Aus Liebe zum Menschen
Mutter von vier Kindern, ein eigenes Geschäft aufgebaut und ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Roten Kreuz – da drängt sich der Gedanke auf, ob die Tage in Pöggstall im Waldviertel mehr als 24 Stunden haben. „Für mich ist immer das, was ich gerade tue, der Ausgleich für das andere – so schöpfe ich aus allem Kraft“, lacht Edeltraud Pfeiffer über diese Frage und man spürt ihre Begeisterung und Liebe zum Leben und zu den Menschen.
Begonnen hat alles vor rund einem Vierteljahrhundert mit einem Kurs beim Roten Kreuz. Die Kinder waren klein und Edeltraud Pfeiffer wollte sich als Mutter die Sicherheit verschaffen, im Falle eines Unfalls schnell und richtig Erste Hilfe leisten zu können. Doch schon während der Schulung spürte sie den Wunsch, nicht nur der eigenen Familie zu helfen. „Mir war sofort klar: Da mache ich mit, die brauchen Unterstützung“, erzählt sie. Als Erste der Familie beim Rettungsdienst galt es zuerst mit ihren Lieben zu sprechen, deren Einverständnis einzuholen. Ehrlich schilderte sie die Vorteile, aber auch ebenso „ohne Schönreden“ die Einschränkungen, die Dienste zweifelsohne mit sich bringen würden. Doch der Ehemann reagierte so, wie sie es sich erwartet hatte: Er sicherte ihr seine volle Unterstützung zu.
Im Rettungs- und Transportdienst begann die junge Mutter nun ihre Mitarbeit. An viele schöne Stunden im Team erinnert sie sich gerne. An so manchen Sonntag, wo der Ehemann das Essen fertig kochte, weil sie gerade da zum Einsatz gerufen wurde. An traurige Momente, etwa als sie zu einem plötzlichen Kindstod gerufen wurde, genau am Muttertag. „Das belastet schon sehr. Aber es muss ja jemanden geben, der in schwierigen Situationen zur Seite steht“, macht sie der Gedanke an damals noch immer betroffen. Das Team und die Familie waren ihr in schwierigen Situationen immer eine große Stütze, ebenso die vielen Momente, wo das Rote Kreuz Schlimmes verhindern konnte.
Vor fünf Jahren wechselte die Waldviertlerin vom Rettungsdienst in einen anderen Bereich des Roten Kreuzes, den Gesundheits- und Sozialdienst. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ lädt sie nun mit Kollegen ältere Menschen zu Kaffee und Kuchen in die Bezirksstelle Pöggstall, um zu plaudern, Karten zu spielen, aber auch um zu singen oder über Probleme zu sprechen. „Manche freuen sich den ganzen Monat auf diesen einen Tag, ist er doch oft ihre einzige Möglichkeit, andere zu treffen. Wer nicht mehr alleine kommen kann, der wird von uns abgeholt“, erzählt Pfeiffer. Eine regelmäßige Besucherin ist Leopoldine Hackl. „Seit es diese Runden gibt, bin ich dabei! Manchmal habe ich selbst eine Überraschung für die anderen“, lächelt sie verschmitzt. Gedichte sind es, die sie gerne vorträgt. Bis zum Seniorentreff hält sie diese aber strikt geheim, um allen – auch den Betreuern – eine Überraschung zu bereiten. Gerne fährt Frau Hackl mit auf die Tagesausflüge des Projektes „Betreutes Reisen“, wo Edeltraud Pfeiffer ebenfalls aktiv mitarbeitet. Viele Ausflüge waren es bisher, die organisiert und betreut wurden. An einen erinnern sich beide – Klientin und Betreuerin – besonders gerne zurück: „Als wir alle die Matura gemacht haben!“ Ein Ausflug in die Michelstettner Schule brachte sie auf die Schulbank zurück, ließ sie eifrig eine Schultüte basteln und zuletzt noch erfolgreich die Matura bestehen. „Das war eine Riesenhetz! Dass sie selbst aktiv werden müssen, das haben unsere Senioren nicht erwartet“, erinnert sich Pfeiffer. Auch für heuer stehen Ausflüge auf dem Programm: Eine Schifffahrt am Traunsee, die Rosenburg mit der berühmten Greifvogelvorführung oder der Christkindlmarkt in Linz. „Für viele ist es eine große Beruhigung, dass wir Betreuer ausgebildete Sanitäter sind, sie wissen einfach, da sind sie gut aufgehoben, auch wenn etwas passieren sollte“, schildert Pfeiffer Ängste der Senioren, die das Rote-Kreuz-Team zerstreuen kann.
Mit der TeamÖsterreichTafel hilft das Rote Kreuz Pöggstall einkommensschwachen und finanziell in Not geratenen Familien durch kostenlose Lebensmittel, die vom regionalen Handel zur Verfügung gestellt werden. Hier ist Edeltraud Pfeiffer gemeinsam mit ihrem Ehemann aktiv: Die Spenden werden von den Geschäften abgeholt und dann am Samstagabend ausgegeben. Dieses Projekt brauchte ein wenig Anlaufzeit, groß war zu Beginn die Scheu, zur Ausgabe zu kommen. „Es sind hier alle Altersgruppen vertreten – von jungen Familien bis zu alten Menschen“, ist Pfeiffer froh, dass das Angebot mittlerweile gut angenommen wird. Der Bedarf ist auch in kleineren Gemeinden wie Pöggstall gegeben.
„Familiär gehäuft“ tritt die Bereitschaft zum Ehrenamt bei Familie Pfeiffer auf: „Wir sind beim Roten Kreuz wie eine große Familie, auch wenn uns oft viele Jahre trennen. Aber der Wunsch zu helfen und die Liebe zu den Menschen verbinden uns“, ist Edeltraud Pfeiffer der Teamgeist wichtig. Die Zeit für das Ehrenamt ist fix in ihr Leben eingeplant – das neben Geschäft und Familie mit mittlerweile vier Enkelkindern sehr ausgefüllt ist. Eine ihrer Kraftquellen ist das Ehrenamt selbst: „Man bekommt so viel von den Menschen zurück und erlebt so schöne Momente, das gibt einem immer wieder neue Kraft!“ Nur eines würde sie sich wünschen: Mehr Nachwuchs, denn damit hat auch das Rote Kreuz zu kämpfen.





