Schutzschild & Seelenspiegel
Die Haut schützt uns auf vielfache Art und Weise – und sie braucht unsere Fürsorge und unseren Schutz. Denn sie ist zwar unglaublich stabil, kann aber auch ziemlich sensibel reagieren.
Unsere Haut ist mit einer Fläche von etwa 2 m2 unser größtes Organ – und ein sehr komplexes und wichtiges: Die Haut bildet den Kontakt zur Umwelt – und schützt uns vor ihr. Sie schafft eine mechanische, physikalische und biologische Barriere und verhindert den Verlust wichtiger Körperflüssigkeiten. „Sie schützt uns aber auch durch das ständige Abschuppen und Erneuern, wodurch sich eingelagerte Stoffe teilweise wieder eliminieren lassen“, erklärt Dr. Daniela Mairhofer, Oberärztin an der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten im Landesklinikum St. Pölten.
In der obersten Hornschicht speichert die gesunde Haut Feuchtigkeit. Auch die Thermoregulation und somit Anpassung der Körpertemperatur ist eine essentielle Funktion unseres größten Organs. Und die Haut dient uns auch als mikrobieller Schutzschild: Eine physiologische, die Haut besiedelnde Keimflora verhindert die Besiedelung mit krankmachenden Keimen. „Enzyme werden gebildet, um Fette zu spalten, und das Sebum, den Talg der Haut, abzubauen. Durch die enzymatische Aktivität entstehen Fettsäuren, die unter anderem dazu beitragen, den schützenden sauren pH-Wert der Hautoberfläche zu erhalten oder bakterientötend oder bakterienhemmend zu wirken“, erklärt Mairhofer.
Sonnenstrahlen sind Faltenmacher
Unsere Haut kann sich durch verschiedene Mechanismen vor den Strahlen der Sonne schützen: durch die Dicke der obersten Hautschicht, durch die Fähigkeit, das Hautpigment Melanin zu bilden und durch chemische Reaktionen zur Bekämpfung des oxidativen Stresses. Bekommt die Haut zu viel an UV-Strahlung, können die Kontrollmechanismen der Melaninbildung aus dem Gleichgewicht geraten und die Zellen geschädigt werden.
Vorsicht: Kurzfristige übermäßige Sonnenexposition, also ein Sonnenbrand, schädigt die Zellen schon, bevor die Haut mit einer Rötung reagieren kann. „Ein Sonnenbrand bedeutet bereits eine Schädigung, und ist kein Warnsignal“, betont Dermatologin Mairhofer.
Unterschätzt werde auch die Tatsache, dass man im Laufe des Lebens eine erhebliche UV-Dosis abbekommt, abhängig von Beruf und Freizeitverhalten; aber auch Fenstergläser und Textilien lassen UV-Strahlung durch. Und ein bewölkter Himmel schützt uns nur bedingt vor UV-Strahlung. Die Oberärztin rät zu einem sehr bewussten Umgang mit der Sonne: „Sowohl dunkler als auch heller Hautkrebs gehen mit erhöhter UV-Exposition einher. Und die vorzeitige Hautalterung hängt direkt mit der UV-Dosis zusammen.“ Zum Glück, findet Mairhofer, verändert sich das aktuelle Schönheitsideal – weg von der topgebräunten Haut. Und sie rät, die direkte Mittagssonne und Sonnenbäder generell zu vermeiden und konsequent Lichtschutzpräparate zu verwenden, die die Haut schützen vor den kurzwelligeren UVB-Strahlen, hauptverantwortlich für den Sonnenbrand, und vor dem UVA-Bereich, der tiefer eindringt und damit wesentlich zum chronischen Lichtschaden der Haut beiträgt.
Zwei Gründe und vier Stufen
Die Haut altert aus verschiedenen Gründen:
- Es gibt die sogenannte intrinsische, genetisch vorprogrammierte Hautalterung: Die Haut wird dünner, erschlafft, es entstehen Falten, die Haut leidet unter Fettmangel und unregelmäßigen Pigmentierungen.
- Dazu kommt noch die extrinsische, die umweltbedingte Alterung durch lebenslange UV-Bestrahlung, eine Rolle spielen dabei aber auch Klima, berufliche Tätigkeit und Freizeitverhalten, Gesichtsmimik, Lebensstil und tägliche Hautpflege.
Der Alterungsprozess wird in 4 Stufen eingeteilt, erklärt Dermatologin Mairhofer, wobei
- die erste Stufe um das 30. Lebensjahr mit wenigen Fältchen beginnt und
- eine moderate Veränderung mit verstärkten Mimikfalten um Mitte 30 bis 50 sichtbar wird.
- Eine fortgeschrittene Hautalterung entsteht bis zum 65. Lebensjahr – mit dauerhafteren Falten, chronischen Lichtschäden und Erschlaffung, unregelmäßiger Pigmentierung und Ausdünnung der Haut.
- Ab dem 60. Lebensjahr kommen ausgeprägte bleibende mimische und lichtbedingte Falten hinzu, dazu Vorstufen von hellem Hautkrebs, ein zunehmend fleckiges Bild der Haut – und sie wird noch dünner.
Warum bekommen wir Falten?
Differenziert sieht Mairhofer das gesellschaftliche Idealbild einer am besten faltenfreien, alterslosen Haut mit einem möglichst lange hinausgezögerten Alterungsprozesses: Der Wunsch nach einem frischeren Aussehen sei für sie persönlich durchaus nachvollziehbar. Und die ästhetische Dermatologie biete gute Möglichkeiten, ein wenig in die Trickkiste zu greifen. „Falten können das persönliche Erscheinungsbild sehr prägen. In positiver Weise, wenn Lachfalten ein sympathisches Erscheinungsbild geradezu ergänzen, andererseits negativ wie eine ausgeprägte Zornesfalte, die ungewollt und durch eigene Anstrengung unbeeinflussbar eine angespannte Ausstrahlung vermittelt.“
Um die natürliche Hautalterung möglichst lang hinauszuzögern, empfiehlt Mairhofer einen konsequenten Sonnenschutz inklusive das Tragen von Sonnenbrillen, regelmäßige qualitativ hochwertige Hautpflege auf der Basis guter Beratung sowie einen gesunden Lebensstil: ausreichend Schlaf, regelmäßig Sport und das Meiden von Nikotin und übermäßigem Alkoholgenuss.
Die Haut als Spiegel der Seele – diese Vorstellung möchte die erfahrene Hautärztin differenziert betrachtet wissen: „Nicht jede Hauterkrankung hat eine seelische Ursache. Nicht jeder Aknepatient hat eine zerrüttete Seele, die sich hier spiegelt.“ Schuppenflechte-Patienten haben eine erblich veranlagte Neigung, die durch einige nur teilweise bekannte Faktoren wie Infektionen oder Medikamente zu Tage tritt. Und das Spektrum der Hauterkrankungen und ihrer Ursachen sei äußerst vielfältig. „Natürlich können Zeiten, in denen die Seele ‚schreit‘, auch an der Haut sichtbar werden. Schließlich sind dies situationsbedingt meist Zeiten von weniger Schlaf und einem weniger ausgeglichenen Lebensstil.“
Trotzdem ist es für Oberärztin Mairhofer sehr wichtig, die psychische Situation der Patienten bei einer Hauterkrankung miteinzubeziehen. Und sie weiß: „Eine ‚stimmige Seele‘ ist hilfreich und wichtig, um über eine gesunde Haut eine positive, lebensbejahende und somit attraktive Ausstrahlung zu
vermitteln.“
OÄ Dr. Daniela Mairhofer, Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten im
LK St. Pölten
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