Tierische Freunde
Wie Tiere unser Leben bereichern – als Lehrer und Erzieher für Kinder, Lebensgefährten für Erwachsene und als Fitnesstrainer für Sportliche.
Weit öffnet sich das rosa Mäulchen zu einem herzhaften Gähnen, die dunklen Äuglein werden kleiner, das schokobraune Wollknäuel streckt sich auf dem roten Sofa und ist schon im Tier-Träumeland, da nützt kein Streicheln, Locken, Kuscheln mehr – Ava schläft tief und fest. War auch echt anstrengend für das Hundebaby: Mit Elisa (8) und Hannah (6) Stiegen rauf, Stiegen runter, Gassi gehen im tiefen Pulverschnee. Er ist aber auch zu süß, der 11 Wochen alte Schoko-Labrador, jüngstes Familienmitglied im Hause Berchotteau in St. Pölten. Roxy, die 18 Jahre alte Siamkatze, ist nicht so begeistert vom Familienzuwachs wie die Mädchen – kommt er zu nahe, fährt sie die Krallen aus. Und die Langohrkaninchen Schnuffelinchen und Marie Charlotte blicken aus ihrem großen Käfig gelangweilt hinunter.
„Ich hab gewusst, worauf ich mich einlasse“, sagt Mag. Caroline Berchotteau, Kulturmanagerin und Organisatorin des Heimtierzoos: „Ich mag das, das bringt Leben ins Haus.“ Caroline Berchotteau ist in Frankreich aufgewachsen, mit sieben Geschwistern und vielen Tieren: Hunde, Katzen, Schafe, Ziegen ... Katzendame Roxy ist schon mehrmals übersiedelt mit der quirligen Tierliebhaberin, die ihren Kindern auch ein Leben mit Tieren ermöglichen will. Denn Caroline Berchotteau weiß aus Erfahrung: Hund, Katz & Co. sind ideale Spielgefährten, haben immer Zeit, vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, und Kinder können ihnen alles erzählen, was sie auf dem Herzen haben.
Kinder entwickeln sich besser
Natürlich spielt vor allem die nonverbale Kommunikation eine große Rolle bei der Verständigung zwischen Mensch und Tier. Kleine „Katzenpapas“ und „Hundemamas“ lernen so die Körpersprache besser zu deuten, sind einfühlsamer und haben damit Vorteile gegenüber Kindern, die ohne Tiere aufwachsen. Das bestätigt eine Studie an der Uni Wien des
Psychologie-Professors Dr. Giselher Guttmann:
Kinder, die mit einem Tier aufwachsen, entwickeln sich schneller und besser, sind hilfsbereiter und
zeigen mehr Verantwortungsgefühl.
Tiere verhelfen auch zu mehr Ausdauer und Konzentration. Ein Tier kann man nicht einfach in die Ecke stellen wie ein Spielzeug. Ein Tier hat so wie der Mensch Bedürfnisse – es will jeden Tag beachtet, gepflegt und gefüttert werden. Hyperaktive und unkonzentrierte Kinder profitieren in dieser Hinsicht besonders.
Eine Diplomarbeit am Konrad-Lorenz-Institut zeigt etwa, dass wenige Minuten Kontakt mit einem Meerschweinchen genügen, dass sich Vorschulkinder rasch auf eine ungewohnte Umgebung einstellen: Kinder wurden einzeln in einen Raum gebracht, sollten dort spielen. Mit dabei war ein
großes, gutmütiges Meerschweinchen. Durch den Kontakt mit dem Tier wurden die Kinder fröhlich und konzentrierten sich besser auf ihre Tätigkeiten. Das Meerschweinchen beschleunigte die Eingewöhnung und öffnete die Kinder für Kommunikation. Ein Stofftier zeigte diese Wirkungen nicht.
Umgang mit Tieren ist wichtig
Alle Eltern werden früher oder später mit dem Wunsch ihrer Sprösslinge nach einem Haustier konfrontiert. Gernot Kulhanek und seine Frau Esther Purgina sind dem Wunsch gern nachgekommen – mit den beiden Sozialpädagogen und ihren Töchtern Anna und Lilith residieren Hündin Pipsi, die Meerschweinchen Harry, Hermine und Lino und die Bartagame, eine Echsenart, Trixi in einer großen Wohnung in St. Pölten. „Es ist ein Unterschied, ob du ein Lebewesen streichelst oder ein Stofftier“, bringt’s Gernot Kulhanek auf den Punkt: „Der Umgang mit Tieren ist gerade im Kindesalter enorm wichtig. Einerseits lernen sie ein entsprechendes Maß an Verantwortung – auch wenn die Hauptarbeit die Eltern machen.
Andererseits zeigen Tiere, dass sie keine Dinge ohne Gefühle sind, mit denen man alles machen kann. Denn jedes der Tiere hat seine Eigenart, die entdeckt und respektiert werden muss.“
Gernot Kulhanek ist selbst mit Tieren aufgewachsen: „Ich hatte einen fetten Goldfisch, den ich sehr geschätzt habe. In der Familie hatten wir einen
Riesenschnauzer. Speziell während meiner Pubertät war der Hund ein toller Freund und Zuhörer.“ Und auch Esther Purgina hatte immer Hunde als Gefährten – und dabei einmal ein schreckliches Erlebnis: „Meine französische Bulldogge hat sich beim langen Wandern mit mir so verausgabt, dass sie kollabiert ist. Seither weiß ich, dass nicht jede Rasse für alle Freizeitaktivitäten geeignet ist.“ Jetzt läuft sie mehrmals wöchentlich mit der sportlichen Pipsi, dem Familienhund. Mit den Meerschweinchen spielen die Kinder gern, die lassen sich meist alles gefallen, freut sich Anna, „allerdings kratzen sie manchmal und
fiepen, dass es in den Ohren weh tut.“ „Da müssen wir ihnen die Nägel schneiden“, hat Lilith gleich einen praktischen Vorschlag.
Kosten, Arbeit und Verantwortung
Für die Eltern bedeuten Haustiere Mehrarbeit – sie sind dafür verantwortlich, dass das Tier etwas zu fressen bekommt, dass Käfig oder Katzentoilette gereinigt wird, dass der Hund Gassi geführt und das Aquarium geputzt wird. Und ein Haustier kostet Geld – Futter, Hundesteuer, Kontrolluntersuchungen und Impftermine beim Tierarzt machen sich auf dem Familienkonto bemerkbar. Man braucht auch einiges an organisatorischem Geschick, wenn die Familie auf Urlaub fahren will. „Mit einer Bartagame kann man schlecht verreisen“, weiß Gernot Kulhanek aus Erfahrung. Und einen Nachbarn, der die Echse dann mit lebenden Heimchen versorgt, muss man erst finden.
Bartagame Trixi fasziniert die Kinder: „Trixi kann ihre Augen so lustig verdrehen, das sieht echt süß aus“, strahlt Anna und Lilith erklärt: „Trixi ist zahm und lässt sich überall hinsetzen, zum Beispiel auf den Bauch oder Kopf.“
Auch Amphibien können Kinder begeistern, das weiß Dr. Christoph Wildburger aus Erfahrung. Der Wildbiologe hat in seiner Kindheit Amphibien und kleine Säugetiere wie Mäuse in Terrarien gehalten: „Ich habe versucht, die Lebensräume dieser Tiere nachzubauen. Sie zu beobachten hat mir die Zusammenhänge in Ökosystemen im Kleinen anschaulich gemacht und so mein Interesse für meinen späteren Beruf als Forstwirt geweckt.“ Das Ökosystem im Glaskasten ist dabei einmal in die Wirklichkeit gekippt. Als nämlich der Dackel der Familie wild bellend zielstrebig von einem Ende der Wohnung in das andere gejagt ist, vor sich sechs weiße Mäuse, die er aus dem Terrarium „befreit“ hatte ...
Katzen bringen Leben in die Wohnung
Weiße Mäuse versorgt Christoph Wildburger nicht mehr, dafür die alte Katze Bumsti, gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn Moritz, der sich – meistens – um den Zimmertiger kümmert: „Meine Katze macht die Wohnung lebendig, reagiert immer spontan und emotional ungezwungen, und bereichert so meinen Alltag.“
Das sagt auch Silvia Goger, die gemeinsam mit Gatten Egon und der eleganten Perserkatze Tiffany in Furth lebt – mit Traumblick auf Stift Göttweig. „Ich bin eine Katzenfreundin, verliebt in diese Rasse“, sagt die Werbefachfrau. Schon Tiffanys Mutter hat bei dem Ehepaar gewohnt, Silvia Goger das Kätzchen sogar selbst auf die Welt begleitet und aus diesem Wurf die Katzenschönheit mit der seltenen blau-weiß-schwarzen Färbung behalten.
Die 13 Jahre alte Katze leistet untertags Egon Goger Gesellschaft beim Malen – und wurde vom Künstler selbst schon porträtiert. Sie ist bei ihm
gelegen, als er wochenlang nach einem Herzinfarkt rekonvaleszent war, hat ihn beim Gesundwerden unterstützt.
Frauchen wird täglich beim Nachhausekommen begrüßt. „Sie hat ihre Rituale, ich zwinge sie zu nichts“, sagt Silvia Goger: „Tiffany lebt ihr Leben.“ Dass Mensch und Katz unverwechselbare soziale Beziehungen ausbilden können, zeigt eine Studie am Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien: Je länger Menschen mit ihren Katzen zusammenlebten, desto weniger komplex ist ihr Beziehungsverhalten. „Wie bei älteren Ehepaaren“, sagt Projektmitarbeiterin Manuela Wedl. Aus diesen Ergebnissen ist abzuleiten, dass Menschen mit ihren Katzen unverwechselbare soziale Beziehungen ausbilden können und dass die Persönlichkeitsstruktur des menschlichen Partners dabei Schrittmacherfunktion hat.
Fini macht Michi fit
Minus 15 Grad, Schneefall, eisiger Wind am Waldrand in der Nähe von St. Pölten. Zwei dick vermummte Gestalten laufen langsam näher, daneben traben zwei schlanke, große Hunde. Beinahe täglich, bei jedem Wetter, halten sich Michaela Plesser, ihr Setter Fini, Linda Franz und ihr Hund Kitty so topfit. „Den Hunden taugt’s“, lacht die gertenschlanke Michi. Sie war immer sportlich, hat 1999 Linda im Fitnessstudio kennengelernt, ein Jahr später in der Hundeschule wieder getroffen. „Der Hund und der Sport haben uns immer wieder zusammengeführt“, erklärt Michi Plesser – zufällig wohnen die beiden auch in unmittelbarer Nähe zueinander. Linda ist Archäologin, bei Ausgrabungen in Zypern ist ihr Kitty zugelaufen und mit nach Österreich geflogen.
Seit der gemeinsamen Ausbildung in der Hundeschule machen die zwei Menschenmädels und die beiden Hundedamen gemeinsam Sport. „Wir haben da eine Regelmäßigkeit, so drei bis vier Mal in der Woche“, erklärt Michi, „das ist ein schöner Ausgleich, ohne den wären wir unleidlich.“ Und sie kann eigentlich gar nicht aussteigen aus dem regelmäßigen
Training – die Hunde müssen und wollen raus und laufen und spielen ...
Das Tier verstehen
Michi Plesser hat sich intensiv mit Tierkommunikation beschäftigt. „Es nützt nichts, wenn du mit dem Tier schreist.“ Viel besser ist es, sich in das Tier
hineinzuversetzen und die Kommunikation zu verfeinern.
Vielen Menschen falle es auch schwer, dem Tier seine Natürlichkeit zu lassen, „viele machen das Tier zum zweiten Menschen“, sagt die Tier-Expertin, die schon als Kind Tierärztin werden wollte, dann aber als Grafikerin ihrem kreativen Talent den Vorzug gegeben hat. Michi Plesser: „Ein Hund ist ein Allesfresser, der braucht kein Bio-Hundefutter und rechtsdrehendes Joghurt.“ Sie weiß: „Verstehe dein Tier“ bedeutet nicht „vermenschliche dein Tier“, sondern „werde dein Tier“.
Fotos: felicitas matern
Welches tier passt zu uns?
MEERSCHWEINCHEN
Ab ca. 6 Jahre. Gutmütiges Nagetier, aber sehr sensibel. Nicht für Einzelhaltung geeignet.
Wird bei ausreichender Beschäftigung zahm. Liebt es ruhig und sanft, für ausgelassenes Spiel und ständiges Herumtragen nicht geeignet. Lebenserwartung: 6 bis 8 Jahre.
Platzbedarf und Pflege: Der Käfig sollte mindestens 100 x 80 cm groß sein, mit Häuschen zum Schlafen und Verstecken. Käfigreinigung und neues Einstreu alle 2 Tage. Die Krallen müssen ab und zu geschnitten werden. Langhaartiere regelmäßig bürsten. Braucht ständig Hartholz zum Nagen.
Ernährung: Mischfutter aus dem Tierhandel, Heu, Gras, Karotten, wenig Salat, Wasser. Nie feuchtes Gemüse füttern, das verursacht Koliken.
Nachteile: Braucht viel Zuwendung, damit es nicht verkümmert. Wenn der Käfig nicht oft genug gesäubert wird, riecht es schnell. Bei falscher Ernährung besteht die Gefahr der Verfettung.
Täglicher Zeitaufwand: mindestens 1/2 Stunde Beschäftigung
ZWERGKANINCHEN
Ab ca. 6 Jahre. Spielt gern (auch wild) und hat einen großen Bewegungsdrang. Wird praktisch nie stubenrein. Viele Tiere sind handzahm, andere können auch zubeißen. Die Weibchen sind meist anschmiegsamer. Nicht für Einzelhaltung geeignet. Lebenserwartung: 10 Jahre und länger. Platzbedarf und Pflege: großer Käfig mit ausreichend Platz zum Männchenmachen, Spielen und Hoppeln. Meist ist tägliche Reinigung nötig. Kann im Sommer auch im Freien leben, keine direkte Sonne. Wichtig ist täglicher Auslauf.
Ernährung: Im Zoohandel gibt es Fertigfutter; Gras, Karotten, Sellerie, hartes Brot, Obst und Wasser. Rund um die Uhr frisches Heu für die Verdauung.
Nachteile: Frei laufende Kaninchen knabbern in der Wohnung viel an, auch Elektrokabel.
Täglicher Zeitaufwand: Braucht mindestens 1/2 Stunde Spiel am Tag, ebenso viel Freilauf (nur unter Aufsicht!)
KATZE
Ab 5 Jahre, falls die Katze neu angeschafft wird. Ein individuelles und sensibles Tier, nur bis zu einem gewissen Grad erziehbar. Bei guter Behandlung sehr zutraulich und schmusig. Wenn von klein auf an Kinder gewöhnt, sehr spielfreudig. Wird sehr schnell stubenrein. Lebenserwartung: 15 Jahre und länger. Kann auch nur in der Wohnung gehalten werden, braucht aber mehrere Plätzchen für sich. Sehr pflegeleicht. Reinigung des Katzenklos mindestens jeden zweiten Tag. Langhaarkatzen täglich bürsten. Unbedingt notwendig: Kratzbaum
Ernährung: Fertignahrung (Trocken- und Dosenfutter) deckt die Bedürfnisse. Fleisch nur gekocht. Täglich frisches Wasser. Nur spezielle Katzenmilch, da normale Kuhmilch schlecht vertragen wird.
Nachteile: Haart manchmal. Außerdem wetzt sie an Möbeln ihre Krallen. Ausweg: Kratzbrett oder Trimm- und Kratzbaum. Vorsicht bei Allergieanfälligkeit – aber nicht alle Allergien beziehen sich auf Katzen!
Täglicher Zeitaufwand: Braucht Ansprache, den Zeitpunkt bestimmt sie aber selbst.
HUND
Ab 5 Jahre, falls der Hund neu angeschafft wird. Größere Hunde ab 10. Starker Bezug zu seinen Menschen, anhänglich, braucht konsequente Erziehung. Wird schnell sauber. Tobt und tollt gern mit Kindern und ist oft der geduldigste Spielgefährte, fühlt sich dann auch für das Kind verantwortlich und beschützt es. Lebenserwartung: 15 Jahre, je nach Rasse. Große Hunde brauchen auch im Haus Platz und möglichst einen Garten. Mindestens dreimal täglich eine halbe Stunde Spaziergang. Langhaarige Rassen täglich bürsten; wichtig: viel Ansprache und Zuwendung.
Ernährung: Hunde-Fertignahrung; zur Belohnung und für die Erziehungsarbeit: hundegerechte Leckerlis.
Nachteile: Muss betreut werden – auch im Urlaub! Braucht konsequente Erziehung –
benötigt Zeit. Eine Haftpflichtversicherung ist ratsam. Hundesteuer muss bezahlt werden.
Täglicher Zeitaufwand: Mit Gassigehen, Füttern und Spielen: mindestens 1,5 bis 2 Stunden
Quelle: Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung





