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Willkommen Sonnenschein

Hinter geheimnisvollen Paravents und in grell erleuchteten Kreißsälen hat noch so manches 1960er-Kind das Licht der Welt erblickt. Heute ist alles anders. Die NÖ Landeskliniken bieten einen wohligen Start ins Leben in Ruhe und Geborgenheit.


FOTO: felicitas matern

Landesklinikum Mödling
Sr. M. Restituta-Gasse 12
2340 Mödling
Tel.: 02236/9004-0
www.moedling.lknoe.at

Aus altmodischen Gebärzimmern sind wohnliche Geburtszimmer geworden, und jede Mutter wird heute von einer Hebamme betreut – in Niederösterreich werden Babys mit viel Liebe im Leben begrüßt, wie etwa an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Mödling.
„Wir verbinden die Sicherheit einer Kranken­hausgeburt mit den Annehmlichkeiten eines Hotels“, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas
Brunner, Vorstand der Abteilung. Etwa 1.200 Babys erblicken hier pro Jahr das Licht der Welt, damit ist die Abteilung eine der geburtenreichsten in Niederösterreich.
Ab 2017 können auch Väter und Geschwister die Tage mit der Neo-Mutter im Eltern-Kind-Zentrum in Mödling verbringen (siehe Kasten Seite 19). So wird im Endausbau in Pavillon B neben der Geburtshilfe auch die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde untergebracht sein.
„Mit der neuen Infrastruktur und beispielsweise speziellen Familienzimmern erhöhen wir zusätzlich den Komfort für junge Familien und Mütter“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Baden-Mödling.

Rundum-Betreuung

Für Daniela ist es bald so weit, Gynäkologe Brunner untersucht die junge Frau, die kurz vor der Ent­bindung steht. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben und persönlich gut begleitet“, schwärmt die Mutter in spe. Ihr Mann hat sie begleitet und fühlt sich im Landesklinikum Mödling ebenso wohl wie Daniela. Schließlich ist eine Geburt auch für werdende Väter ein einschneidendes Erlebnis, auch wenn sie selbst nicht Wehen veratmen müssen.
Wie sie die Gebärende dabei unterstützen können, das wissen junge Väter aber sehr gut. Üblicherweise melden sich Schwangere ab der 32. Schwangerschaftswoche im Landes­klinikum an, zu den Untersuchungen können auch die Väter mitkommen.
Bereits vor der Geburt werden beispielsweise mittels CTG die Herztöne des Kindes untersucht und die Gesundheit der Mutter kritisch ins Visier genommen. Sollten Probleme auftreten, wie beispielsweise hoher Blutdruck oder Schwangerschaftsdiabetes, wird engmaschig weiter kontrolliert.

Erfahrenes Team

„Wir wissen genau Bescheid, welche Art von Betreuung jede Mutter braucht, in welcher Phase vor, während oder nach der Geburt sie steht oder wie wir die Familie in dieser Zeit bestmöglich unterstützen können“, erzählt Stationsleitung Burgi Rheinheimer. Sie leitet ein 36-köpfiges Team aus Hebammen, diplomierten Gesundheits- und Krankenschwestern sowie diplomierten Kinderkrankenschwestern, organisiert den Betrieb auf der geburtshilflichen Station und überblickt die Abläufe im Kreißsaal.
Etwa vier Geburten pro Tag zählen zum Alltag für das Team, „es kann aber auch sein, dass acht bis neun Geburten pro Tag stattfinden, das sind unsere Spitzen“, lächelt sie und man hat das Gefühl, sie und ihr Team haben ohnehin jede noch so schwierige Situation fest im Griff.  Gemeinsam bemüht man sich hier, allen Wünschen von werdenden Müttern zu entsprechen.
„Bei der Betreuung der Neugeborenen und ihrer Familien sind Teamwork und enge Vernetzung unsere besondere Stärke. Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten der Geburtshilfe, der Anästhesie und der Kinderabteilung sorgt das Team aus Kreißsaal, Kinderzimmer und Wochenbettstation für hohe Qualität und Individualität.“
Mit großem Know-how und viel Erfahrung behält das Team hier auch in stressigen Zeiten kühlen Kopf. Zusammen machen sie die Geburtshilfe zu einem Ort, an dem man sich ebenso sicher wie geborgen fühlen kann.

Mutter-Kind-Zimmer

Inzwischen ist Daniela mit der Untersuchung fertig. Burgi Rheinheimer begleitet sie zum Ausgang. Dabei fällt der fragende Blick der jungen Mutter auf das leerstehende Kinderzimmer. Keine Neuankömmlinge heute? „Doch, doch, aber bei uns werden die Kinder nicht mehr im Kinderzimmer betreut, sondern sind ‚Rooming-In‘, das bedeutet, sie sind – wenn möglich – 24 Stunden pro Tag im Zimmer bei der Mutter.“ In einem solchen Mutter-Kind-Zimmer gähnt sich auch Pascal gerade in den neuen, seinen ersten Tag auf der Erde. Seine Mutter wurde in der vergangenen Nacht von ihm entbunden. Nun ist der kleine Mann drauf und dran, sich an sein neues Ambiente zu gewöhnen. Schluss ist es mit dem wohligen Schaukeln in der warmen Welle des Mutterbauches. Jetzt muss er erst mal einen Windelwechsel über sich ergehen lassen – und freilich ist das neue Outfit, auch wenn es schön hellblau ist, ein wahrer Grund, um so richtig loszubrüllen. Pascal beginnt, die Welt verstehen zu lernen.

Gebären in Geborgenheit

Vor, nach und während der Geburt war auch seine Mutter in besten Händen. „Mütter werden rundum von uns betreut, von der Geburtsvorbereitung bis zum Umgang mit dem Baby an den Tagen nach der Geburt“, erklärt Hebamme Andrea Majewski. Eine werdende Mutter wurde soeben in den Kreißsaal gebracht. Die Hebamme hilft ihr, sich zu entspannen, den Körper zu entlasten, die junge Frau wirkt trotz des bevorstehenden Ereignisses gelassen. Auch sie vertraut auf das Hebammen-Team des Hauses. „Wir möchten den Frauen vor der Geburt helfen, herauszufinden, was für sie im Zuge der Geburt gut ist“, sagt Andrea Majewski. So können werdende Mütter entscheiden, ob sie sich vielleicht in der Badewanne entspannen möchten oder ob sie sich am großen Ball wohler fühlen. Mancher Mutter tut Aromatherapie gut, dann wird der Kreißsaal zu einem duftenden Raum. Jede Frau soll individuelle Möglichkeiten abseits von Modeströmungen zur Verfügung haben.

Atmosphäre – auch für Väter

Die junge Mutter sieht sich im Kreißsaal um. Er ist wohltuend beruhigend, ohne glänzende Apparaturen, ohne gleißendes Licht. Wie auch anderen Mamas zuvor wird ihr die Hebamme bei der Geburt, wahrscheinlich heute noch, zur Seite stehen. Sie wird, wenn das Baby geboren ist, sich kurz von den glücklichen Eltern zurückziehen, im
Hintergrund mit dem diensthabenden Team in Ruhe abwarten. Der Vater wird, wenn er möchte, die Nabelschnur durchtrennen. Die junge Familie wird erst einmal durchatmen können, sich aneinander gewöhnen, das kann auch einige Stunden im Kreißsaal dauern. Erst danach geht’s ins Zimmer – die Hebammen und die Kinderschwestern geben der Mutter Tipps fürs Stillen, zeigen ihr verschiedene Positionen. Aber auch der Vater wird in der Folge mit eingebunden. Auch er lernt, wie man wickelt, badet und das Neugeborene versorgt.

Beziehungsarbeit von Anfang an

„Wir fördern die schmerzarme Geburt“, unterstreicht Primarius Brunner. Das heißt, dass Schmerzmittel oder Epiduralanästhesie dann verabreicht werden, wenn die Schmerzen stark ansteigen. Ein Kaiserschnitt erfolgt meist in Kombination mit einem Kreuzstich, sodass die Mutter danach sofort den Kontakt mit dem Kind aufnehmen und das Erlebnis bewusst genießen kann.
Muss der Kaiserschnitt unter Vollnarkose gemacht werden, wird der Vater mit diesem „Bonding“, der Beziehungsanbahnung, betraut, ihm wird das Kind auf den Oberkörper gelegt. Doch meist erholen sich Mütter selbst nach einer solchen Geburt rasch wieder und sind oft noch am selben oder spätestens am nächsten Tag wieder mobil.

In besten Händen

Kinder, die an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Mödling entbunden werden, sind in den besten Händen. Für größtmögliche Sicherheit für die Neugeborenen sorgt neben der Geburtshilfe auch die eigene Kinderabteilung samt Neonatologie im Haus. „Manche Kinder leiden nach der Geburt an Anpassungsstörungen.  Diese bleiben zur Beobachtung an der Neonatologie“, sagt Brunner. Und sollte ein längerer Aufenthalt in der Kinderstation nötig sein, ist das am Landesklinikum Mödling auch kein Problem, dann siedelt eben die junge Mama zu ihrem Kind in die Abteilung. Doch glücklicherweise verlaufen 99 Prozent der Geburten nach Plan. Aber das nur medizinisch betrachtet, denn „nach Plan“ verläuft eine Geburt nie. „Bei 90 Prozent der Frauen kommt es anders, als sie es sich vorgestellt haben“, weiß Brunner. Das reicht von einem „Frühstart“ Tage vor dem Termin, über einen notwendigen Kaiserschnitt bis hin zu einer verspäteten Ankunft auf Erden.
Ein Merkmal, das Chiara nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Auch sie ist nur wenige Stunden alt und im Landesklinikum Mödling geboren. Jetzt hält sie ihre langen, feingliedrigen Fingerchen vors Gesicht und scheint sich zu fragen: „Was, schon hell? Es ist Zeit für ein Frühstück. Aber bitte recht hurtig, auf mich wartet schließlich eine Fotografin!“

Der Zeitplan des Zahnens

Etwa eines von 2.000 Babys kommt schon mit einem Zahn auf die Welt. Und auch bei Frühentwicklern ist das Zahnen ab den ersten paar Monaten ein Thema. Bereits zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche sind beim Ungeborenen alle 20 Zahnknospen im Kiefer angelegt. Werdende Mütter sollten daher in der Schwangerschaft auf eine kalziumreiche Ernährung achten. Durchschnittlich kommen die ersten Zähne zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem ersten Geburtstag. Mit etwa drei Jahren ist das Milchgebiss mit 20 Zähnen vollständig.

TIPPS: Gesunde Zähne von klein auf

  • Falls Ihr Baby Schmerzen beim Zahnen hat, dann geben Sie ihm etwas zu kauen oder etwas, das kühlt (z. B. Beißring etc.). Achtung vor den weit verbreiteten Bernsteinketten – es besteht Strangulationsgefahr.
  • Sobald der erste Zahn da ist, sollten Sie ihn zweimal am Tag vorsichtig mit einer Babyzahnbürste und etwas Kinderzahncreme putzen.
  • Achtung: Flaschenkaries! Legen Sie Ihr Kind nie mit einer Flasche ins Bett. Reste von gesüßten Tees, Säften oder Muttermilch bleiben im Mund und greifen die Zähne an.
  • Viele Eltern verwenden homöopathische Kügelchen oder zuckerfreie Zahngels, die die Schmerzen lindern. Am besten probieren Sie mehrere Dinge aus, um zu sehen, was Ihrem Baby hilft.

Eltern-Kind-Zentrum

Im Zuge des Neubaus des Landesklinikums Baden-Mödling werden gezielt Schwerpunkte gesetzt, um künftig an beiden Standorten neben der Grundversorgung eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten. Eine Neuerung steht nun – bereits etwas früher als geplant –
ab Jahresbeginn 2014 bevor: Ab 1. Jänner wird die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe Baden und Mödling zusammengelegt, die geburtshilflichen Kompetenzen ab diesem Zeitpunkt zur Gänze am Standort Mödling gebündelt. Damit wird ein besonderer Schwerpunkt weiterentwickelt und im Zuge des Neubaus ein modernes Eltern-Kind-Zentrum in Mödling errichtet.

Buchtipp

Gut für mich – gut für dich. Richtig essen in der Stillzeit
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128 Seiten, ISBN: 978-3851759846, 16,90 Euro