Schlag zurück und spiel dich fit
Federball kennt jedes Kind. Trotzdem ist der Wettkampfsport Badminton in Österreich eine Randsportart. Zu Unrecht, denn das schnellste aller Rückschlagspiele fordert Reaktion, Schnelligkeit und Ausdauer – und macht obendrein Spaß.
Was macht einen wirklich guten Badminton-Spieler aus? Die Ausdauer eines Marathonläufers, die Schnelligkeit eines Sprinters, die Sprungkraft eines Hochspringers, die Armkraft eines Speerwerfers, die Schlagstärke eines Schmiedes, die Gewandtheit einer Artistin, die Reaktionsfähigkeit eines Fechters, die Konzentrationsfähigkeit eines Schachspielers, die Menschenkenntnis eines Staubsauger-Vertreters, die psychische Härte eines Arktis-Forschers, die Nervenstärke eines Sprengmeisters, die Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren, die Besessenheit eines Bergsteigers sowie die Intuition und Fantasie eines Künstlers. All diese Eigenschaften sollte ein guter Badminton-Spieler in sich vereinen, meint Martin Knupp, Autor vieler Badminton-Lehrbücher. Hohe Anforderungen, die plausibel machen, warum es weltweit nur wenige wirklich gute Badminton-Spieler gibt.
Schnelles Erfolgserlebnis
Wer nicht unbedingt Weltmeister werden und Badminton nur als Hobby betreiben will, der kann schnell Erfolgserlebnisse haben, die Lust auf mehr machen. Wie Karl Schlachter, der vor 20 Jahren mit dem Badminton-Virus infiziert wurde: Ein Nachbar nahm ihn mit zum Schnuppern, der St. Peterer blieb hängen und wurde zum Meisterschaftsspieler. Diesen Nachbarn begleitete Schlachter später zu einer Sitzung des NÖ Badmintonverbandes (NÖBV) und auch da kam er nicht mehr los. Er übernahm das Ranglistenreferat und arbeitete sich nach oben. Nach Streitereien im Verband vor sechs Jahren war er die Lösung, die für alle tragbar war und so wurde Karl Schlachter NÖBV-Präsident.
Mit seinem Nachbarn Otto Wendlik verbindet ihn auch heute noch sehr viel, denn dieser Hauptschullehrer sorgt dafür, dass Badminton-Spieler im westlichen Niederösterreich nicht aussterben: Seit 20 Jahren wird Badminton in der Hauptschule St. Peter/Au als unverbindliche Übung angeboten. „Derzeit haben wir 30 Spieler – bei einer Schulgröße von 180 Schülern“, freut sich Wendlik über den Badminton-Boom in seiner Heimat.
Schüler, die mehr Interesse an dem Sport haben, bekommen über die Union St. Peter noch ein Zusatztraining. Im Falle der St. Peterer Nachwuchshoffnungen ist das kein Unbekannter: der Pakistani Tariq Farooq war 2003 Senioren-
Weltmeister. „Wir hatten immer Spitzenspieler als Trainer. Farooq kann die Kinder richtig begeistern“, hält Karl Schlachter große Stücke auf den in Linz beheimateten Trainer.
Mit Badminton Kondition schinden
Was macht diese Sportart aus, die in Österreich noch kaum Tradition hat? „Die schnelle Bewegung, man ist immer gefordert und es ist extrem anstrengend – wir haben schon kübelweise Schweiß in der Halle gelassen“, betont Karl Schlachter. „Mit Badminton kann man richtig fit werden, trainiert Koordination, Ballgefühl und Reaktion, und auch ein gewisses Maß an Spielwitz ist gefragt.“
Man kann den Sport bis ins hohe Alter betreiben. „Es gibt Leute, die noch mit 80 Jahren aktiv sind. Die Schnelligkeit leidet zwar mit dem Alter, aber just for fun kann man sehr lange spielen“, erklärt Schlachter. Denn die Verletzungsgefahr beim Badminton ist gering. „Wenn man immer gut aufwärmt, wird man trotz der schnellen Richtungswechsel kaum Probleme haben.“
Wer mit Badminton beginnen möchte, muss nicht sehr viel investieren: Eine kurze Hose, ein Leiberl und gute Hallenschuhe, damit man nicht rutscht, sind die Grundausstattung bei der Bekleidung. Schläger für Anfänger bekommt man schon zwischen 20 und 50 Euro, eine Sechserdose Plastikbälle um drei Euro. Mit Kielbällen wird der Sport etwas teurer: „Eine Dose mit zwölf Kielbällen kostet um die 20 Euro. Drei bis vier Bälle verbraucht man schon pro Training“, rechnet Karl Schlachter vor.
Wer Badminton ausprobieren möchte, der kann etwa bei der Union St. Peter zwei- bis dreimal gratis schnuppern, bevor er dem Verein beitritt und am regelmäßigen Hobbytraining teilnehmen kann (50 Euro pro Jahr Mitgliedsbeitrag). NÖBV-Präsident Karl Schlachter lädt ein: „Wer Federball ausprobieren will, soll kommen. Wir schauen dann, ob sich daraus Badminton machen lässt.“
Fotos: Wolfgang Danzer
Die Geschichte des Sports
Badminton wird oft fälschlicherweise mit dem Freizeitspiel Federball gleichgesetzt, das im Gegensatz zu Badminton möglichst lange Ballwechsel zum Ziel hat, während Badminton ein Wettkampfsport ist und nach festen Regeln gespielt wird. Bereits lange vor der Entstehung des Namens Badminton gab es Rückschlagspiele, die dem heutigen Federball ähnelten. In Indien gefundene Höhlenzeichnungen belegen, dass dort bereits vor 2.000 Jahren mit abgeflachten Hölzern kleine, mit Hühnerfedern gespickte Holzbälle geschlagen wurden. Auch bei den Inkas und den Azteken waren Rückschlagspiele mit gefiederten Bällen bekannt. In Europa entwickelte sich zur Zeit des Barock ein unter dem Namen Battledore and Shuttlecock oder Jeu de Volant bekanntes Federballspiel zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen des höfischen Adels. Ziel des Spiels war, dass zwei Spieler sich mit einfachen Schlägern einen Federball so oft wie möglich zuspielen, ohne dass dieser den Boden berührt. Ein urkundlich erwähnter Rekord aus dem Jahre 1830 beläuft sich auf 2.117 Schläge für einen Ballwechsel zwischen Mitgliedern der Somerset-Familie.
Das heutige Spiel verdankt seinen Namen dem englischen Landsitz des Duke of Beaufort aus der Grafschaft Gloucestershire: Auf diesem Landsitz mit dem Namen Badminton wurde 1872 das vom britischen Kolonialoffizier aus Indien mitgebrachte und als Poona bezeichnete Spiel vorgestellt. Heute genießt Badminton in seinen europäischen und asiatischen Hochburgen England, Dänemark, China, Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Indien und Korea große Popularität.
Daten, Zahlen und Fakten
- Das Spielfeld: Das Spielfeld beim Badminton ist dem beim Tennis sehr ähnlich, allerdings mit 13,40 Metern Länge und 6,10 Metern Breite (5,18 Meter im Einzel) deutlich kleiner. Das Netz ist so zu spannen, dass die Netzhöhe an den Pfosten 1,55 Meter und in der Netzmitte 1,524 Meter beträgt.
- Der Schläger: Die Form des Badmintonschlägers ist mit der eines Tennisschlägers vergleichbar. Er ist jedoch etwas kleiner und deutlich leichter als die Tennisvariante, und dünner besaitet. In der einfachsten Ausführung mit Stahlschaft und Stahlkopf wiegt ein Badmintonschläger etwa 120 Gramm, gehobenere Modelle bestehen aus einem Stück (Carbon) und wiegen nur noch 70 bis 80 Gramm.
- Der Ball: Gespielt wird mit Kunststoff-Federbällen, in höheren Spielklassen mit Naturfederbällen. Bei diesen besteht der Kopf aus Kork, der Federkranz in der Regel aus 16 Gänse- oder Entenfedern, die in den Kork eingeklebt und miteinander verschnürt sind. Mit dem fünf Gramm leichten Naturfederball lassen sich enorme Geschwindigkeiten erzielen: Am 26. September 2009 stellte Tan Boon Heong aus Malaysia einen neuen Weltrekord mit 421 km/h auf. Dieser Rekord ist von Guinness World Records zertifiziert. In keiner anderen Sportart erreichen Bälle eine derartige Geschwindigkeit.
- Badminton in (Nieder-)Österreich: Der österreichische Badminton-
- Verband besteht aus neun Landesverbänden mit insgesamt 138 Vereinen und knapp 6.000 Mitgliedern, von denen ca. 3.800 eine Spiellizenz besitzen. Der niederösterreichische Badminton-Verband umfasst 19 aktive Vereine mit rund 540 Mitgliedern, von denen gut 400 Meisterschaft spielen.
- Informationen: www.badminton.at, www.badminton-noe.at





