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Badminton sieht anders aus

GESUND+LEBEN-Redakteurin Ingrid Vogl über ihren nicht ganz gelungenen Versuch, mit Ball und Schläger einmal etwas anderes zu spielen als Tennis


Eine Sportart mit Ball und Schläger – das müsste ja etwas sein für eine Tennisspielerin wie mich, sollte man meinen. Naja, ist es prinzipiell auch – wenn man von einigen nicht ganz unwesentlichen Kleinigkeiten absieht. Dass der Schläger im Vergleich zu meinem Tennisracket einfach nur filigran und extrem leicht ist und Schlagfläche und Griff winzig klein, stört mich nicht sonderlich. Dass der Ball aber nicht rund ist und einfach nicht springen will, gefällt mir schon weniger. Aber auch daran werde ich mich gewöhnen (müssen). Den Verdacht, dass Badminton trotz des kleinen Feldes eine schweißtreibende Angelegenheit ist, bei der man alles sein darf, nur kein Bewegungsmuffel, hatte ich sowieso schon vor dem ersten Schlag. Und das bewahrheitet sich auch.

Ein kleiner Startvorteil

Meine Badminton-Premiere starte mit einem Erfolgserlebnis: Die Angabe, für Anfänger angeblich der schwierigste Schlag, meistere ich ohne Probleme. Das wundert mich nicht, denn in meiner Zeit als Tennislehrerin habe ich beim Zuspielen der Bälle oft stundenlang nichts anderes getan – diese Bewegung beherrsche ich im Schlaf. Aber sie ist nicht die einzige Bewegung, die bei mir automatisiert ist – und nicht jede davon ist beim Badminton hilfreich. Ehrlich gesagt, eigentlich keine, wie ich bald feststellen muss.

Beim Versuch, einen Ball wie beim Tennis mit leichtem Schnitt zu schlagen, scheitere ich kläglich – und nicht nur einmal. Dass man den Ball so nur mit dem Rahmen trifft und es beim besten Willen nicht schafft, ihn übers Netz zu bugsieren, glaube ich lange nicht, muss es aber nach vielen Fehlschlägen doch akzeptieren. Dass ich mit meinen langen Tennis-Ausholbewegungen viel zu viel Zeit brauche, um für einen schnell zurückgespielten Ball wieder bereit zu sein, ebenfalls. Und die Tatsache, dass ich bei einem kurz gespielten Ball mit dem für Tennisspieler falschen Bein nach vorne steigen muss, will in der Hitze des Gefechts auch nicht in meinen Kopf. Ich kämpfe also heftig mit den Eigenheiten des Badmintonsports. Trotzdem: Das temporeiche Spiel mit dem gefiederten Ball macht mächtig Spaß. Ein unbewusstes, ständiges Grinsen in meinem Gesicht ist dafür der eindeutige Beweis.

Aus zwei mach eins

Je länger ich die Bälle übers Netz dresche, umso mehr Kontrolle bekomme ich über das ungewohnte Spielgerät. Dass ich keine gelernte Badminton-Spielerin bin, kann ich aber nicht verbergen. Vielmehr habe ich es geschafft, zwei Rückschlagsportarten in einer zu vereinen. Ich spiele nämlich Tennis mit Federball und Badmintonschläger. Gute Haltungsnoten werde ich dafür von Badminton-Experten nicht bekommen, aber mehr Spaß hätte ich auch mit der richtigen Technik nicht haben können – davon bin ich überzeugt.

Fotos: Wolfgang Danzer