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Verschnupft

Erkältungen sind nicht schlimm, aber anstrengend und lästig. Allzu viel kann man nicht dagegen tun, außer vorbeugend die Abwehrkräfte stärken und während der Krankheit den Körper entlasten.


FOTO: istockphoto

Meist beginnt es mit dumpfen Kopfschmerzen und einem leichten Druck hinter den Augen. Wir fühlen uns abgeschlagen und einfach nicht so ganz wohl in unserer Haut. Vielleicht schmeckt auch das Frühstück nicht so recht und das Fieberthermometer bestätigt den nahenden Verdacht: Wir „brüten etwas aus“, was uns plagt, sind die Vorboten einer Erkältung.
Erkältung, Verkühlung, Schnupfen oder grippaler Infekt sind Bezeichnungen für ein und dasselbe Krankheitsbild. Die akute Infektion der Schleimhäute des Nasenrachenraumes wird in den meisten Fällen von Viren verursacht und ist die häufigste Infektionskrankheit in unseren Breiten. Der durchschnittliche Erwachsene leidet circa zwei bis drei Mal im Jahr daran, bei Kindern gelten sogar dreizehn Erkältungen pro Jahr noch als normal.
Als Allererstes bekommt die Nase den Infekt zu spüren. Der Virus dringt über die Nasenschleimhaut ein und vermehrt sich dort. Nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis acht Tagen reagiert die gereizte Schleimhaut mit vermehrter Durchblutung und schwillt an. Außerdem produziert sie übermäßig Sekret, um den Erreger wieder loszuwerden. Erhöhte Temperatur und Mattigkeit sind gleichzeitig weitere Anzeichen dafür, dass sich der Köper gegen eindringende Keime zur Wehr setzt.
Wegen der direkten Verbindung zur Nase sind auch tränende, gerötete Augen und entzündete Nasennebenhöhlen (Sinusitis) häufige Begleiter. Diese Verbindungen gibt es im gesamten Nasen­rachenraum, wodurch sich der Erreger ungehindert ausbreiten kann, sollte ihm das Immunsystem des Körpers nicht ausreichend die Stirn bieten. Nicht selten wandert die Entzündung so auch in Hals, Kehlkopf oder in die Bronchien. Schluckbeschwerden, Heiserkeit und trockener Reizhusten gehen deshalb oft mit grippalen Infekten einher. So lästig eine Erkältung ist, sie verläuft in der Regel selbstlimitierend, verschwindet also nach etwa einer Woche auch ohne jegliche Behandlung.

Was krank macht

Obwohl die Krankheitsbezeichnung die Vermutung nahelegt, hat die Erkältung nur indirekt etwas mit Kälte zu tun. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion von einer Person zur nächsten übertragen, das bedeutet über Niesen, Husten oder den direkten Kontakt mit Körpersekreten eines Erkrankten. Ein erkälteter Mensch ist während der gesamten Erkrankungsdauer ansteckend, intensiver Körperkontakt sollte also in dieser Zeit gemieden werden. Als Erreger der Erkältung sind über zweihundert verschiedene Viren bekannt, die jedoch alle die Schleimhäute der oberen Atemwege angreifen und die gleichen Symptome verursachen. Kälte ist also nicht der Auslöser für Schnupfen, eine kalte Nase oder langes Frieren kann allerdings die Ansteckung begünstigen. Eine kalte Nase ist schlecht durchblutet, zudem trocknet Heizungsluft im Winter die Schleimhäute aus, was sie zum leichten Ziel für Viren und andere Keime macht.
Langeinwirkende Kälte und Unterkühlung schwächen die Immunabwehr, was besonders die kalte Jahreszeit zur Schnupfenzeit macht. Die Traditionelle Chinesische Medizin zum Beispiel, sieht Kälte und Unterkühlung als die Hauptfaktoren in der Entstehung von Infekten an. In erster Linie wegen ihrer negativen Wirkung auf das Immun­system. Dr. Sabine Fröhlich, Ärztin für Allgemeinmedizin und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Zwettl, weiß: „Kälte ist immer ein Wegbereiter für Keime. Kalte Füße zum Beispiel unterbrechen den Wärmekreislauf und schwächen das Immunsystem.“ Die Immunabwehr spielt gerade bei Erkältungen eine große Rolle. Die meisten auslösenden Viren habe kein hohes krankmachendes Potential. Das heißt, für eine Ansteckung braucht es sehr langen und intensiven Körperkontakt – oder ein schwaches Immunsystem. „Somit ist die beste Vorsorge gegen Schnupfen, sein eigenes Immunsystem in Schuss zu halten“, betont Fröhlich. Schwächend können zum Beispiel chronische Erkrankungen, Schlafmangel, schlechte Ernährung oder zu wenig Bewegung wirken, ebenso seelische Belastung im Alltag oder akute Stresssituationen. Meist ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren, die uns krank werden lässt.

Was hilft

Das wiederum bietet viele Möglichkeiten, unsere Abwehr aktiv zu beeinflussen. Und was könnte mehr zur Stärkung beitragen, als das, was wir täglich essen? Dass Gemüse und seine Vitamine gesund sind, ist landläufig bekannt. Laut Fröhlich und der TCM-Lehre sollte man außerdem vor allem warme Speisen und Getränke vorziehen, besonders im Winter und im geschwächten Zustand. Obwohl im Arbeitsalltag manchmal schwer umsetzbar, ist auch das regelmäßige Essen sehr wichtig. Frische Luft hält fit und macht widerstandsfähig. „Abhärten sollte man sich allerdings dann, wenn man gesund ist“, rät Fröhlich, „ist man krank, sollte man im Bett bleiben und sich nicht der Kälte aussetzen.“
Ruhe und Schlaf sind auch das Einzige, das ein Erkälteter zur Heilung unbedingt braucht, denn eine kausale Therapie gibt es nicht. Man kann Symptome wie Kopfweh mit Schmerzmitteln bekämpfen oder die Nase mit abschwellenden Tropfen behandeln, doch die Krankheitsdauer wird dadurch nicht beeinflusst. Im Gegenteil, Expertin Fröhlich rät von zu vielen Medikamenten ab, denn die beste Therapie bei Erkältung ist das Abwarten: „Werden die Symptome und das Fieber ständig unterdrückt, fühlt sich der Betroffene vielleicht zu schnell gesund, überfordert sich und verschleppt die Krankheit“, warnt die Ärztin. „Das Wichtigste ist, sich selbst aus dem Alltagsprozess zu nehmen und sich zu erholen, denn der Körper braucht Zeit, um gesund zu werden.“ Unterstützen können ihn dabei natürliche Mittel, zum Beispiel heiße Fußbäder, Ingwertee, warme Gemüsesuppen und scharfe, schweißtreibende Speisen. Sollte sich der Zustand akut verschlechtern, hohes Fieber auftreten oder das Nasensekret sich eitrig gelb verfärben, ist der Gang zum Arzt unbedingt anzuraten. In diesem Fall könnte es sich um eine bakterielle Infektion handeln und Antibiotika nötig sein.