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Zu viel Stress?

Die Schule stellt die Weichen für die spätere Lebenslaufbahn. Sie kann und soll auch Freude machen – und nicht nur Stress.


Foto: Bildagentur Waldhäus

Anfang September beginnt für rund 200.000 Kinder und Jugendliche in Niederösterreich wieder die Schule. Auch wenn sich die meisten Schüler auf ein Wiedersehen mit ihren Schulkameraden und Lehrern freuen, für so manchen jungen Menschen beginnt mit dem Schulbeginn wieder eine weniger schöne Zeit, denn international gehen Experten heute davon aus, dass jeder dritte Schüler unter Schulstress leidet.

Schüler berichten

„Natürlich kenne ich Schulstress, den kennt doch irgendwie fast jeder Schüler“, sagt Ines. Die 17-Jährige besucht eine höhere Schule in St. Pölten. Stress, so Ines, bekomme sie vor allem vor Referaten, „dabei wird man schließlich praktisch zu etwas gezwungen, was zumindest ich schon im normalen Leben nicht gerne tu – zu vielen Leuten auf einmal sprechen. Da kriege ich Stress“.
Bei dem 15-jährigen Peter ist das ganz anders. „Stress in der Schule kenne ich eigentlich nicht – etwas eng wird es nur, wenn ich alles zusammenkommen lasse und wenn ich dann zum Beispiel schnell Hausaufgaben nachschreiben muss.“ Schulstress, so Peter, sehe er eher bei anderen Mitschülern. „Viele stressen sich schon wegen dem kleinsten Test, obwohl sie mehr als genug gelernt haben.“

Kaum Freizeit

Von Schulstress kann die 16-jährige Christina, die in Wiener Neustadt eine Schule besucht, ein Lied singen: „In der höheren Schule gibt es schon viel zu tun: In manchen Wochen kann es vorkommen, dass fünf Prüfungstermine zusammenkommen. Ganz ehrlich, das sind dann Zeiten, wo ich mich gestresst fühle und wo es mir dann oft nicht so gut geht.“ Johannes aus Amstetten kennt das Problem. Oft, sagt der 17-Jährige, habe er kaum Freizeit, weil es so viel zu tun und lernen gebe. „Ich habe das einmal zusammengerechnet und bin auf eine 70-Stunden-Woche gekommen. In der Schulzeit arbeite ich oft mehr als mein Vater.“

Vielfältige Auslöser

Schulstress – viele Kinder und Jugendliche hierzulande kennen das Problem. Die Auslöser dafür können vielfältig sein: Kinder können beispielsweise vom Lernstoff über- oder unterfordert sein, Probleme mit Eltern oder Lehrern haben, von Schulkollegen gemobbt werden, einfach in der falschen Schule sein oder auch unter großem Leistungsdruck stehen. Psychologisch definiert wird Schulstress als „Stressreaktion auf eine erhöhte Anforderung“.

Negativ oder positiv?

Dabei muss Stress nicht nur negativ sein, es gibt auch den positiven Stress, der sehr wohl als Antriebsfeder nutzbar ist. Doch davon kann keine Rede mehr sein, zeigen sich beim Kind bedenkliche Auswirkungen. Dabei hängen die Reaktionen auf Schulstress von mehreren Faktoren ab, etwa dem Alter oder dem Charakter des Kindes: So klagen jüngere Kinder eher über Bauchschmerzen, schlafen schlecht oder werden zu Bettnässern. Ältere Kinder hingegen klagen häufiger über Kopfschmerzen, Schwindel oder haben einen plötzlichen Leistungsabfall.
Häufig ist es aber so, dass die Symptome von Eltern und Lehrern nicht erkannt werden und als Begleiterscheinungen der Pubertät abgetan werden. Deshalb: Seien Sie achtsam und holen Sie sich Hilfe.

Anlaufstellen:

  • schulpsychologische Beratungsstellen: www.schulpsychologie.at
  • Schulpsychologinnen/-psychologen in der Schule
  • Rat auf Draht, Tel.: 147, kostenfreie und rund um die Uhr erreichbare Telefonberatung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen

Medienakademie NÖ: Jungjournalisten schreiben für GESUND&LEBEN

Die Jugendlichen der Medienakademie NÖ, Sparte journalistisches Schreiben, verfassen für GESUND&LEBEN Beiträge zu Themen, die sie bewegen. Diesmal: Schulstress.
In der Medienakademie NÖ, Sparte journalistisches Schreiben, bekommen 14- bis 19-Jährige Einblicke ins journalistische Arbeitsleben, lernen Journalisten und Redaktionen in NÖ und Österreich kennen und arbeiten vor allem selbst journalistisch.
Informationen: www.kreativakademien-noe.at

Tipps für entspannte Schuljahre

  • Lernen will gelernt sein: Dabei kommt es unter anderem auf die richtige Zeiteinteilung, Unterstützung und Motivation an. Downloads zu den Themen Lernen und Motivation finden Sie unter www.schulpsychologie.at.
  • Eltern, Lehrkräfte und Freundeskreis können sich untereinander bzw. gegenseitig Unterstützung anbieten. Gemeinsam fällt vieles leichter.
  • Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie etwa eine schulpsychologische Beratungsstelle zu kontaktieren: www.schulpsychologie.at.
  • Weniger ist mehr: Ab und an den Freizeitterminkalender „entrümpeln“. Freie Zeit ausgewogen gestalten, damit sie nicht stressig und belastend erlebt wird.
  • Suchen Sie als Eltern direkten Kontakt zum Lehrpersonal Ihres Kindes. Seien Sie sensibel für die Abläufe im Schulalltag, und achten Sie darauf, wie Ihr Kind damit zurechtkommt.

Quelle: Bundesminsterium für Gesundheit, www.gesundheit.gv.at