rundwanderweg: „Es macht mir einfach wahnsinnigen Spaß“, sagt er und zeigt stolz seine Fotobücher – von jeder Wanderung gibt’s eins. In wenigen Monaten hat er sein Leben komplett umgekrempelt und ein neues Lebensgefühl bekommen: „Früher bin ich nicht einmal spazieren gegangen.“ Das gesündere Essen und die regelmäßige Bewegung schlagen sich auch aufs Gewicht nieder: 16 Kilo weniger wiegt er nun. Weitere Kilos werden purzeln, denn er hat großen Spaß am neuen Lebensstil: „Mit den vielen Tipps und gemeinsam in der Gruppe war die Umstellung eigentlich ganz einfach.“
Leichteres Leben
Hilfreich waren auch die Einheiten zur mentalen Gesundheit, schwärmt Herta Pemmer: „Bei einer Wanderung zum Hirschenstein mussten wir uns bei einer Übung vorstellen, mit Mutter Erde verwurzelt zu sein und tief durchatmen. Daran denke ich oft – und esse weniger, damit mein Magen nicht immer voll ist und Platz zum Atmen hat.“
Die Gruppe hat sich gegenseitig unterstützt, motiviert und gemeinsam gegen den inneren Schweinehund gekämpft. 15 Personen aus fünf Gemeinden, bunt zusammengewürfelt, im Alter zwischen 22 und 53 Jahren, die sich sonst wohl nie kennengelernt hätten. Gemeinsam haben sie etwas Tolles geleistet und sich von der Last eines ungesunden Lebens befreit. Auch nach Programmende wollen sie weitermachen, denn die Pöggstaller Gruppe hat Gefallen am leichteren Leben gefunden.
VORSORGEaktiv
Programm zur nachhaltigen Lebensstiländerung ab 18 Jahren
Den Lebensstil langfristig zu ändern ist für viele Betroffene äußerst schwierig und scheitert meist schon in der Anfangsphase. Das Programm VORSORGEaktiv hilft, langfristig die eigene Gesundheit aktiv zu verbessern. Unterstützt werden sie von Ärzten, Sport- und Ernährungswissenschaftern, Physiotherapeuten, Diaetologen, Gesundheitspsychologen und Psychotherapeuten.
Wer kann teilnehmen? Alle Niederösterreicher über 18 Jahre, bei denen bei der Vorsorgeuntersuchung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt wird. Der Arzt kann diesen Patienten das Programm VORSORGEaktiv vorschlagen und so über die medikamentöse Behandlung hinaus die Risikofaktoren behandeln. Mehr als 6.000 Personen haben das Programm bereits erfolgreich absolviert.
Ablauf: Die Teilnehmenden werden über einen Zeitraum von bis zu neun Monaten betreut. Sie absolvieren regelmäßig Einheiten zu den Themen Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit. Vor Programmstart benötigt man eine ärztliche Untersuchung und erhält ein „Rezept“. Dadurch steht einer Programmteilnahme nichts mehr im Wege. Kurse starten jederzeit in Ihrer Nähe.
Anmeldung: Bei Ihrem Arzt oder VORSORGEaktiv-Regionalkoordinator
Informationen: »Tut gut!«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at
Gemeinsam gesünder
Mag. Markus Walzel ist Sportwissenschafter und Leiter des Programms VORSORGEaktiv der Initiative »Tut gut!«. Für die GESUND&LEBEN-Leserinnen und -Leser hat er Tipps für einen gesünderen Lebensstil zusammengestellt (siehe unten).
Was ist das Besondere an VORSORGEaktiv?
Walzel: Das Programm baut auf den drei Säulen der Gesundheit auf: Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit. Die Teilnehmenden werden über einen Zeitraum von bis zu neun Monaten intensiv von einem interdisziplinären Team betreut, das hilft beim Weg zu einem gesünderen Lebensstil – individuell abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse und Möglichkeiten. Das Besondere ist die Gruppenbetreuung: Alleine findet man viele Ausreden, in der Gruppe tut man sich leichter, die Bewegungstermine wirklich einzuhalten.
Wie ist die Projektbilanz?
Seit Beginn des Programms im Jahr 2008 waren mehr als 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Niederösterreich bereit, ihren Lebensstil nachhaltig zu ändern. Daran sieht man: Die Menschen wollen gesünder leben, brauchen oft nur einen kleinen Schubs in die gesunde Richtung. Das Beste daran: Die Donau Universität Krems hat das Programm evaluiert und nachgewiesen, dass es auch langfristig wirksam ist.
VORSORGEaktiv wurde überarbeitet. Was ist neu?
Seit Jänner 2015 sind acht VORSORGEaktiv-Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren im Einsatz. Sie sind Ansprechpersonen für Gemeinden, Betriebe, Ärztinnen und Ärzte in der Region. Ihre Aufgaben sind das Aufbauen neuer Standorte, Teamfindung, Organisation im Hintergrund und Controlling. Außerdem ist neu, dass es zu den je 24 Stunden pro Bereich (Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit) zusätzliche sechs Stunden gibt: Die Teilnehmenden können individuell aus den drei Bereichen wählen. Und im Bereich mentale Gesundheit kann man eine Einzelcoaching-Stunde bekommen.
Bravo!
15 Personen aus Pöggstall und Umgebung nahmen von März bis Oktober 2015 am Programm VORSORGEaktiv teil.
Ergebnis: 143 Kilo weniger.
Die Teilnehmenden:
Christian Adam
Monika Adam
Christa Dallinger
Daniela Häusler
Marion Höfinger
Alfred Knoll
Maria Lienbacher
Christine Mistelbauer
Stefan Müllner
Eva-Maria Pemmer
Herta Pemmer
Renate Rafetseder
Erika Schrammel
Renate Schroll
Christian Wurzer
VORSORGEaktiv-Tipps: einfach gesünder leben
- Gestalten Sie Ihren Alltag aktiver!
Erledigen Sie kleine Einkäufe zu Fuß oder mit dem Rad. Steigen Sie eine Station früher aus und gehen den Rest des Weges zu Fuß. Nehmen Sie die Stiege statt dem Lift. Treffen Sie sich zum Plaudern nicht in einem Lokal, sondern machen Sie einen gemeinsamen Spaziergang.
Ein Mehr an (Alltags-)Bewegung macht gute Laune, stärkt Ihr Abwehrsystem gegen Krankheiten, hält körperlich und geistig fit, verhilft zum Wohlfühlgewicht, lässt Sie besser schlafen und stärkt Ihre Muskeln, Knochen und Ihr Herz-Kreislauf System. Kurzum: Bewegung ist das beste „Medikament“. - Das hält Sie fit!
Zweieinhalb Stunden (150 Minuten) pro Woche sollen Erwachsene laut dem Nationalen Aktionsplan Bewegung körperlich aktiv sein. Wer sich gut fühlt, kann ruhig mehr machen! Zusätzlich werden zwei Mal pro Woche muskelkräftigende Übungen empfohlen. - Habe ich Hunger?
Hören Sie auf das natürliche Signal Ihres Körpers! Essen Sie, wenn Sie ein Hungergefühl verspüren, und nicht, wenn die Uhrzeit es vorgibt. Der Hunger- und Sättigungs-Mechanismus steuert die Nahrungsaufnahme ausgezeichnet, wenn man die Signale des eigenen Körpers bewusst wahrnimmt. - Genießen Sie fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag!
Obst und Gemüse sind die Vitamin-, Mineralstoff- und Ballaststofflieferanten schlechthin. Bei einer großen Nährstoffdichte liefern sie gleichzeitig relativ wenige Kalorien. Der Ballaststoffanteil sorgt zusätzlich für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl. Obst und Gemüse (roh oder gekocht) sollten Bestandteil jeder Mahlzeit sein. - Trinken Sie ausreichend – vor allem Wasser!
Alleine durch das Volumen der Flüssigkeit im Magen tritt ein Sättigungsgefühl ein. Trinken Sie also bereits vor den Mahlzeiten Wasser oder ungesüßten Tee. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke, denn diese liefern nur unnötige Kalorien. Trinken Sie öfter kleinere Mengen an Wasser, regelmäßig über den Tag verteilt. Wer viel trinkt, fühlt sich auch eher satt. - Gönnen Sie sich eine Pause!
Nützen Sie kurze Pausen, um sich zu entspannen, egal ob im Beruf oder im Alltag. Schaffen Sie sich eine ruhige Atmosphäre, öffnen Sie bei entsprechender Witterung das Fenster, schließen die Augen und atmen tief durch. Machen Sie Ihren Kopf frei und denken Sie an schöne Dinge aus Ihrem Leben. Versuchen Sie, sich an Details aus dem letzten Urlaub zu erinnern – bestimmte Gerüche und Geräusche wie etwa die Meeresbrandung oder die salzige Luft. Das hilft, wieder neue Energie zu tanken.





