Zufrieden & engagiert
Das Projekt »Gesunder Betrieb« der Initiative »Tut gut!« unterstützt das Landes-pflegeheim Hainfeld dabei, die Ressourcen der Mitarbeitenden zu stärken.
„Herzlich willkommen“ liest man am Eingang und spürt schon im großzügigen Empfangsraum im Landespflegeheim Hainfeld, dass dieses „Herzlich“ auch so gemeint ist: Es ist eine Oase der Geborgenheit und der Ruhe – und das trotz der eifrigen Betriebsamkeit, mit der die Mitarbeitenden ihre Arbeit verrichten. Zufriedene, freundliche Gesichter, die dem Attribut „herzlich“ mehr als gerecht werden. Dass die vielzitierte „Chemie“ hier perfekt passt, kommt aber nicht von ungefähr. „Nur zufriedene Mitarbeiter sind engagierte Mitarbeiter“, weiß Gabriela Galeta, MBA, Direktorin des Landespflegeheims. Damit der Erfolg auch gut (weiter)wachsen kann, haben sich Direktion und Pflegedienstleitung einiges einfallen lassen. Als Partner für das Projekt zur betrieblichen Gesundheitsförderung wählten sie die Initiative »Tut gut!«. Gemeinsam legten sie die Rahmenbedingungen fest und erstellten einen Zeitplan. „Was können wir tun, damit Gutes so bleibt und wo sind Verbesserungen machbar?“, lautet das Grundanliegen des Teams und der beiden Projektleiter Katharina Dürr und Christian Perzl.
Willkommenes Projekt
Schon die Kick-off-Veranstaltung sprengte alle Erwartungen: 80 der 86 Mitarbeitenden aller Bereiche und Disziplinen hatten sich eingefunden, die Küche lieferte gesunde Smoothies; Fitnessgeräte und Geschicklichkeitsübungen boten erste Einblicke in das Teamtraining und die Initiative »Tut gut!« präsentierte ds Projekt. Arbeitskreise erhoben, was die Mitarbeitenden belastet und wo die „Schätze“ in der Gemeinschaft liegen. In drei Gruppen mit jeweils zehn Beschäftigten, die in ähnlichen Feldern tätig sind, kristallisierten sich im Gespräch jene Stärken und Schwächen heraus, die in den nachfolgenden Maßnahmen umgesetzt wurden. „Im Bereich der Pflege galt es, die vielen Ressourcen zu bündeln und Wünsche nach Verbesserungen umzusetzen“, berichtet Gabriela Galeta. So werden nun Zeitwünsche oder Urlaubsplanungen besser im Dienstplan berücksichtigt, Dienstbesprechungen und ein offener Austausch fördern die abteilungsübergreifende Flexibilität. Katharina Dürr freut sich: „Auf dieser Basis ist es nun gut möglich, beispielsweise auf die Bedürfnisse von Müttern Rücksicht zu nehmen – jeder springt ein. Das ist das Ergebnis der besseren Kommunikation.“ Für Projektleiterin Dürr war spannend, die vielen positiven Ressourcen bewusst wahrzunehmen und weiterzuentwickeln, wie etwa den wertschätzenden Umgang miteinander, das gegenseitige Unterstützen und Helfen. Wesentlich für die Mitarbeitenden ist die gute Zusammenarbeit mit den Ärzten an den vier Wohnbereiche. „Offene Ohren und Verständnis sind enorm wichtig in unserem Beruf, durch Mitarbeiter-Gespräche konnten wir dieses Einvernehmen verbessern. Es ist unschätzbar, wenn man Vorschläge und Wünsche nicht nur äußern kann, sondern diese auch umgesetzt werden“, betont Dürr.
Menschlichkeit gefragt
Das Angebot an Supervision, Fortbildungen und den Ansporn, Kreativität und Gestaltung auszuleben und Neues auszuprobieren, sehen die Mitarbeiter durchwegs als Bonus, weiß Direktorin Galeta. „Die wichtigste Erkenntnis jedoch war, dass wir weiterhin unsere Menschlichkeit am Arbeitsplatz einbringen können.“ Menschlichkeit, die sich auch in der Zeit außerhalb des Berufes fortsetzt, wie beispielsweise bei gemeinsamen Radausflügen und Wanderungen. Es ist die Summe aus vielen Kleinigkeiten, die ein angenehmes Klima begünstigen“, unterstreicht Projektleiter Christian Perzl. „Vielen Anliegen und Wünschen konnten wir gleich nachkommen, wie etwa einer Verschönerung des Personalspeiseraums. Anderes wird in Zukunft umgesetzt, wie eine Kreativschulung im Jänner, bei der gefilzt wird.“ Gabriela Galeta plant darüber hinaus monatliche Vorträge zu Schwerpunktthemen, wie Ernährung, Sport und Bewegung, aber auch Kabarett oder Typberatung.
Gute Ideen gibt es mehr als reichlich, und auch in die Pläne zum architektonischen Umbau des Landespflegeheims fließen die Wünsche der Mitarbeitenden ein, wie etwa nach ergonomischen Arbeitsplätzen, Kommunikationsinseln oder durchdachten Lichtinstallationen. „Es gibt eben kurz- und langfristige Maßnahmen – vieles davon ist unaufwändig, wie etwa Kaffee und Tee zur freien Entnahme aufzustellen oder einzelnen Berufsgruppen die Arbeitsbedingungen zu erleichtern“, berichtet Galeta. Das ist vor allem für die Pflegemitarbeiter wichtig, denn zwei Drittel der 107 Bewohner sind pflegebedürftig – schweres Heben und Tragen gehören ebenso zum Alltag wie die psychischen Belastungen. Die mentale Last in Spezialseminaren abzuladen tut enorm gut. Und für neue Mitarbeiter gibt es ein Mentoring-Programm, erfahrene Kollegen unterstützen je nach Bedarf. Für die Umsetzung der vielen Ideen und Neuerungen sieht das »Tut gut!«-Projekt noch ein Jahr vor. Danach wird es evaluiert, und es gibt die Möglichkeit zur Zertifizierung. Gabriela Galeta ist sicher: „Die Entwicklung dieser Qualitäten und Ressourcen im Haus wird auch nach dem Herbst 2016 weitergehen, denn wesentlich für uns ist die Nachhaltigkeit. Und die Menschlichkeit, mit der wir ganz bewusst miteinander umgehen.“
Motivierte Mitarbeitende schaffen mehr
Das Genesungs-, Wohn- und Pflegeheim „mater salvatoris“ in Pitten ist um das Wohlergehen der 120 Mitarbeitenden bemüht. Heim- und Pflegedienstleiter Günther Schranz und sein Team haben gute Erfahrungen mit der »Tut gut!«-Kooperation gesammelt, die auch für die 129 Bewohner spürbar sind. „Wir sind ein eingespieltes Team, das interdisziplinär arbeitet – doch das Verständnis füreinander hat sich dank unseres gemeinsamen Engagements weiter verbessert“. Das Interesse, gemeinsam etwas zu bewegen, teilen hier 90 Prozent der Mitarbeiter. „Für viele ist ihre berufliche Tätigkeit nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch mental belastend. Schweres Heben und Tragen, der Umgang mit Bewohnern, die an Demenz erkrankt sind – all diese Aspekte konnten wir im Rahmen von speziellen Maßnahmen aufgreifen und entsprechenden Rückhalt bieten“, so Schranz. Supervision, auf Wunsch auch anonym oder in Einzelsitzungen, sind Angebote, die den Arbeitsalltag erleichtern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der gesunden Küche: Zwei Köchinnen werden geschult, um schmackhafte Breikost zuzubereiten, gefällig fürs Auge und appetitlich für den Gaumen. Aber auch der gegenseitige Respekt, die Wertschätzung, Freundlichkeit, selbst wenn die Arbeit Kraft kostet, ist eine wesentliche Facette, um Mitarbeitern das Bewusstsein zu geben: Hier fühle ich mich wohl.
Ähnlich gute Erfahrungen hat die Gemeinnützige Donau-Ennstaler Siedlungs-Aktiengesellschaft (GEDESAG) in Krems gesammelt. Bei der betrieblichen Gesundheitsförderung ging es darum, die guten kommunikativen Kompetenzen, den Teamgedanken und die Arbeitsplatzzufriedenheit weiter auszubauen. Einige Maßnahmen werden nun umgesetzt, wie beispielsweise Gratis-Massage, und es gibt weit über den Beruf hinausgehende gemeinsame Aktivitäten.
Wie funktioniert das Programm?
Katharina Racher, Programmleiterin »Gesunder Betrieb« der Initiative »Tut gut!«
Informationen: katharina.racher
noetutgut.at
Auf welche Kriterien legt das Programm »Gesunder Betrieb« den Fokus?
Racher: Eines unserer Ziele ist das Erhalten und Fördern der Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitenden und Führungskräften. Das bedeutet das Gleichgewicht zwischen dem, was Mitarbeitende können und wollen, und dem, was sie sollen und dürfen. Dabei werden alle vier Bereiche des „Hauses der Arbeitsfähigkeit“ beachtet: Gesundheit, Kenntnisse & Fähigkeiten, Einstellungen & Werte, Arbeit & Organisation.
Wie gehen Sie dabei vor?
In unseren Projekten werden die Mitarbeitenden und Führungskräfte zu Ressourcen und Belastungen in allen diesen Bereichen befragt. Danach werden gemeinsam Lösungsvorschläge und entsprechende Maßnahmen entwickelt. Wir achten auch darauf, auf dem, was schon gut läuft, aufzubauen.
Wie sichern Sie die Qualität, den Erfolg und die Nachhaltigkeit von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)?
Die Betriebe bilden ein Entscheidungsgremium, eine Steuerungsgruppe, und ernennen eine interne Ansprechperson, die BGF-Projektleitung. Die gesamte Prozessbegleitung sowie die Erstbefragung wird von der Initiative »Tut gut!« zur Verfügung gestellt.





