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Alle an einen Tisch!

Bei der Umstellung des Schulbuffets oder der Mensa lassen sich mit vereinten Kräften bessere Ergebnisse erzielen.


Engagieren sich gemeinsam mit Mag. Irene Öllinger (Programmleiterin »Vitalküche« der Initiative »Tut gut!«, 1.v.l.) für gesündere Speisen in ihrer Schule oder Institution: (v.l.) Heinz Funk (Betriebsleiter Mensa und Buffet im Bundesschulzentrum St. Pölten), Hannah Vacano (stellvertretende Schülervertreterin der BAKIP/BASOP), Elisabeth Zeh (Schülervertreterin HAK), Dipl.-Ing. Martin Pfeffel (stellvertretender HTL-Direktor und Landesqualitätsmanager im

Durch gesellschaftliche Entwicklungen gewinnt die Gemeinschaftsverpflegung immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig gilt es, das Bedürfnis nach gesunder Ernährung zu beachten. Die Initiative »Tut gut!« bietet das Programm »Vitalküche« für alle Einrichtungen an, die Gemeinschaftsverpflegung anbieten und unterstützt, das Speisenangebot noch stärker in Richtung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung umzustellen. Die Teilnahme erfordert die Zusammenarbeit von Verpfleger (z. B. Wirt), Ansprechperson aus betreffender Einrichtung (z. B. Kindergartenleitung, Schulleitung, Betriebsrat) und Gemeindevertretung. GESUND&LEBEN lud Vertreterinnen und Vertreter einiger Einrichtungen ein, um über ihre Erfahrungen zu berichten und wie eine schrittweise Umstellung gelingen kann – sei es im Schulbuffet oder bei der Mittagsverpflegung.

Bundesschulzentrum St. Pölten: HTL und HAK

Seit Mai 2014 im Programm »Vitalküche«
HTL: 1.650 Schülerinnen und Schüler
HAK: 872 Schülerinnen und Schüler

Was ist bisher passiert? Umstellung der Zapfanlage in der Mensa: Sodawasser eingeführt, Getränke zuckerreduziert (süßstofffrei), Dosen aus dem Sortiment genommen. Getränkeautomaten umgestellt (max. 7,4 g Zucker pro 100 g). Schulfruchtprogramm. Verkostung neuer Produkte und Einführung in das bestehende AngebotElisabeth Zeh, Schülervertreterin HAK, zum neuen gesunden Speisenangebot: „Die, die jeden Tag eine Schnitzelsemmel gegessen haben, essen sie weiterhin. Aber andere kaufen nun auch Wraps und Gemüsesticks. Ich habe früher jeden Dienstag eine Schnitzelsemmel gegessen, nun esse ich stattdessen einen Wrap mit Salat und Hühnchen.“
Heinz Funk, Betriebsleiter Mensa und Buffet: „Man muss die richtigen Produkte finden, die sich auch verkaufen. Jede Idee zündet sicher nicht und oft ist es eine Preisfrage. Die Kinder und Jugendlichen setzen Prioritäten: Die Nussschnecke ist doppelt so groß wie der Kuchen, der wiederum gesünder wäre. Hier fehlt es teilweise an Bewusstseinsbildung.“ Auch in der Mensa wurde das Angebot erweitert: „Pro Tag verkaufen wir bis zu 250 Menüs. Der Tages­teller ist oft vegetarisch, es gibt etwa
Erdapfel-Gemüse-Auflauf, Kohlrabilaibchen etc. Dazu täglich eine Fleischspeise.“
Dipl.-Ing. Martin Pfeffel, stellvertretender HTL-Direktor und Landesqualitätsmanager, isst fast täglich in der Mensa und kauft beim Schulbuffet so oft wie möglich eine gesunde Jause: „Mit dem Neubau haben wir einiges umgesetzt und bewirkt. Viel haben wir noch vor: Ab Herbst starten wir mit einem Schulfruchtprogramm und bieten Obst zu einem um 75 Prozent verbilligten Tarif an.“ Neue Herausforderungen warten: „Demnächst kommen noch 350 HTL-Schüler dazu, von denen wir viele dazu bringen wollen, zu gesünderen Speisen zu greifen. Die HTL hat eine 37-Stunden-Woche mit einer täglichen Stunde Mittagspause. Geld haben alle mit zum Essen, aber die Konkurrenz ist groß, denn der nahe Bahnhof lockt mit Fast-Food-Lokalen.“ Besonders freut er sich über Schüler, die jeden Tag hier essen und die neue gesunde Abwechslung zu schätzen wissen.
Dr. Petra Schuster-Rötzer, Schulärztin der HAK und des BORG St. Pölten, freut sich, dass sich mit dem Neubau auch das Speisenangebot in eine gesündere Richtung entwickelt hat. Sie sagt: „Für Kinder und Jugendliche, die eine weite Anreise und noch nicht gefrühstückt haben, ist das Buffet besonders wichtig ist, da es die erste Mahlzeit am Tag bedeutet und sie eine ausgewogene und leistbare Jause brauchen, die auch schmeckt.“

Kolpinghaus St. Pölten

Seit März 2015 im Programm »Vitalküche«
Internat für Schülerinnen und Schüler, v. a. HTL, Bakip, BORG, ASOP, Caritas
180 Betten, derzeit 150 belegt (Vollverpflegung: Frühstück, Mittagessen, Abendessen)

Was ist bisher passiert? Umstellungen im Speiseplan, Verkostung durch Schülerinnen und Schüler
Martin Hirtl (Geschäftsführer Kolpinghaus) zur Intention, etwas Neues in der Mittagsverpflegung zu wagen: „Wir wollten eingefahrene Wege aufbrechen und die Schülerinnen und Schüler erziehen, das Gesunde zu mögen. Es gibt nun kaum Frittiertes, weniger Pommes, stattdessen Hülsenfrüchte, Vollkornnudeln oder Bulgur als Beilage – einfach viel Abwechslung. Als Dessert gibt’s öfter Obst. Zu Mittag bieten wir ein Menü mit Fleisch und ein vegetarisches an. Der Zehn-Wochen-Speiseplan wiederholt sich im Rhythmus. Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Vor der Speisenumstellung gab’s einen Workshop mit den Schülerinnen und Schülern, bei dem sie dreizehn neue Gerichte verkostet und bewertet haben. Alles kam gut an, außer dem Rote-Rüben-Gericht, das wir daher nicht in den Speiseplan aufgenommen haben. Diese Form der Partizipation ist uns wichtig, denn Mädchen und Burschen haben nun mal unterschiedliche Wünsche, die es zu berücksichtigen gilt.“
Marion Andre ist seit eineinhalb Jahren Küchenleiterin im Kolpinghaus, arbeitet dort bereits seit dreizehn Jahren: „Bis 2006 hatten wir fast nur Burschen im Haus, da musste täglich Fleisch auf den Teller. Erst mit den Mädchen hat sich ein vegetarisches Menü eingeschlichen. Wir sind Neuerungen gegenüber sehr offen, bemühen uns allen Ansprüchen gerecht zu werden.“

»Gesunde Schule« BRG/BORG St. Pölten

Seit 2007/2008 im Programm »Vitalküche«
1.000 Schülerinnen und Schüler

Was ist bisher passiert? Jausentage im Versuch: Erdäpfeltag, Salattage, Obsttag, Brotetage (gut angekommen), geplant ist Umbau von Aufenthaltsraum zum Buffetraum, Anschaffung einer Kühlvitrine (für Salate)
Einige Wechsel der Buffetbetreiber haben die Umstellung auf ein gesundes Angebot erschwert, berichtet Mag. Judith Neumar, Pädagogin und »Gesunde Schule«-Beauftragte im BORG. Seit Jahren bemüht sie sich um eine Umstellung der Schulverpflegung, trotz einiger Rückschläge lässt sie nicht locker. Seit heuer ist die Schule beim Programm »Vitalküche« dabei: „Die schulinterne Infrastruktur lässt leider zu wünschen übrig: Wir haben keine Mensa, der Aufenthaltsraum ist gleichzeitig der Essraum. Das Schulbuffet ist in einem kleinen Raum untergebracht, man muss sich lange anstellen. Dazu kommt, dass es lange dauert, bis jeder weiß, dass es neue Speisen wie beispielsweise Couscous-Salat gibt. Es fehlt an Marketing. Mittlerweile hat es sich etwas gebessert, es gibt Thementage mit Wraps, Müsli, Erdapfel und so weiter. Das kommt sehr gut an. Für die Mittagsverpflegung haben wir große Pläne: Angeschafft werden ein Dämpfer für Gemüse, eine große Vitrine, gemütliche Möbel – das Buffet samt Essbereich soll ansprechender gestaltet werden. Die Schüler und Eltern sind sehr ambitioniert und stehen dahinter.“ Sie streut der Steuerungsgruppe im BORG Rosen, bei der Ärztinnen, Eltern- und Schülervertretung dabei sind. Gemeinsam bemühen sie sich um das gesündere Angebot: „Alle sind sehr engagiert, aber die Umsetzung ist zäh.“

BAKIP/BASOP St. Pölten

(Bundesbildungsanstalt für Kindergarten und Sozialpädagogik)
Seit Februar 2015 im Programm »Vitalküche«
700 Schülerinnen und Schüler

Was ist bisher passiert? Keine Getränke mit Süß­stoffen, Vollkornweckerl im Sortiment, Joghurt mit Honig gesüßt, Müsli im Snackautomat
Hannah Vacano, stellvertretende Schülervertreterin der BAKIP/BASOP, freut sich darüber, dass seit einigen Monaten das Kolpinghaus das Mittagessen liefert: „Seither gibt es mehr warme Speisen und mehr Abwechslung mit Curryreis, oder auch Couscous-Salat.“ Zum Schulbuffet: „Viele finden, dass es zu viel Frittiertes wie Braterdäpfel, Schnitzel- oder Fischsemmel gibt. Schön langsam halten mehr gesunde und frisch zubereitete Weckerl Einzug.“ Sie findet, dass Mädchen generell empfänglicher für gesunde Ernährung sind und lieber zu leichten Speisen greifen als Burschen. In der Schule hängen Tafeln zur gesunden Ernährung – besonders engagiert und vieles umgesetzt in diesem Bereich hat Schulärztin Dr. Doris Gronister.

NÖ Leitlinie Gemeinschafts­verpflegung

Immer mehr Menschen – quer durch alle Altersstufen – essen außer Haus. Abwechslungsreiches Essen soll zu unserem Wohlbefinden und unserer Gesundheit beitragen, indem es gut schmeckt, unserem Bedarf entspricht, unsere Entwicklung fördert, unsere Leistungsfähigkeit unterstützt und genussvoll erlebt wird. Diese Ansprüche werden zunehmend und berechtigterweise auch an die Gemeinschaftsverpflegung gestellt. Im Zuge der österreichweiten Vorsorgestrategie wurden die NÖ Leitlinien Gemeinschaftsverpflegung erstellt, um eine optimale Gestaltung des Verpflegungsangebots zu erleichtern und Qualitätssicherung maßgeblich zu fördern. Bei der Bereitstellung von Mittagessen und Buffet spielen vor allem die Verpflegerinnen und Verpfleger eine enorm wichtige Rolle – besonders ihnen sollen die praxisbezogenen Empfehlungen eine fachgerechte Unterstützung bieten.
Die Leitlinie gibt es für:

  • Kinderbetreuungseinrichtungen (bis sechsjährige Kinder)
  • Mittagessen in Schule und Hort, Schulbuffet und Verpflegungsautomaten
  • stationäre Senioreneinrichtungen und Essen auf Rädern
  • Betriebe, Werksküchen und Kantinen

Informationen: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, Download unter www.noetutgut.at