Weiches Fell & feuchte Schnauze
Die Schüler der Sonderschule Klosterneuburg bekommen regelmäßig Besuch von Hündin Whoopy und deren Besitzerin Felicitas Grübl. Die tierpädagogischen Einheiten machen Spaß und sollen Selbstvertrauen, soziale Kompetenz und Konzentration fördern.
Whoopy, die Colliehündin mit goldenem, weichem Fell, muss schon sehr durstig gewesen sein: Sie kommt sofort angelaufen und trinkt aus dem Wassernapf, den der sechsjährige Elias angefüllt und vorsichtig auf den Boden gestellt hat. Die Hündin spaziert neugierig im Klassenraum herum, beschnuppert dieses und jenes und setzt sich schließlich neben ihre Besitzerin Felicitas Grübl. „Wer möchte die Whoopy füttern?“, fragt Grübl in die Schülerrunde. Zum dritten Mal ist Felicitas Grübl, von den Schülern Feli genannt, in der Allgemeinen Sonderschule Klosterneuburg mit Whoopy zu Gast, erklärt den Schülern, wie sie die Hündin füttern und streicheln können und was Hunde gerne und nicht so gerne mögen. Hintergrund dieses Projekts ist ein pädagogisch-therapeutischer: „Die Tiere nehmen die Kinder an, so wie sie sind. Dem Tier ist es völlig egal, wie das Kind ausschaut“, sagt Grübl, die mit dem „Kindertierkreis Artemis“ ein Zentrum für tierbegleitete Entwicklungsförderung betreibt. Die Idee dahinter: „Indem das Tier das Kind so annimmt, wie es ist, kann auch das Kind beginnen, sich selbst so anzunehmen, wie es ist.“ Das Angebot des Kindertierkreises richtet sich an Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Entwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten und an Kinder mit Antriebslosigkeit oder Hyperaktivität. In die Sonderschule Klosterneuburg kommt Grübl mit Whoopy und zwei anderen Hunden während des gesamten Schuljahres alle zwei Wochen, um in unterschiedlichen Klassen mit den Kindern zu arbeiten. Finanziert wird das Projekt vom Verein Auxilium Infantilis (siehe unten).
Steigerung des Selbstvertrauens
Die Beziehung zwischen Kind und Tier ist besonders, ist Grübl überzeugt und weiß aus jahrelanger Erfahrung, wie sehr Kinder vom Umgang mit Tieren profitieren: „Bei Kindern ist es so, dass das Selbstvertrauen enorm wächst, weil sie einmal in der Situation sind, in der sie einem Lebewesen etwas sagen, und dieses Lebewesen macht das dann.“ Elias und seine Mitschüler probieren das an diesem Vormittag aus. Sie haben sich vom vergangenen Besuch gemerkt, dass man „Sitz!“ sagt und gleichzeitig den Zeigefinger hebt, damit sich Whoopy setzt. „Erst dann bekommt sie das Leckerli. Die Whoopy schummelt manchmal, da muss man aufpassen!“, warnt Felicitas Grübl mit einem Augenzwinkern schon vorweg. Maxi, der ein Leckerli in der Hand hält und der Hündin mit erhobenem Zeigefinger „Sitz!“ sagt, macht diese Erfahrung: Whoopy frisst ihm aus der Hand, ohne sich hinzusetzen. Mit Geduld und Einfühlsamkeit erklärt Felicitas Grübl dem Schüler, wie er es machen muss, damit Whoopy ihn nicht austrickst, und schließlich klappt es auch. Die Atmosphäre im Klassenraum ist ruhig und konzentriert, gleichzeitig locker und lustig. Jedes Kind darf die Hündin zum Sitzen und Liegen auffordern und mit einem Leckerli belohnen. Die feuchte Hundeschnauze und die nasse Zunge auf der eigenen Hand zu spüren, ist für manche Kinder ungewohnt und bringt sie zum Lachen.
Stoffhund Rex zum Kuscheln
Die Anforderungen an das Projekt in der Sonderschule in Klosterneuburg sind je nach Klasse und Schüler unterschiedlich. Grübl erzählt von einem Mädchen mit Down-Syndrom, das Probleme hat, Berührungen zu dosieren und Distanz zu anderen zu halten. Ihr soll der wiederholte Umgang mit den Tieren helfen, das zu lernen. „In einer anderen Klasse geht es um das Miteinander in der Gruppe: Warten können, Rücksicht nehmen aufeinander, zuschauen, wie jemand eine Aufgabe löst, im Team eine Aufgabe lösen. Das ist eher Thema in Klassen, in denen Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten sind.“ Kindern mit Behinderungen hilft die Arbeit mit den Tieren, das Selbstbewusstsein zu stärken, schüchterne Kinder gewinnen an Offenheit und Vertrauen.
„Nachhaltigkeit“ ist auch in der therapeutischen Arbeit mit Tieren eines der großen Schlagwörter. Weil Kinder Tiere mit allen ihren Sinnen erleben, speichert sich das Erlebte besonders stark im Gehirn ein und wirkt langfristig. Alldem zugrunde liegt die Annährung zwischen Tier und Kind, erklärt Felicitas Grübl: „Man bespricht: Wie nähert man sich einem Hund? Kann man jeden Hund einfach streicheln? Man vergleicht die Bedürfnisse von Kind und Tier.“ Für Grübl ist es wichtig, dass die Kinder mit ihren Hunden nur das machen, was sie im Prinzip mit jedem anderen gut erzogenen Hund auch machen können. Kuscheln ist deshalb nur bedingt erlaubt. „Für mich sind lebendige Tiere nicht zum Kuscheln da. Wenn es das eigene Tier ist, ist das etwas anderes.“ Neben Whoopy ist beim Besuch in der Schule deshalb auch Stoffhund Rex dabei, den die Schüler nach Belieben drücken und herzen dürfen.
Interaktion zwischen Tier & Kind
Nach zahlreichen Fütterungsversuchen und vielen Sitz-, Platz- und Komm-Kommandos braucht Whoopy eine Pause, und Felicitas Grübl setzt sich mit den Schülern im Kreis auf. Sie zeigt Bilder von verschiedenen Hunderassen und fragt in die Runde, um welche Rasse es sich handelt. Dackel, Mops und Dalmatiner werden genannt, Grübl bestätigt, lobt oder korrigiert. Die Kinder sind aufmerksam und interessiert. „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Kinder bei der Arbeit mit den Tieren ruhiger, ausgeglichener und konzentrierter werden. Anschließend kann man gut mit ihnen arbeiten.“ Eine der Lehrerinnen der Sonderschule hat das nach der vergangenen tierpädagogischen Einheit erfahren: Sie konnte mit den Schülern eine Stunde lang in Ruhe basteln, was sonst fast nicht möglich ist.
Pädagogische Arbeit
Auch der Direktor der Sonderschule, Werner
Sallomon, ist von den Einheiten mit Felicitas Grübl angetan: „Das ist nicht nur ein Besuch, bei dem ein Hund vorbeikommt, das ist pädagogische Arbeit.“ Sallomon freut sich, dass die Kinder Grübl und ihre Hunde so gerne haben und die Rückmeldungen derart positiv sind. „Man spürt die Interaktion zwischen dem Tier und dem Kind. Es ist unglaublich, wie die Kinder strahlen – als Pädagoge sehe ich, dass da etwas passiert“, sagt der Direktor. Die positive Wirkung eines Tieres in der Klasse kann Sallomon bestätigen: „Die Kinder bemühen sich, gewisse Regeln einzuhalten.“
Für die Abschlussrunde an diesem Tag schlägt Felicitas Grübl den Kindern vor, sich auf den Rücken zu legen und ein Leckerli auf dem Bauch zu platzieren. Elias traut sich und muss viel lachen, als Whoopy kommt und ihn auf der Suche nach dem Leckerli behutsam beschnuppert. „Das mit dem Bauch“ hat ihm schließlich auch am besten gefallen und gefürchtet hat er sich gar nicht, erzählt er. Und gekitzelt hat es auch nicht, sagt er und lacht.
Foto: Nadja Meister
Kindertierkreis Artemis:
Spendenkonto
Kontonummer: 48603, BLZ. 32367 Raiffeisenbank Klosterneuburg
IBAN: AT643236700000048603
BIC: RLNWATWW367
Verein Auxilium Infantilis
Das Projekt der tiergestützten Pädagogik in der Allgemeinen Sonderschule Klosterneuburg wird vom Verein Auxilium Infantilis finanziert und kommt über vierzig Kindern zugute. Der 2010 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, mental und körperlich benachteiligte Kinder und deren Familien zu unterstützen – dort, wo das soziale Netz nicht ausreicht und
Familien finanziell und psychisch überbelastet sind. Ein behindertengerechter Treppenlift, ein augengesteuerter Computer oder ein Rehabilitationsurlaub für eine betroffene Familie sind nur einige der Projekte, die der Verein mit Hilfe von Spenden und Charity-Veranstaltungen bereits finanziert hat.
Neben der finanziellen Unterstützung legt Auxilium Infantilis Wert auf
die persönliche Begleitung der Projekte.
Informationen: www.v-ai.at





