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Wohlfühlen dank „Durch Dick und Dünn“

Viktoria und Katharina haben’s geschafft – sie haben mit diesem Programm der Initiative »Tut gut!« gemeinsam mit ihrer Familie die Ernährungsgewohnheiten geändert, abgenommen und sind nun begeisterte Sportlerinnen.


Viktoria isst und kocht mit Leidenschaft und schnipselt gemeinsam mit ihrer Mutter Silvia rote Äpfel für einen gesunden Fruchtsalat.

Faszinierend, wie sich Viktoria verbiegen kann. Rücklings in die Brücke, wieder hoch, ein sicherer Kopfstand, und: „Soll ich dir einen Spagat zeigen?“ Kein Problem für das quirlige achtjährige Mädchen im fröhlichen grünen Hello-Kitty-Leiberl, das dann auch noch mit Schwester Julia gekonnt am Snake-Board balanciert: „Ich kann auch reiten, ich möchte nämlich Reitlehrerin werden“, verrät der gut gelaunte Wirbelwind aus Loosdorf im Bezirk Melk. Sportlich war Viktoria schon immer, aber seit rund einem Jahr macht ihr Bewegung noch viel mehr Spaß, und fällt ihr noch viel leichter. Denn sie ist leichter geworden, hat am Programm „Durch Dick und Dünn“ der Initiative »Tut gut!«  teilgenommen, das an den Kinder- und Jugendabteilungen der NÖ Landeskliniken angeboten wird.

Mit Freude Neues lernen

Zehn Monate lang hat Viktoria einmal in der Woche begeistert den Kurs in St. Pölten besucht, gemeinsam mit ihrer Kusine Leonie. Die beiden haben dort neue Freundinnen kennengelernt, und sie haben dabei auch viel Neues gelernt: „Ich soll nur eine Faust voll essen.“ Oder: „Ich soll am Abend nicht noch ein zweites Mal essen.“ Oder andere Sachen essen als bisher, und vor allem auch etwas anderes trinken: „Eistee hat mehr Zucker als Cola“, weiß Vicky jetzt. Und Zucker ist ungesund und macht dick.
Viktoria isst neuerdings mit Begeisterung Grahamweckerl oder auch Salat, trinkt nur mehr einmal am Tag Saft, sonst Wasser oder Tee. Klar, ihre Lieblingsspaghetti kommen auch auf den Tisch, „aber da pass ich bei der Menge auf“, sagt die kleine Genießerin, und schwärmt von Mutters Kraut und Wurst­knödeln zum Mittagessen. Vicky hat nicht nur Freude am Essen, sondern auch am Kochen, erzählt sie, und dass sie mitgeholfen hat bei der Vorbereitung zu ihrer Geburtstagsparty – da gab’s Roulade und gesundes Obst für die Gäste.

Verbote bringen nichts

„Viktoria hat sich in diesem Jahr sehr verändert, weil sie durchgehalten hat“, bestätigt Mag. Sabine
Simhandl-Wagner, die das Programm „Durch Dick und Dünn“ am Landesklinikum St. Pölten betreut. Viktoria ist in diesen Monaten fünf Zentimeter gewachsen, sie hat nichts mehr zugenommen und mit einem Akrobatikkurs begonnen – was ihrem Bewegungsdrang entgegenkommt. Und es geht ihr gut. „Das wollen wir mit unserem Programm erreichen“, freut sich Sabine Simhandl über den Erfolg bei den Kids: „Wir wollen die Kinder dort hinführen, wo sie sich spüren können, wo sie sich wohlfühlen.“
Das gelingt durch Motivation zu aktivem Freizeitverhalten und durch eine Ernährungsumstellung. „Durch Dick und Dünn“ ist also keine Diät, sondern die Kinder lernen, wovon sie mehr essen können und bei welchen Lebensmitteln sie eher aufpassen müssen. Klar wird den Kursteilnehmern bewusst, dass sie auf manche Dinge verzichten sollten, aber: „Es gibt kein Verbot. Wenn sie ein Cola trinken wollen, dann sollen sie das tun, sie müssen die Kalorien halt woanders einsparen“, betont Sabine Simhandl. Denn die Kids sollen verinnerlichen: „Die Menge macht’s – ich darf ein Stückerl Schokolade genießen, aber keine ganze Tafel.“ Und das soll auch tun, wer unbändige Lust darauf verspürt. Weil er sonst wahrscheinlich als Ersatz für die Schokolade alles Mögliche in sich hineinstopft.

Übergewicht belastet

„‚Durch Dick und Dünn‘ bietet eine Lebensstilveränderung an“, erklärt Sabine Simhandl. „Ziel ist es, andere Muster zu lernen, sich nicht mit Essen zu belohnen, sich andere Ersatzhandlungen anzugewöhnen.“ Und damit gesünder und glücklicher zu leben. Denn Übergewicht ist ein gesellschaftspolitisches Problem, kann Kinder ziemlich belasten, sie zu Außenseitern machen. „Schwergewichtige“ Kinder sind nicht nur körperlich beeinträchtigt, sie können auch psychische Probleme haben, werden von den Mitschülern gehänselt, können in soziale Isolation geraten, sagt die Psychologin Simhandl aus Erfahrung. Übergewichtige Mädchen wollen oft nicht mitmachen bei Veranstaltungen oder sportlichen Aktivitäten, bei modischer Kleidung müssen sie nicht selten passen, ziehen sich daher frühzeitig in ihr Schneckenhaus zurück, rutschen so in die Isolation, suchen Trost bei Schokolade oder ähnlichen „Glücklich­machern“ – und futtern sich noch mehr Kummerspeck an. Sabine Simhandl: „Burschen leben das anders aus, flüchten in eine andere Welt – das ist auch gefährlich.“

Unterstützung der Familie

Vor dieser Spirale können nur die Eltern ihre Kinder bewahren. Übergewichtige Kinder und Jugendliche sind also auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen, wenn sie abnehmen oder ihren Lebensstil verändern wollen. Viktorias Mutter Silvia hat ihre Tochter beim „Durch Dick und Dünn“-Programm unterstützt, weil sie die Schwierigkeiten, in die Viktoria hätte kommen können, rechtzeitig erkannt hat: „Ich habe befürchtet, dass meine jüngste Tochter dasselbe Problem bekommt wie meine älteste – die war schwer übergewichtig und ist in der Schule gehänselt worden, sie hat darunter sehr gelitten.“ Deshalb hat sich Silvia Riedl über „Durch Dick und Dünn“ erkundigt, und gemeinsam mit Viktoria teilgenommen: „Da hört man gewisse Sachen, die man nicht gewusst hat.“
Manchmal ist sie mit ihrem Kind gemeinsam im Kurs gesessen, manchmal wurden die Kurse für Kinder und Eltern parallel abgehalten, aber immer haben sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder davon profitiert, bestätigt Silvia Riedl. Denn die Kurseinheiten sind sehr abwechslungsreich: Die Teilnehmer erfahren viel über gesunde Ernährung, bekommen zum Beispiel Tipps, was sie statt Süßigkeiten essen und wie sie Heißhungerattacken begegnen können, sie arbeiten Essenspläne aus, erhalten psychologische Beratung, werden motiviert, sich zu bewegen. Die Informationen machen den Kids Spaß, weil sie kindgerecht aufbereitet sind und spielerisch vermittelt werden.

Freunde mit denselben Problemen

Wie Silvia Riedl hat auch Regina Gasthuber erkannt, dass sie ihrer Tochter Katharina bei deren Gewichtsproblemen helfen muss: „Ich neige zwar nicht zu Übergewicht, aber wir haben das Problem in der Verwandtschaft, ich hab mir gedacht, wenn Katharina in die Richtung geht, müssen wir was unternehmen.“
Nach einem Termin mit Dr. Karl Zwiauer, Primarius in der Kinder- und Jugendabteilung des Landesklinikums St. Pölten, war für Regina Gasthuber klar: „Wir machen mit.“ Erfahren hat sie vom erfolg­reichen Programm „Durch Dick und Dünn“ in der Schule: „Das wird dort angepriesen, aber von zu wenigen angenommen.“
Die elfjährige Katharina ist dann gleich nach Gaming mitgefahren, aufs dreiwöchige Eröffnungs-Camp, das für die „Durch Dick und Dünn“-Teens angeboten wird: „Da ist was hängengeblieben.“ Das Leben in der Gruppe war super, „da lernst du lauter neue Freunde kennen, alle mit denselben Problemen, da profitierst du wirklich davon.“ Katharina hat im „Durch Dick und Dünn“-Jahr ihre Essgewohnheiten langsam umgestellt: „Ich trinke jetzt viel Wasser, mag auch gern Obst und Gemüse.“ Und ihre Mutter unterstützt sie dabei. Regina Gasthuber kocht täglich für ihre Familie, geht auf die Vorlieben ihrer Lieben ein: „Mein Mann und mein Sohn essen gerne Fleisch, Katharina und ihre Schwester mögen kein Rind- und Schweinefleisch, nur Huhn und Pute, und natürlich Gemüse aus dem eigenen Garten, jetzt im Herbst Karotten, Sellerie, Pastinaken, Rote Rüben.“
Die Ernährungsumstellung war erfolgreich. Teenager Katharina ist im letzten Jahr extrem gewachsen, sie ist fast 1,80 Meter groß und ist trotzdem genau so schwer wie vor einem Jahr, „das ist sehr positiv“, sagt ihre Mutter. Katharina hat auch das sommerliche Motivations-Camp als Abschluss des Programms besucht, ihre neuen Freundinnen wieder getroffen, hat mit ihnen gemeinsam gekocht, gesportelt, gespielt, sich wohlgefühlt: „Ich wollte gar nicht mehr heim.“

Sport macht Spaß

Ein Jahr lang haben Katharina und ihre Mutter also beim Training mitgemacht, einmal in der Woche den Kurs besucht, viel über Psychologie und Ernährung erfahren, und wie wichtig Bewegung für das Wohlbefinden ist und Freude machen kann – und wie sehr sportliche Betätigung beim Abnehmen hilft. Katharina hat sich mit Nachbarshündin Mara angefreundet, geht jeden Tag mit dem freundlichen, kinderliebenden Golden Retriever mindestens zwei Stunden spazieren – und hilft so auch Mara zu mehr Bewegung und einem gesünderen Hundeleben. Katharina wohnt mit ihrer Familie auf einem großen Bauernhof in der Nähe von Böheimkirchen, auf dem es für alle Familienmitglieder viel zu tun gibt. Am Sonntag aber, da steht eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung auf dem Programm: Die gesamte Familie Gasthuber besucht regelmäßig die Aquacity in St. Pölten zum gemeinsamen Schwimmen. Mit großer Begeisterung und mit einem „großen“ Schwimmstar. Denn die erschlankte Katharina hat nicht nur bei ihrer Ernährungsumstellung ihr Ziel erreicht, sie ist auch zur Sportlerin geworden – sie ist die beste und schnellste Schwimmerin in ihrer Klasse.

FOTOS: felicitas matern/feel image

„durch dick und dünn“

Eine Kooperation der Initiative »Tut gut!«  und den Kinder- und Jugendabteilungen der NÖ Landeskliniken
Das Gesundheitsprogramm „Durch Dick und Dünn“ unterstützt übergewichtige Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Eltern bei der Änderung von Ernährungsgewohnheiten. Gleichzeitig wird in den Kursen aber auch ein aktiveres Freizeitverhalten gefördert, damit Körper- und Selbstbewusstsein gemeinsam gestärkt werden können. Am Programm können alle niederösterreichischen Kinder und Jugendlichen teilnehmen. Voraussetzungen sind ein positives Aufnahmegespräch und eine Untersuchung zur Abklärung der Gesundheitsparameter.
Die Kurskosten für ein Jahr betragen für 60 Kinder- und 60 Elterneinheiten 220 Euro (+ 130 Euro Kaution). Die Kaution bekommt man bei Teilnahme an mindestens 75 Prozent der Termine zurück.
Das Sommercamp: Jeden Sommer steht allen ehemaligen und aktuellen Teilnehmern der Programme die 10-tägige Motivationswoche offen.

Informationen: »Tut gut!«-Hotline: 02742/22655, www.gesundesnoe.at

Anmeldung + Auskunft an folgenden Standorten:

  • Landesklinikum Amstetten
    DSA Maria Bichl
    Tel.: 0676/9234477
  • Landesklinikum Baden
    Mag. Veronika Kögl
    Tel.: 0650/6341494
  • Landesklinikum Hollabrunn
    OA Dr. Alexander Grill
    Tel.: 02952/2275-95301
  • Landesklinikum Krems
    Kinder- und Jugendabteilung
    Tel.: 02732/804-2801
  • Landesklinikum Mistelbach
    OÄ Dr. Anna-Maria Schally-Strebl
    Tel.: 02572/3341-9403
  • Landesklinikum Mödling
    OA Dr. Daniela Paulsen
    Tel.: 02236/204-436
  • Landesklinikum St. Pölten
    Mag. Sabine Simhandl-Wagner
    Tel.: 02742/300-13599
  • Landesklinikum Tulln
    Johannes Blauensteiner
    Tel.: 0676/3280055
  • Landesklinikum Wiener Neustadt
    OA Dr. Hellmut Wutzl
    Tel.: 02622/321-3414 od. -3415
  • Landesklinikum Zwettl
    OA Dr. Peter Schermann
    Tel.: 02822/504-6302