Wunde adieu!
Meist genügen wenige Schritte, um eine Wunde richtig zu versorgen und zur Abheilung zu bringen.
Oberarzt Dr. Thomas Haidn, Dermatologe im Landesklinikum Wiener Neustadt
Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) verunglückten im Jahr 2014 rund 850.000 Menschen bei Unfällen. Überwiegend waren es Heim-, Freizeit- und Sportunfälle. Am häufigsten verletzen sich die Österreicher beim Schifahren, Fußballspielen und Radfahren. Während die Verkehrsunfälle zurückgegangen sind, stagnieren die Freizeitunfälle auf hohem Niveau, so das KfV.
Die Verletzungen führt das Gesundheitsministerium unter anderem auf ungeeignete Ausrüstung, schlechte Trainingsgestaltung, falschen Ehrgeiz und Unachtsamkeit zurück. Schon ein harmloser Freizeitlauf kann Risiken mit sich bringen: Streift man beim Jogging durch den Wald an eine dornenreiche Hecke oder tritt beim Barfußlauf am Strand auf eine spitze Muschel oder eine Glasscherbe, kann das blutige Folgen haben.
Wunde unbedingt reinigen
Die Behandlung von kleineren Schürfwunden – etwa nach einem Sturz – ist zumeist unproblematisch. „Schürfwunden sind oberflächliche Wunden, bei denen keine größeren Gefäße verletzt werden. Die Blutung stoppt bei gesunden Menschen meist von allein“, erklärt Dermatologe OA Dr. Thomas Haidn vom Landesklinikum Wiener Neustadt. Wurden viele Nervenenden beschädigt, kann die Verletzung aber von heftigen Schmerzen begleitet sein. Hat man sich geschnitten, kann man die Wunde ruhig ein wenig ausbluten lassen. Bakterien und andere Erreger werden dadurch herausgeschwemmt. Das Berühren der offenen Wunde sollte man vermeiden, da sonst Krankheitserreger eindringen können. Als erster Schritt erfolgt die Reinigung, um Fremdkörper aus der Wunde zu entfernen und die Gefahr einer Infektion oder Reizung abzuwenden. Die Wunde kann mit Wasser (am besten ist steriles Wasser, es reicht aber auch Leitungswasser) gesäubert werden. Bei sommerlichen Aufenthalten im Freien gilt: Meer- oder Seewasser sind dafür ungeeignet, weil Keime in die Wunde kommen können. Das salzhaltige Meerwasser kann außerdem stark brennen und dem Regenerationsprozess abträglich sein.
Achtung vor Mythen
Stellt sich heraus, dass in der Wunde noch Splitter, Gras oder kleine Steinchen stecken, können diese vorsichtig mit einer Pinzette entfernt werden.
Stecken die Fremdkörper tiefer in der Haut, sollte man sie besser von einem Arzt entfernen lassen.
Bei Hausrezepten ist Vorsicht geboten: Dass Wunden an der Luft besser heilen, ist umstritten. Durch das Austrocknen der unbedeckten Wunde bildet sich eine Kruste (Schorf), die den Heilungsprozess behindert. Das unter der Kruste befindliche Wundsekret kann nicht mehr fließen, und die Bildung von neuem Gewebe wird gestört.
Ebenso wird die Praxis, Wunden mit Speichel zu desinfizieren, von Experten angezweifelt. Speichel hat zwar eine antibakterielle Wirkung und kann die Wundheilung beschleunigen, enthält aber auch viele Bakterien. Fremder Speichel kann für den Körper ungewohnte Mikroorganismen enthalten.
Desinfizieren & abdecken
Nach der Reinigung muss die Wunde desinfiziert werden. Denn Schmutz in einer Wunde kann Wundstarrkrampf auslösen. Oberarzt Thomas Haidn empfiehlt desinfizierende Cremen oder Gels. Als besonders wirksam gelten Jodtinkturen, weil sie Viren, Bakterien und Pilze abtöten. Auch alkoholhaltige Mittel wirken antiseptisch, können bei offenen Wunden aber schmerzhaft brennen. Auch an das Auffrischen der Tetanus-Impfung, um vor Wundstarrkrampf zu schützen, sollte man denken. Kleinere Wunden werden mit einem Pflaster abgedeckt, das die Wunde gut vor erneutem Aufreißen und Schmutz schützt. Da Wunden in einem feuchten Milieu besser heilen, werden mittlerweile feuchte Pflaster angeboten. Hydrokolloidpflaster und -verbände sind vor allem bei großflächigen Verletzungen vorteilhaft. Das darin enthaltene Gel hält die Wunde feucht, ohne mit ihr zu verkleben. Größere Wunden sollte sich ein Arzt ansehen. Tiefe und klaffende Wunden sollten chirurgisch genäht werden.
Narben pflegen
Der Heilungsprozess sollte im Regelfall nach vier bis sechs Wochen abgeschlossen sein. Individuell ist das aber ganz unterschiedlich. „Die Dauer der Wundheilung hängt vor allem von der Tiefe und der Ausdehnung der Wunde ab“, weiß Dermatologe Haidn.
Oberflächliche Wunden können komplett und ohne sichtbare Folgen abheilen. Wurde die Haut stärker verletzt, bilden sich Narben. Ärzte empfehlen, das Narbengewebe keinen mechanischen Belastungen auszusetzen. Auch Sonnenlicht, Rauchen, Sauerstoffmangel oder die Einnahme von Medikamenten wirken sich negativ auf den Wundheilungsprozess aus. Spezielle Salben, Gels und Cremen helfen, das optische Aussehen der Narbe zu verbessern. Nicht nur frische, auch ältere Narben profitieren von pflegenden Maßnahmen. Als Voraussetzung gilt, die Produkte mindestens ein Mal täglich aufzutragen und in das Narbengewebe einzumassieren.
Drei Phasen der Wundheilung
- Sofort nach der Verletzung setzen Botenstoffe den Regenerationsprozess in Gang.
- Im Zuge einer Reinigungsphase werden von spezialisierten Zellen beschädigte Gewebereste entfernt.
- Darauf folgt eine Granulationsphase, bei der sich die Wunde mit neuem Gewebe füllt.
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