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Sie scheitzt sich nix

Sie blödelt gern, macht ihren Namen zum Programm und fällt vor David Garrett in Ohnmacht: TV-Lady Verena Scheitz hat viele Seiten – im Sommer ist sie bei den Seefestspielen Mörbisch zu sehen.


Foto: Nadja Meister

In hellstem Mezzosopran trällert Verena Scheitz „Ave Maria“, begleitet sich selbst am Klavier dazu. Sie singt immer lauter, doch gegen das Gebelle von Poldi und Brösel kommt sie nicht an. „Ruhe!“, schreit sie ihre beiden Dackel an: Poldi, auch Wirtshaus genannt, weil sie ihn aus einem ebensolchen mitgenommen hat, schwer erziehbarer Rauhaar­dackel, und Brösel, eine ungarische Zwergdackeldame. Die beiden setzen sich erst mal bellend und wedelnd beim Besuch von GESUND&LEBEN in Szene – doch Ruhe herrscht erst, als Verena Scheitz aufhört zu singen und mit den beiden im Garten des Hietzinger Biedermeierhauses herumtobt. In diesem Haus ist sie aufgewachsen, hier wohnen ihre Eltern und ihre Schwester – früher auch ihre Großeltern. „Ich mag diese Art von Generationenhaus“, sagt sie, „das funktioniert aber nur so gut, weil sich alle vertragen.“ Sogar die Hunde mögen sich, meistens zumindest, insgesamt sechs leben im Haus, nur Poldi fängt ab und zu eine Rauferei an – „ein richtiger Wirtshaushund eben“.

Humorvoll & g’spaßig

Die meisten kennen Verena Scheitz nicht singend, sondern redend – als charmante Moderatorin der ORF-Sendung „heute leben“. Doch die gebürtige Wienerin (43) hat noch viele andere Seiten: Nach der Matura absolvierte sie die Schauspiel- und Gesangsausbildung am Konservatorium der Stadt Wien, danach das Studium der Rechtswissenschaften. Das eine kreativ, das andere trocken – wie passt das zusammen? „Ich wollte auch was G’scheites machen. Und Jus wird interessanter, wenn man die Systematik verstanden hat, das Gelernte praktisch anwenden kann“, schwärmt die Juristin. Fast wäre sie nach dem Gerichtsjahr dabei geblieben, aber dann kam die Bühne dazwischen. „Ich habe sehr gerne Publikum vor mir“, sagt sie. Und in der Unterhaltungsbranche schauen einem eben mehr Menschen zu als im Gerichtssaal. Nach Musical- und Theaterengagements in Deutschland und Österreich war sie einige Jahre Mitglied der Kabarettgruppe „Heilbutt und Rosen“, danach als Damentrio mit Simpson und Paschke auf den Kabarettbühnen Österreichs zu sehen. Vor über zehn Jahren dann der erste Schritt in Richtung Fernsehen mit Rollen in „Novotny und Maroudi“, „Wir sind
Kaiser“ und anderen Comedy-Formaten. Verena Scheitz ist selber sehr humorvoll, „Humor nimmt allem die Schwere“ – das g’spaßige Genre liegt ihr eindeutig.

Fixplatz im TV

Nach Gastmoderationen der täglichen TV-Illustrierten „Willkommen Österreich“ und „Jahreszeit“ hat Verena Scheitz seit einigen Jahren einen Fixplatz in Österreichs Wohnzimmern, führt am Vorabend abwechselnd mit Wolfram Pirchner durch die ORF-Sendung „heute leben“. Charmant und locker interviewt die Allrounderin nationale und internationale Gäste aus Kunst und Kultur, bereitet mit Gastköchen köstliche Gerichte zu, gibt den Telefonkandidaten dezente Hinweise bei Gewinnspielen – und sorgt oft wegen ihrer schlagfertigen Reaktionen für spontane Lacher. Ab und zu kann sie sogar ihr Jusstudium einsetzen: „In der Rechtsrubrik hilft es mir bei der Vorbereitung.“ Und praktisch: Von einigen Gästen kann sie selber profitieren, wie etwa vom Hundeflüsterer, der ihrem widerborstigen Rauhaardackel ein gewisses Maß an Manieren beigebracht hat. „Er knurrt zumindest nicht mehr jeden Besucher an.“

Kein Lampenfieber

Lampenfieber hat sie nach zig Live-Sendungen mittlerweile nicht mehr: „Am Anfang meiner Moderationstätigkeit war alles noch aufregend und höchst ungewohnt, respekteinflößend. Mittlerweile habe ich Routine drin, es ist sehr interessant und macht großen Spaß. Der Job erfordert auf jeden Fall hohe Konzentration.“ All ihre Moderationen absolviert Verena Scheitz mit einem Augenzwinkern, „man sollte sich selber nicht zu ernst nehmen“, wirkt immer gut gelaunt, souverän und authentisch. Auch beim einen oder anderen Hoppala – für viele Zuseherinnen und Zuseher das Highlight einer Live-Sendung. Ihre bisher absurdeste TV-Situation war wohl eine, in die sie sich selbst gebracht hat: Vom deutschen Stargeiger David Garrett wollte sie wissen, wie er sich denn fühlt, wenn seine – vor allem weiblichen – Fans bei seinen Konzerten reihenweise in Ohnmacht fallen. „Als er das Studio betrat, ließ ich mich einfach hinfallen. Aber er ist nur rumgestanden und hat mich liegen lassen.“ Ein skurriler TV-Moment für die Ewigkeit.
Verena Scheitz ist sowieso eine, die auf strikte Benimmregeln pfeift: „Gutes Benehmen kommt von Herzen, nicht von der Etikette.“ Sie scheitzt sich eben nix. So heißt übrigens auch ihr erstes Solo-Kabarettprogramm: „Scheitz dir nix“. Politisch völlig unkorrekt erfährt das Publikum Highlights aus ihrer Karriere als Fernsehmoderatorin oder aus ihrer kurzen Karriere als Juristin. Einmal gibt’s noch die Möglichkeit, das Programm live zu sehen: Am 20. August in Mörbisch. Dort, auf der Seebühne, ist sie übrigens auch den ganzen Sommer zu bewundern: In der Operette „Eine Nacht in Venedig“ tritt sie in die Rolle der Agricola, Barbaruccios Frau, der von Joesi Prokopetz gespielt wird. Noch ein dritter Kabarettist ist mit dabei: Otto Jaus. Ein spannendes Ensemble, das vergnügliche Stunden verspricht. Premiere ist am 9. Juli, Verena Scheitz ist bereits im Dauereinsatz zwischen Proben und TV-Auftritten.

Beobachten & reflektieren

Wie hält sich Verena Scheitz fit, um das alles zu bewältigen? „Zurzeit sportle ich zu wenig, weil ich zu wenig Zeit habe“, bedauert sie. Ansonsten ist sie viel im Freien, geht joggen, schwimmen, radeln, im Winter Schi fahren und ins Fitnessstudio. „Eine Stunde Bewegung pro Tag sollte es schon sein, das tut auch meiner Seele gut. Aber momentan ist das leider auf die morgendliche Gassi-Runde mit den Dackeln beschränkt.“ Zeitunglesen für Hunde nennt sie das: „Poldi und Brösel können so erschnüffeln, was sich am Vorabend getan hat, wer in der Gegend war, ob es einen neuen Hund in der Nachbarschaft gibt und wer läufig ist. Beim Gassigehen erfahren sie allerlei Neuigkeiten.“ Genau wie ihre Dackel beobachtet auch das Frauerl ihre Umgebung, reflektiert viel über sich und andere: „Dadurch kommt man schließlich zu den besten Pointen.“ Von ihrem nächsten Kabarettprogramm hat sie bereits vage Vorstellungen, es wird sich rund um Diäten und die Lebensmittel­industrie drehen. Der Titel steht schon fest: „Iss was Scheitz“. Ihr Name ist wieder Programm.
In welcher Rolle fühlt sie sich eigentlich am wohlsten? Als Moderatorin, Kabarettistin, Schauspielerin, Sängerin oder vielleicht doch als Juristin? „Ich liebe die Mischung meiner Berufe. Je nach Tagesverfassung macht mir immer was anderes Spaß.“ Fad wird ihr beruflich also nicht. Und wie schaut’s im Privatleben aus? Fragen dazu beantwortet sie ungern – nur so viel: Sie lebt in einer Partnerschaft, Kinder gehörten bisher nicht zur Lebensplanung, „und schön langsam wird’s auch ein bisschen knapp“, meint sie – und mahnt Wirtshaushund Poldi wieder zur Ruhe.

Steckbrief Mag. Verena Scheitz

geboren am 14. Dezember 1971, lebt in Wien-Hietzing
Kindheit: viel bei den Großmüttern am Semmering, hat eine Schwester (Ärztin)
Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften, Schauspiel- und Gesangsausbildung am Konservatorium der Stadt Wien, ist Dackelnärrin und sprachbegabt (Englisch, Französisch, Russisch, Norwegisch, Italienisch)
Hobbys: Klavier spielen, Lesen, Skifahren, Tennis, Reiten
Lieblingsautor: Michael Köhlmeier
Lieblingsschauspieler, -schauspielerin: Jeremy Irons, Vanessa Redgrave
Lieblingskabarettist: Otto Jaus
Spleen: sammelt Schweinchen- und Eselfiguren
Wunsch an die Zukunft: das Gute bleibt, das Schlechte geht
Informationen: www.verenascheitz.at