Pausenkick
Lernen erfordert viel Energie. Daher sollten Kinder und Jugendliche schwungvoll in den Schultag starten, um den ganzen Tag fit und konzentriert zu bleiben.

Im Bundesschulzentrum St. Pölten locken drei Buffets und eine Mensa mit allerlei Köstlichkeiten – seit etwa einem Jahr vermehrt mit gesunden Speisen unter dem Motto „G’sund und erfrischend“. Foto: Felicitas Matern
Frühstück – nein danke, keine Zeit! Und in der Pause eine Wurstsemmel, Pizzaschnitte oder Zuckerschnecke, dazu eine Limonade. So sollte es nicht sein. Diese schnellen Kalorien bringen zwar kurzfristig Energie, helfen Kindern und Jugendlichen aber nicht durch den anstrengenden Schultag. Langfristig führt eine derartige Ernährung oft auch zu Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.
Den besten Start am Morgen bietet ein ausgewogenes Frühstück mit Müsli und frischem Obst – es liefert jede Menge Energie für den Vormittag. Getreide als wichtiger Eiweißlieferant in Kombination mit Milchprodukten ist besonders wertvoll für junge Menschen im Wachstum.
Manche Kinder bringen in der Früh aber keinen Bissen hinunter: Kleine Frühstücksmuffel sollten in der Früh zumindest etwas trinken – Tee, Milch, eventuell auch Kakao oder einfach nur Wasser –, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Dafür kann dann die Vormittagsjause etwas größer ausfallen. Damit sind die Kleinen und Großen gewappnet für die schulischen Herausforderungen, Deutsch, Mathe und Bio können kommen.
Die optimale Jause
Zwischendurch müssen die Energiespeicher wieder ordentlich aufgefüllt werden. Die Devise für die Jausenbox lautet: möglichst abwechslungsreich. Gefragt sind Vitamin- und Nährstoffbomben wie Vollkornbrote mit Topfenaufstrich und Gemüse, Wraps mit viel frischem Salat, knackige Gemüsesticks mit Dip, eine Obstjause in mundgerechten Stücken – die Palette an gesunden und unwiderstehlichen Snacks ist riesig. Je bunter, desto besser. So lassen sich auch kleine und große Gemüsemuffel vom Gegenteil überzeugen. Die optimale Jause setzt sich ähnlich wie das Frühstück zusammen:
- Getreidepower: Vollkornbrot und -gebäck (z. B. mit Käse, Schinken oder Topfenaufstrich und frischen Kräutern belegt) oder Müsli
- Milch und Milchprodukte, z. B. Joghurt oder Buttermilch. Achtung: Manche Milchmixgetränke und Fruchtjoghurts enthalten viel Zucker.
- Vitamine – knackig und frisch: Äpfel, Trauben, Paprika, Paradeiser, Karotten, Radieschen etc., am besten in Form von kleinen kindergerechten Portionen (Spalten, Sticks, Spießchen etc.).
- Naschen erlaubt: Natürlich darf auch einmal die eine oder andere Süßigkeit dabei sein, aber nicht täglich. Ein Naschverbot bringt nur wenig, denn es macht Naschereien erst recht interessant.
- Spezielle Kinderlebensmittel und -snacks bieten keine Vorteile, im Gegenteil: Sie enthalten oft zu viel Zucker und Fett und sind kein vollwertiger Ersatz für eine gesunde Jause.
- Ans Trinken denken, denn wer zu wenig trinkt, wird bald müde und kann sich nicht mehr konzentrieren. Die besten Durstlöscher sind Wasser, stark gespritzte 100%ige Fruchtsäfte und Tees. Limonaden, Energydrinks und Eistee sind ungeeignet, denn sie enthalten sehr viel Zucker und fördern damit Karies und Übergewicht.
Bessere Schulbuffets
Nicht alle Schülerinnen und Schüler kommen mit einer optimal zusammengestellten Jausenbox in die Schule. Oft bleibt zuhause einfach keine Zeit. Und je größer die Kinder werden, desto weniger lassen sie sich in die Jausenplanung dreinreden und wollen ihren Snack selber kaufen. Doch in vielen Schulbuffets lässt das Angebot zu wünschen übrig: Wurstsemmeln, Süßigkeiten und Knabbereien tummeln sich in der Vitrine. Dabei gibt es viele köstliche und gesunde Alternativen, die bei Kindern aller Altersgruppen gut ankommen.
Vielen Schulen ist die Gesundheit ihrer Schützlinge ein großes Anliegen, daher achten sie auf die angebotenen Speisen und Getränke im Schulbuffet. Eine davon ist das Bundesschulzentrum St. Pölten, in dem seit dem Neubau HAK und HTL gemeinsam untergebracht sind. Zweieinhalbtausend Schülerinnen und Schüler drücken hier die Schulbank und brauchen einen ordentlichen Pausenkick, um den anspruchsvollen Schulfächern aufmerksam folgen zu können. Drei Buffets und eine Mensa locken mit allerlei Köstlichkeiten – und seit etwa einem Jahr vermehrt mit gesunden Speisen unter dem Motto „G’sund und erfrischend“. Denn seither arbeitet die Schule daran, das Schulbuffet auf gesündere Beine zu stellen. Unterstützung holte man sich beim Programm »Vitalküche – Gemeinschaftsverpflegung in NÖ« der Initiative »Tut gut!« (siehe Kasten links). „Beratung von außen ist beim Umstellen des Ernährungsangebots enorm hilfreich“, weiß »Vitalküche«-Programmleiterin Mag. Irene Öllinger, „gemeinsam gelangt man zu einem besseren Ergebnis.“ Und in einer derart großen Schule müssen sowieso viele Personen zusammenarbeiten, um etwas zu bewegen: Schulverpfleger, Schulleitung, Lehrkräfte, Schulärztin, Schülerinnen, Schüler und Prozessbegleiterinnen der Initiative »Tut gut!« bilden die Steuerungsgruppe, die zuallererst den Ist-Stand erhoben hat. Das Fazit lautete: von allem zu viel – zu salzig, zu fett, zu süß.
Neue Speisen entworfen
Um das neue gesündere Angebot optimal auf die Wünsche der zukünftigen Nutzer abzustimmen, wurden die Lehrkräfte und Jugendlichen nach ihren Wünschen befragt, gemeinsam entwarfen sie neue Speisen und verkosteten neue Weckerl, Wraps, Müsli und Fruchtsalat. Die neuen Kreationen sollen schließlich auch an die Frau und an den Mann gebracht werden und vor allem eins: schmecken. Denn vor der Schule werben Fast-Food-Lokale und Pizzabuden ebenfalls um Kundschaft. Die neuen gesünderen Speisen müssen daher so gut schmecken, dass man gar nicht erst in Versuchung kommt, sich einen ungesunden und fetten Snack zu holen.
Einiges hat sich bereits getan im Bundesschulzentrum: Vollkornbrote mit Topfenaufstrich und Gemüse, Wraps mit frischem Salat und Hühnchen, knackige Gemüsesticks mit Dip, diverse Salate und Müslibecher mit Joghurt sind seit einiger Zeit neu im Angebot. Köstlich schmeckt auch der Obstkuchen mit reduziertem Zucker- und Butteranteil. Kalorienmäßig schneidet er im Vergleich zu seinem Konkurrenten, dem Plundergebäck (500 kcal), gut ab (160 bis 260 kcal). Es gibt zwar nach wie vor Schnitzelsemmel und Co zu kaufen, doch immer mehr Mädchen und Burschen greifen zur gesünderen Variante. HAK-Schülerin Kerstin mag am liebsten den neuen Wrap mit Salat und Curry-Hühnchen, HTL-Schüler Hannes schmeckt das neue Vollkornweckerl mit Schinken und Käse am besten, „außer der Tomatenscheibe, die nehm ich raus“. Das Müsli mit Joghurt hat mit Victoria und einigen anderen schon treue Fans gefunden.
Fordern & fördern
Auch die mehr als 300 Lehrerinnen und Lehrer freuen sich über das neue Angebot, wie etwa Dipl.-Ing. Martin Pfeffel, stellvertretender Direktor der HTL. Als Mitglied der Steuerungsgruppe hat er sich für die Speisenumstellung engagiert und ist selbst nun Nutznießer, holt sich – wenn es die Zeit erlaubt – in der Pause öfter einen Wrap oder Salat und geht mittags regelmäßig in die Mensa: „Die gesünderen Speisen machen fit und belasten den Körper nicht, getreu unserem Motto: Wir wollen die Schülerinnen und Schüler fordern und fördern. Das gilt natürlich genauso für die Lehrkräfte.“ Auch der Getränke-Automat wurde neu befüllt: viel Wasser und Getränke mit verringertem Zuckeranteil und weniger Limonaden. Kleines Manko: In der Riesenschule hat sich das neue Angebot noch nicht vollständig herumgesprochen, der Verkauf stellt Heinz Funk, den Betriebsleiter des Buffets und der Mensa, noch nicht zufrieden. Das soll sich ändern: „Mit dem Start des Schuljahrs werden wir das neue Angebot verstärkt bewerben.“
Schritt für Schritt zum Erfolg: Das Bundesschulzentrum St. Pölten bleibt dran. Genauso wie viele andere Schulen in Niederösterreich. Erfahrungsberichte zur Buffetumstellung von anderen Schulen lesen Sie weiter unten.
Die 10 »Tut gut!«-Ziele der Gemeinschaftsverpflegung
- Ausreichend trinken: hauptsächlich ungesüßte Getränke
- Abwechslung tut gut: ausgewogener Speiseplan
- Gut geplant ist halb gewonnen: mehr Effizienz – mehr Qualität
- Erhöhung des Gemüseanteils
- Regional & saisonal denken: Produkte aus NÖ verwenden
- Ressourcen schonen: Umweltschutz durch Nachhaltigkeit
- Das Auge isst mit: Speisen und Essumfeld ansprechend gestalten
- Vitamine zum Naschen: Obst als Alternative zu Süßem
- Sicherheit durch Hygiene: Gewährleistung von Qualität
- Genuss: Nehmen Sie sich Zeit!
»Vitalküche – Gemeinschaftsverpflegung in NÖ«
Die Initiative »Tut gut!« richtet sich mit dem Programm »Vitalküche« an alle Einrichtungen, die Gemeinschaftsverpflegung anbieten und unterstützt sie dabei, das Speisenangebot noch stärker in Richtung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung umzustellen.
Bei folgenden Fragen unterstützt die Initiative »Tut gut!«: Wie gestaltet sich ein abwechslungsreiches und bedarfsgerechtes Speisen-, Jausen- und Getränkeangebot? Welche Rahmenbedingungen müssen in der Gemeinschaftsverpflegung beachtet werden? Wie können Verpfleger, Schule, Kindergarten, Betrieb, Gemeinde usw. optimal zusammenarbeiten?
Programmdauer: zwei Jahre, die Teilnahme ist kostenlos.
Wer kann sich bewerben? Gemeinden, Kindergärten, Schulen, Betriebe, Wirte und Buffetbetreiber aus NÖ
Teilnahmebedingungen: Zustimmung des Erhalters der Einrichtung, Zustimmung des Verpflegers, Angebot einer Mittagsverpflegung/Schulbuffets, Bildung einer Steuerungsgruppe
Informationen & Anmeldung: »tut gut«-Hotline: 02742/22655,
www.noetutgut.at
Gesunde Jause: die klugen 4
Die optimale Jause macht satt, munter, gibt Kraft und Energie – daher sollten vier Komponenten nicht fehlen:
Getreide (Brot oder Müsli)
✓ Vollkornbrot, Vollkornweckerl
✓ Getreideprodukte ohne Zuckerzusatz (z. B. Müslimischungen)
✗ Semmel und Weißbrot sollten die Ausnahme sein.
Milch & Milchprodukte
✓ Käse unter 45 % F.i.T.
✓ Milch, Buttermilch natur, Naturjoghurt
✗ Süße Milchsnacks und -riegel enthalten oft wenig Milch, dafür viel Zucker.
Obst & Gemüse
✓ geschnitten zum Snacken oder als Belag
✓ regionale und saisonale Sorten verwenden
Getränke
✓ Wasser
✓ ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees
✓ gespritzte 100%ige Fruchtsäfte (1:3 mit Wasser)
✗ Limonaden, Fruchtnektar und Sirupe enthalten viel Zucker.
✗ Eistee und Cola-Getränke enthalten viel Zucker und Koffein.




