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Die richtige Mammographie zur richtigen Zeit

Die NÖGKK informiert über Neuerungen im österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm. Diese erleichtern allen Frauen den Zugang zur Früherkennungs-Mammographie.


Foto: istockphoto

Brustkrebs – eine bösartige Veränderung des Drüsengewebes der Brust – ist nach wie vor die für Frauen häufigste und bedrohlichste Krebserkrankung. Österreichweit erkranken pro Jahr über 5.000 Frauen neu an Brustkrebs. Früherkennung heißt das Stichwort, mit dem man dieser Geißel begegnen kann: „Die Mammographie ist die einzige Möglichkeit, einen Tumor in der Brust so rechtzeitig zu entdecken, dass man ihn noch minimal-invasiv behandeln kann. Je früher man einen Tumor entdeckt und je kleiner er ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass bereits Absiedelungen entstanden sind, und desto problemloser ist er auch zu entfernen“, erklärt Univ.-Doz. Dr. Franz Frühwald, Facharzt für Radiologie und Sprecher der regionalverantwortlichen Radiologen des österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms.  
Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass jene Frauen, für die eine Mammographie den größten Nutzen bringt, diese Untersuchung regelmäßig in Anspruch nehmen. Damit dies auch jede Frau zur richtigen Zeit tun kann, wurde im Jänner 2014 das österreichische Brustkrebs-Früherkennungsprogramm „früh erkennen“ gestartet, das alle bisherigen Mammographie-Angebote zur Früherkennung von Brustkrebs ersetzt. Seit Sommer 2014 wurden einige Adaptierungen vorgenommen, um dieses Ziel noch besser zu erreichen. „Die Neuerungen sollen den Zugang zur Früherkennungsmammographie noch weiter erleichtern“, sagt die Internistin und programmverantwortliche Medizinerin bei „früh erkennen“, Dr. Marianne Bernhart. Tatsächlich wurde so auch ein Zugang für Frauen geschaffen, die keinen niedergelassenen Überweiser haben oder nicht sozialversichert sind.

Folgende Neuerungen wurden umgesetzt

  • Freischaltung für Frauen von 45 bis 69
    Seit Juli 2014 ist die E-Card für alle Frauen zwischen 45 und 69 Jahren für eine Früherkennungsmammographie freigeschaltet. Nach der Terminvereinbarung bei einem an dem Programm teilnehmenden Radiologie-Standort können die Frauen nun mit ihrer E-Card zur Untersuchung gehen, es ist keine Einladung oder Zuweisung mehr nötig. Nach Inanspruchnahme der Früherkennungsmammographie wird die E-Card nach zwei Jahren wieder freigeschaltet. Frauen, die eine solche Untersuchung in Anspruch genommen haben, erhalten im Regelfall 24 Monate danach eine neue Einladung zur Erinnerung. Wird aus medizinischen Gründen ein kürzerer Zeitraum empfohlen, werden die Frauen auch früher wieder eingeladen.
    „Das schließt übrigens nicht aus, dass Frauen diesbezüglich weiter in Kontakt mit ihrer niedergelassenen Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen des Vertrauens stehen“, betont Bernhart. „Wenn die Frau beim Radiologie-Standort ihren Arzt angibt, wird dieser über die Durchführung der Mammographie informiert und sie kann alles Weitere mit ihm besprechen. Natürlich können und sollen auch niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen ihre Patientinnen zusätzlich an diese wichtige Früherkennungsmöglichkeit erinnern.“
  • Erweiterung der Zielgruppe
    Die zweite Neuerung betrifft Frauen von 40 bis 44 sowie ab 70 Jahren (seit Juni ohne Altersbeschränkung nach oben). Sie können sich mittels sogenanntem Opt-in zum Programm anmelden und bekommen danach die Einladung zugeschickt. Mit dieser Einladung und der E-Card können sie dann alle zwei Jahre zur Früherkennungsuntersuchung gehen. „Dadurch haben jetzt alle Frauen ab 40 Jahren die Möglichkeit, am Programm teilzunehmen“, sagt Marianne Bernhart. Mit dem nächsten E-Card-Release im November 2014 wird sich die Wartezeit auf das gewünschte Einladungsschreiben von derzeit fünf bis acht Wochen nach der Anmeldung auf etwa fünf Werktage verkürzen.
  • Online-Anmeldung
    Für diese Opt-in-Anmeldung steht seit Juni zusätzlich zur Anmeldung bei der Telefon-Serviceline 0800 500 181 auf der Programm-Website www.frueh-erkennen.at auch ein Webformular zur Online-Anmeldung zur Verfügung. „Dies betrifft Frauen zwischen 40 und 44 sowie ab 70 Jahren, die sich damit rund um die Uhr zum Programm anmelden können“, erklärt die programmverantwortliche Medizinerin.
  • Erweiterte Indikationenliste
    Punkt vier der Neuerungen betrifft die seit Juli 2014 geltende, neue erweiterte Indikationenliste, die von der Österreichischen Ärztekammer und der Sozialversicherung beschlossen wurde. Marianne Bernhart weiß: „Diese Liste bildet die Grundlage für die ärztliche Zuweisung zur Mammographie. Sie definiert auch passende Untersuchungsmöglichkeiten für Frauen mit erhöhter familiärer Disposition.“

Nutzen & Risiken

Womit wir wieder bei grundsätzlichen Informationen zum Thema Mammographie wären. Denn es ist zum Beispiel wichtig, zwischen einer Früherkennungs- und einer diagnostischen Mammographie (siehe unten) zu unterscheiden. „Die Mammographie als Früherkennungsuntersuchung richtet sich an gesunde Frauen ohne Anzeichen einer Brustkrebserkrankung. Sie hat nicht nur einen Nutzen, sondern ist auch mit gewissen Risiken verbunden“, erklärt Radiologe Frühwald. Dazu gehört etwa die Strahlenbelastung durch die radiologische Untersuchung, doch sie ist, wie der Experte versichert, bei den in Österreich verwendeten Röntgengeräten sehr gering. „Es gilt das Prinzip ‚So wenig wie möglich, so viel wie nötig‘.“ Die Mammographie ist mittlerweile eine der Röntgenuntersuchungen mit der geringsten Strahlendosis, die es gibt.
Eine andere in diesem Zusammenhang oft diskutierte Frage betrifft sogenannte falsch-positive Befunde, bei denen eine weiterführende Untersuchung angeordnet wird, ohne dass sich dadurch der Verdacht auf Brustkrebs erhärtet. „Dazu kann es kommen, weil sich das Gewebe von Tumoren manchmal nicht wesentlich vom normalen Brustdrüsengewebe unterscheidet“, erklärt Frühwald.
Er weist aber darauf hin, dass das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening derzeit als die verlässlichste Methode zur Früherkennung von Brustkrebs gilt.

Umfassende Qualitätskriterien

Tatsächlich gelten umfassende Qualitätskriterien für die Untersuchung. Alle radiologischen Standorte, die an dem Brustkrebs-Früherkennungsprogramm teilnehmen, müssen sich dafür nach strengen Kriterien zertifiziert haben. Selbstverständlich werden nur die neuesten technischen Geräte für die Untersuchungen verwendet. Was die Diagnostik betrifft, so gibt es eine standardisierte Doppelbefundung nach dem Vier-Augen-Prinzip. Das bedeutet, dass zwei zertifizierte Radiologen die Röntgenbilder unabhängig voneinander sichten und beurteilen.  Dr. Martina Amler, die ressortzuständige Direktorin der NÖ Gebietskrankenkasse, ergänzt: „In Niederösterreich sind die Frauen in besten Händen, die Qualität unserer Vertragsradiologen ist sehr gut und die Versorgung flächendeckend: Alle niedergelassenen radiologischen Vertragspartner in Niederösterreich nehmen am Programm teil.“

Der Knoten gegen den Knoten

Die im Brustkrebsmonat Oktober gestartete Informationskampagne macht alle Frauen verstärkt auf das Programm aufmerksam. „Sie soll den Frauen, ergänzend zur Beratung durch ihre Vertrauensärzte, eine informierte Entscheidung ermöglichen“, sagt Ärztin Marianne Bernhart. Die Kampagne mit dem Slogan „denk daran“ wird seit ersten Oktober österreichweit mit Plakaten, Medien-Inseraten und online umgesetzt. Entwickelt wurde zudem ein grünes Erinnerungsbändchen mit Knoten, das auch auf den Bildern der Kampagne zu sehen ist. „Mit dem ‚Knoten gegen den Knoten‘ im Bändchen wurde ein starkes Symbol für die Brustkrebs-Früherkennung gefunden. Dieses Bändchen verteilen Radiologen in Zusammenhang mit einer  Früherkennungsmammographie an die Frauen – es soll sie an die Untersuchung erinnern“, erläutert Bernhart. Die Neuerungen sollen auch jene Frauen erreichen, die bisher noch nicht bei der Früherkennungsmammographie waren. Es handle sich in jedem Fall um Empfehlungen, die keinen Zwang darstellen, betont Bernhart: „Die richtige Mammographie soll im richtigen Intervall an die richtige Frau kommen!“ Nun liegt es an Ihnen!

Früherkennungsmammographie & diagnostische Mammographie  

Die Mammographie als Früherkennungsuntersuchung richtet sich an gesunde Frauen ohne Anzeichen einer Brustkrebserkrankung. Sie hat nicht nur einen Nutzen, sondern ist auch mit gewissen Risiken verbunden.
Deshalb werden diejenigen Frauen eingeladen, bei denen die Untersuchung das beste Nutzen-Risiko-Profil aufweist. Kernzielgruppe für das Screening in Österreich sind nach Empfehlungen internationaler Studien Frauen im Alter von 45 bis 69 Jahren.
Die diagnostische Mammographie wird bei Frauen durchgeführt, die Beschwerden haben bzw. wenn bei ihnen ein Verdacht auf Brustkrebs oder eine andere Erkrankung der Brust besteht und eine weitere Abklärung mittels Mammographie notwendig ist. Weiters sind diagnostische Mammographien für Frauen vorgesehen, die familiär vorbelastet sind oder ein
genetisch erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, sowie für Frauen, die schon an Brustkrebs erkrankt sind oder sich in der Nachsorge nach einer Brustkrebserkrankung befinden. Die ärztliche Zuweisung erfolgt altersunabhängig außerhalb des österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms und basiert auf der Indikationenliste.

Mammographie-Untersuchungen im Überblick   

Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren können alle 24 Monate mit ihrer E-Card zur Früherkennungsmammographie gehen. Eine Einladung oder Zuweisung zur Untersuchung ist nicht notwendig.
Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren und Frauen ab 70 Jahren können sich bei der Telefon-Serviceline 0800 500 181 oder online auf www.frueh-erkennen.at zum Programm anmelden und mit der Einladung und ihrer E-Card zur Untersuchung gehen.
Die Möglichkeit zur diagnostischen Mammographie, die der Abklärung von Beschwerden oder eines Krankheitsverdachts dient, bleibt unverändert.

Wie wird eine Mammographie durchgeführt?  

Bei einer Mammographie wird die Brust mit einem speziellen Röntgen­gerät mit zwei, manchmal auch drei Ebenen durchleuchtet. Dieses Vorgehen ermöglicht eine exakte räumliche Zuordnung der abgebildeten Strukturen. Um eine möglichst genaue und detailreiche Aufnahme zu erhalten, ist es notwendig, die Brüste etwas abzuflachen. Dies geschieht mittels zweier Platten, von denen eine den Röntgenfilm bzw. den Röntgendetektor enthält. Die Brust wird auf diese Detektorplatte gelegt und mithilfe einer zweiten verschiebbaren Plastikplatte angepresst. Dieses Abflachen der Brüste wird von vielen Frauen als unangenehm, von manchen auch als schmerzhaft empfunden, dauert aber nur ein paar Sekunden.
Da sich die Dichte und Schmerzempfindlichkeit der Brust im Laufe des Zyklus verändert, empfehlen manche Experten, dass eine Mammographie am besten zwischen dem sechsten und dem zwölften Zyklustag durchgeführt werden sollte. Das Brustgewebe ist in dieser Zyklusphase besonders gut beurteilbar.