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Seelenquäler Fieberblase

Sie sind unschön, schmerzhaft und es dauert manchmal Wochen, bis sie wieder verschwinden. Wer sich den Herpes-Virus einmal eingefangen hat, wird ihn sein ganzes Leben nicht mehr los.


FOTO: fotolia

Jeder Zweite war mindestens schon einmal im Leben von Fieberblasen, oder Herpes labialis, betroffen. Sie kündigen sich mit einem leichten Kribbeln und Jucken an, meist kommen sie am Lippenrot oder in der Region um den Mund zum Vorschein, manchmal aber auch in der Nase. Egal wo sie auftreten, Fieberblasen sind meist schmerzhaft und brauchen sehr lange, um wieder abzuheilen.
Die Wurzel des Übels kommt aber nicht von außen, sondern befindet sich meist schon seit der Kindheit im Körper. Die Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus 1 (HSV1) passiert meist schon sehr früh und verläuft in den meisten Fällen unbemerkt. Um nicht vom Immunsystem erkannt und ausgeschaltet zu werden, hat der Virus nämlich eine besondere Überlebensstrategie perfektioniert: Er versteckt sich in Nerven­zellen, in denen die Immunabwehr ihn nicht angreifen kann. Im Fall des Herpes-Virus ist das der Trigeminusnerv, der für die Sensibilität verschiedener Hautareale des Gesichts zuständig ist, besonders auch für die Mundpartie. In diesem Nerv kann der Virus ein Leben lang latent, also ohne Symptome zu verursachen, über­leben.
Ungefähr 90 Prozent aller Menschen tragen den Virus in sich, ob er jedoch auch Fieberblasen verursacht, hängt vor allem von der Immunabwehr der Betroffenen ab. „Manche Menschen neigen zu Fieberblasen und werden generell leichter krank, andere haben ein robusteres Immunsystem und können den Virus in Schach halten“, weiß Dr. Sabine Fröhlich, Ärztin für Allgemeinmedizin aus Zwettl.

Viren-Explosion

Vermutlich rührt die Bezeichnung „Fieberblase“ daher, dass die schmerzhaften Bläschen besonders häufig während eines Infekts auftreten, was auf die geschwächte Immunabwehr in diesen Zeiten zurückzuführen ist.
Weitere Auslöser können Stress, UV-Strahlung und natürlich der direkte Kontakt mit den Fieberblasen eines anderen Menschen sein. „Sobald der schlafende Virus eine Schwachstelle in der Abwehr sieht, macht er sich bemerkbar“, erklärt Sabine Fröhlich.
Solange der Virus in den Zellkernen des Trigeminus verweilt, verursacht er keine Probleme. Ist jedoch das Immunsystem des Infizierten vorübergehend geschwächt, kann er sich entlang des Nervs bis in die Haut bewegen. Ist der Herpesvirus in den Nervenendigungen angelangt, beginnt er, sich in den Zellen der Epidermis sprunghaft zu vermehren. Die Hautzellen füllen sich mit Sekret und schwellen an, bis sie schließlich platzen – es bilden sich Bläschen.
„Es kommt zur Entzündung und Flüssigkeitsbildung, wodurch auch die Schmerzen verursacht werden“, weiß Allgemeinmedizinerin Fröhlich. Das wässrige Sekret, das aus den Blasen freigesetzt wird, enthält eine große Menge an Viren und ist hoch ansteckend. Deshalb sollte man auch unbedingt die Finger davon lassen, denn sonst kann die Erkrankung möglicherweise ins Auge verschleppt werden, was schlimme Folgen haben kann.

Risikofaktoren vermeiden

Die flächenhafte Zellschädigung und die Entzündung sind der Grund, warum Fieberblasen so langsam heilen. Deshalb sollte man sie gar nicht erst entstehen lassen und Risikofaktoren wie starke Sonneneinstrahlung, Übermüdung und – wenn auch oft schwer beeinflussbar – Stress vermeiden.
Macht sich die Fieberblase bemerkbar, ist es wichtig, rasch zu reagieren. Die Therapie sollte beginnen, noch bevor sichtbare Blasen entstehen, denn wenn die Zellen schon geschädigt sind, ist der Schaden nicht mehr rückgängig zu machen. „Wenn man zu Fieberblasen neigt, sollte man Mittel griffbereit halten, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat“, rät Fröhlich, „das können Salben oder Tabletten sein.“