Volkskrankheit trockene Augen
Trockene, gerötete Augen sind auf dem Vormarsch. Augentropfen, Pausen und Entspannungsübungen verschaffen Linderung.
Die Augen sind der Spiegel der Seele, sagt der Volksmund. Doch der Rückschluss auf die seelische Befindlichkeit unseres Gegenübers kann täuschen: Müde wirkende oder rote Augen gehen häufig auf unsere moderne Lebensweise zurück. Schließlich wird unser empfindliches Sinnesorgan durch die täglichen Lebensgewohnheiten zunehmend beansprucht: Das ständige Starren auf Bildschirme, die Einnahme von Medikamenten, das Tragen von Kontaktlinsen, der Konsum von Zigaretten oder ein zu trockenes Raumklima sind häufige Ursachen für trockene Augen. Diese sind meist gerötet und können jucken oder brennen. Möglich sind auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, starkes Tränen bei Wind und Kälte oder ein unangenehmes Fremdkörper-Gefühl. Aber auch das Lebensalter spielt eine Rolle: Die Tränenproduktion lässt in höherem Alter nach.
Belastende Bildschirmarbeit
Für den Korneuburger Augenarzt Dr. Harald Schrittwieser ist das Phänomen der Augentrockenheit auf dem Vormarsch: „Waren trockene Augen früher nur bei älteren Patienten ein Problem, beobachte ich sie heute auch schon bei jungen Erwachsenen. Der Hauptgrund liegt zweifelsohne in der vermehrten Bildschirmarbeit.“ Nicht umsonst wurde der Begriff „office eye syndrom“ geprägt.
Da man im Berufsleben kaum mehr auf den Computer verzichten kann, ist das trockene Auge bereits eine Volkskrankheit. Der Verband der österreichischen Orthoptisten, einer Berufsgruppe, die Sehstörungen behandelt, warnt vor den Auswirkungen der Computerarbeit: Wessen Blick an einem Arbeitstag bis zu 30.000 Mal zwischen Bildschirm, Vorlage und Tastatur hin- und herpendle, würde häufig über Kopf- und Augenschmerzen sowie gerötete Augen klagen. In der Folge könnte es auch zu herabgesetzter Leistungsfähigkeit, Muskelverspannungen sowie verschwommenem oder Doppelbilder-Sehen kommen, erklärt der Verband.
Blick in die Ferne hilft
Im Normalfall blinzelt der Mensch bis zu sechzehn Mal pro Minute. Der Tränenfilm wird mit jedem Lidschlag über die Augen verteilt. Der von den Tränendrüsen gebildete Flüssigkeitsfilm hat wichtige Funktionen: Er ernährt die Hornhaut, versorgt sie mit Sauerstoff und bewahrt sie vor der Austrocknung. Außerdem schützt er das Auge vor Viren, Bakterien oder dem Eindringen von Fremdkörpern. Durch die Tränenflüssigkeit werden Staubkörner aus dem Auge geschwemmt.
Der angestrengte Blick auf den Bildschirm lässt die Lidschlagfrequenz jedoch deutlich absinken – auf bis zu ein bis zwei Mal pro Minute. Das fehlende Blinzeln führt zu einer mangelhaften Benetzung der Augenoberfläche, die nun leichter von der Umgebungsluft beeinträchtigt wird.
Es kommt zu trockenen Augen und unangenehmen Nebenerscheinungen wie Jucken und Brennen, Ermüdung, Kopfweh oder einer plötzlichen Sehverschlechterung. Gezielte Pausen sollten bei stundenlanger Arbeit am Computer daher unbedingt eingehalten werden, sagt Schrittwieser: „Nach einer Stunde rate ich zu einer zehnminütigen Pause. Es empfiehlt sich, den Blick zwischendurch wiederholt in die Ferne schweifen zu lassen. Das entspannt die Augenmuskeln.“
Risikogruppe Kontaktlinsenträger
Auch der Einsatz eines Luftbefeuchters, das Vermeiden von Zugluft, Klimaanlangen, Zigarettenqualm und staubreicher Umgebung helfen gegen das Auftreten trockener Augen. Und es hilft, dem Körper genügend Flüssigkeit (rund zwei Liter Wasser täglich) zuzuführen. Wichtig ist auch, ausreichend und erholsam zu schlafen.
Wurden all diese in Frage kommenden Ursachen beseitigt, und man ist immer noch nicht beschwerdefrei, sollte man sich durch Tränen-ersatzmittel helfen lassen, empfiehlt Schrittwieser: Als sogenannte „künstliche Tränen“ simulieren Augentropfen den Tränenfilm. Augenärzte raten zu konservierungsmittelfreien Augentropfen, da Konservierungsmittel die Augenoberfläche schädigen können.
Kontaktlinsenträger haben oft besonders mit Augentrockenheit zu kämpfen, weiß Schrittwieser: „Es ist erwiesen, dass Kontaktlinsen die Qualität und Quantität der Tränenflüssigkeit beeinflussen. Oft kommt es zu einer verringerten Lidschlagfrequenz, was zu einer stärkeren Austrocknung der Hornhaut und einer Verschlimmerung des Trockenheitsgefühls führt.“ Abhilfe schaffen Augentropfen, deren Verwendung individuell variieren kann: „Manche Patienten finden mit einer zwei- bis dreimaligen Anwendung pro Tag das Auslangen. Es gibt aber auch Patienten, die erst mit stündlichem Eintropfen Erfolge erzielen.“
Verschwinden selbst weniger gravierende Beschwerden über einen Zeitraum von drei Tagen nicht oder sind die geröteten Augen mit Schmerzen verbunden, sollte man unbedingt einen Facharzt aufsuchen.
Dr. Harald Schrittwieser, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie in Korneuburg, empfiehlt stündlich Pausen von der Bildschirmarbeit.





