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Zeichen der Zeit

Der Prozess der Hautalterung beginnt bereits in früher Jugend. Wir können ihn nicht aufhalten, aber durch einen gesunden Lebensstil ein wenig beeinflussen.


Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten im Universitätsklinikum St. Pölten.

Universitätsklinikum St. Pölten
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Ob wir wollen oder nicht: Wir werden älter, und mit den Jahren kann man uns das immer deutlicher vom Gesicht ablesen, denn unsere Haut altert wie alle anderen Organe des Körpers. Viele dieser Veränderungen werden erst in der zweiten Lebenshälfte deutlich sichtbar, doch in Wirklichkeit beginnt der Alterungsprozess natürlich schon viel früher. Und ja: Es kommt zur Bildung von Fältchen und Linien und zum Verlust von Elastizität und Spannkraft.

Drei Alterungsprozesse

Tatsächlich besteht die Haut aus drei Schichten – Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut – mit jeweils unterschiedlichen Funktionen, und in jeder dieser Schichten findet ein anderer Alterungsprozess statt. „Die Oberhaut verhindert im Sinne einer Barriere das Austrocknen des Körpers und das Eindringen körperfremder Substanzen. Im Alter vermindert sich diese Barrierefunktion, und die Haut wird trockener“, erklärt der Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum
St. Pölten, Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger.
Die Lederhaut trägt die hautversorgenden Gefäße und Nerven, ist für die Elastizität und Spannkraft der Haut verantwortlich und dient der Anpassung an Wärme und Kälte sowie der Wahrnehmung von Berührung, Druck, Schmerz, Temperatur etc. Altert sie – wie es unweigerlich der Fall ist –, so entstehen Falten, die Haut wird verletzlicher und die Wundheilung verschlechtert sich. Das Unterhautgewebe schließlich, das vor allem Fett speichert, wird im Alter schlaffer.

Wir altern nicht alle gleich

Die Frage ist, inwieweit diese Prozesse genetisch bedingt sind, und dazu gibt es einerseits alltägliche Beobachtungen, andererseits interessante aktuelle Forschung. „Wir altern nicht alle gleich, denn die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht, dem hauptsächlichen Alterungsfaktor unserer Haut, ist von Mensch zu Mensch und je nach Hautfarbe unterschiedlich“, sagt Trautinger. „Es scheint wahrscheinlich, dass zum Beispiel Asiaten, Afrikaner und Mitteleuropäer unterschiedlich altern. An genaueren Erkenntnissen dazu wird derzeit vor allem von der Kosmetikindustrie geforscht.“ 
Einfluss auf die Hautalterung nehmen auch hormonelle Faktoren. Bekannt ist vor allem der Verlust der Hautspannkraft bei Frauen durch die hormonellen Umstellungen während der Menopause. Man nimmt an, dass der Grund dafür im Absinken des Östrogenspiegels liegt. Jedenfalls aber wird die Haut bei den meisten Frauen in der Menopause schlaffer. Gleichzeitig kommt es häufig zu Veränderungen der Haare mit Haarverminderung und Strukturänderungen.

Vom Einfluss der Sonne

Viele dieser Veränderungen entsprechen einer unabänderlichen natürlichen Hautalterung, die kontinuierlich, aber sehr langsam vonstatten geht und die man auch gelassen sehen kann. Was jedoch immer dazukommt und die unerwünschten Alterungszeichen verstärkt und beschleunigt, ist unser Lebenswandel. Da geht es vor allem um die Frage, wie oft wir uns der Sonne oder dem UV-Licht von Solarien aussetzen. Denn UV-Licht kann tief in die Haut eindringen, die kollagenen Fasern schädigen und damit die Straffheit der Haut reduzieren. Gleichzeitig verklumpen die elastischen Fasern, was zu einem Verlust der Dehnbarkeit der Haut führt. Und: In der Oberhaut bewirkt UV-Strahlung Hautzellschäden, die zu Hautkrebs führen können. Bis zu 80 Prozent aller sichtbaren Hautalterungsprozesse im Gesicht, schätzen Experten, sind die Folge von zu viel ultravioletter Strahlung! Eine nur allzu sichtbare Folge von zu viel UV-Licht sind Altersflecken, erklärt Trautinger: „Diese bräunlichen Verfärbungen entstehen meist da, wo ständig Tageslicht hinfällt, also im Gesicht und auf den Handrücken. Sie sind zwar eine gutartige Hautveränderung, aber gleichzeitig ein Indiz für chronischen Sonnenmissbrauch: Sie zeigen, dass die Zellen durch langjährige UV-Bestrahlung geschädigt sind.“
Ein weiterer äußerer Faktor, der den Prozess der Hautalterung negativ beeinflussen kann, ist hoher Nikotinkonsum. „Die bei starken Rauchern häufig zu beobachtende verstärkte Faltenbildung sowie Verfärbungen und Vergröberungen der Haut sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Einwirkung des Zigarettenrauchs zurückzuführen“, erklärt Experte Trautinger.

Ältere Haut braucht mehr Pflege

Kann man mit einer entsprechenden Pflege etwas für seine „gute, alte Haut“ tun? „Hautalterung lässt sich durch Pflege nicht rückgängig machen. Sehr wohl beeinflussen kann man die Schädigung durch UV-Strahlen, hier ist Sonnenschutz durch Meiden praller Sonne, entsprechende Kleidung und Sonnenschutzmittel angesagt. Sonnenschutz ist in jedem Alter zu empfehlen und hilft, die Hautalterung zu bremsen und Hautkrebs zu vermeiden“, sagt Trautinger, und: „Die Hauttrockenheit, die sich bei jedem Menschen früher oder später entwickelt, kann und soll man mit feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten bessern, denn eines ist sicher: Ältere Haut braucht mehr Pflege als junge.“