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Rauchstopp: Bleiben Sie dran!

Dranbleiben ist das Wichtigste, wenn man aufhören will zu rauchen. Mit anderen zusammen geht das oft leichter. Deshalb bietet die NÖGKK das Gruppenprogramm „Rauchfrei in 5 Wochen“ an.


FOTO: fotolia

Vom Rauchfrei Telefon und den erfolgreichen Einzelberatungen der dort tätigen, speziell ausgebildeten Psychologinnen haben Sie sicher schon gehört. Doch vielleicht ist der „Alleingang“ in Sachen Nikotinentwöhnung nicht ganz das Ihrige, weil Sie die Zusatzmotivation durch andere Gleichgesinnte bräuchten, weil Sie die Gruppendynamik bei solchen Prozessen schätzen oder weil Sie Aufgaben ganz einfach gerne mit anderen zusammen angehen. Dann ist das Programm „Rauchfrei in 5 Wochen“, das die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK) neben dem Serviceangebot des Rauchfrei Telefons anbietet, wahrscheinlich das Richtige für Sie.

Sie wünschen, wir spielen

„Tatsächlich ist nach wissenschaftlicher Analyse zwar die Einzelberatung zur Unterstützung beim Rauchstopp etwas erfolgreicher, aber immer mehr Menschen wünschen sich, ihre Rauchentwöhnung in der Gruppe durchführen zu können – und diesem Wunsch sind wir nachgekommen“, sagt die Organisatorin des Programms, Mag. Andrea Büttner, Klinische und Gesundheitspsychologin. Büttner und ihre ebenfalls speziell in der Tabakentwöhnung ausgebildeten Kolleginnen halten zu Beginn die Vorträge bei den Auftaktveranstaltungen zu den Kursen mit je fünf Einheiten. Dabei werden umfassende Informationen zu Themen wie Tabakabhängigkeit, die Wirkung von Nikotin im Körper oder zu den großen Vorteilen des Nichtrauchens gegeben. Andrea Büttner berichtet, dass nicht wenige Entwöhnungswillige ihren Rauchstopp bereits nach diesem Vortrag setzen und das gesamte Programm dann nur zur Festigung mitmachen.

Umfassende Analysen

Wenn Ihnen das zu schnell geht – kein Problem! Denn auf Ihre individuellen Bedürfnisse wird bei „Rauchfrei in 5 Wochen“ jedenfalls eingegangen, und das schon bei der umfassenden Anamnese, bei der ein eindeutiges Bild Ihres Rauchverhaltens entsteht, die Gründe für Ihren Griff zur Zigarette genau analysiert werden und auch Ihre körperliche Abhängigkeit mittels des Fagerström-Tests erhoben wird.
„Im nächsten Schritt geht es dann darum, die Motivation für den Rauchstopp zu analysieren und sie zu festigen“, erklärt Büttner. „Hier werden die individuellen Vorteile des Nichtrauchens herausgearbeitet, doch auch auf die scheinbaren Vorteile des Weiterrauchens eingegangen. Denn in der Tat ist die Angelegenheit für viele Entwöhnungswillige eine ambivalente, und auch das berücksichtigen und besprechen wir natürlich.“

Den Schlussstrich ziehen

Bei „Rauchfrei in 5 Wochen“ wird übrigens nach der sogenannten Schlusspunktmethode gearbeitet. Das bedeutet, dass man – mit der richtigen Vorbereitung und entsprechender Unterstützung – von einem Tag auf den anderen gänzlich aufhört zu rauchen. „Aus wissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass diese Methode die erfolgreichste ist“, sagt Andrea Büttner. „Es geht ganz klar um Abstinenz, denn jede einzelne Zigarette schädigt den Körper. Zudem wissen wir, dass Menschen, die ihren Tabakkonsum nur reduzieren, noch mehr Aufmerksamkeit auf jede Zigarette, die sie dann rauchen, richten und ihr somit mehr Bedeutung zumessen als je zuvor.“

Die Liste der Vorteile

Wer sich hingegen entschließt, sein Laster sein zu lassen, wird sehr rasch spüren, welch positive Auswirkungen das auf Körper, Geist und Geldbörse hat. „Viele berichten, wie sie mit einem Mal wieder ohne Atemprobleme die Stiegen hochkommen, andere schwärmen von mehr Kondition beim Sport, schönerer Haut, mehr Genuss beim Schmecken und Riechen – die Liste der Vorteile ist ziemlich lang“, weiß die erfahrene Psychologin. Was „Rauchfrei in 5 Tagen“ noch bietet, sind regelmäßige Kohlenmonoxid-Messungen, bei denen jeder aus der Atemluft messen kann, wie viel Kohlenmonoxid er oder sie im Blut hat und welche gesundheitsschädigende Wirkung das hat.
„Gemessen wird am ersten und am letzten Kurstag sowie nach dem Rauchstopp, und das hat zu Beginn oft schockierende, nach dem Rauchstopp aber äußerst motivierende und stärkende Wirkung“, erklärt Büttner.

Erfolgsrate verdreifacht

Tatsächlich geht es bei diesem Programm auf vielen Linien um Verhaltensänderung. Das zeigt etwa auch die Arbeit mit dem Rauchprotokoll, das jeder Kursteilnehmer zu Beginn führen soll. Dabei geht es darum, vor jeder Zigarette, die man – noch – raucht, zu notieren, warum, wo und in welcher Situation man sie raucht und welche Wichtigkeit man ihr zuschreibt. „Dieses Protokoll ist für die meisten sehr aufschlussreich und bildet oft den Ausgangspunkt für eine gute Motivation zum Rauchstopp“, betont Andrea Büttner. Sie verweist auch auf Folgendes: „Der Versuch, allein einen Rauchstopp durchzuführen, führt leider selten zum gewünschten Erfolg. Mit gezielter Beratung und Begleitung kann man die Erfolgsrate stark anheben.“

Stolpersteine?

Was Sie aus Letzterem vielleicht auch herausgelesen haben, ist, dass es gar nicht so einfach ist, das Laster Nikotin aufzugeben. Das wissen auch die Klinischen- und Gesundheitspsychologinnen, die mit Entwöhnungswilligen arbeiten. Deshalb bietet man nach Ablauf des Programms „Rauchfrei in 5 Wochen“ eine Nachbetreuung durch das Rauchfrei Telefon an. Die Kursteilnehmenden werden nach einer gewissen Zeit von den Expertinnen der Serviceeinrichtung kontaktiert, und sie fragen nach, wie es geht und wo etwaige Schwierigkeiten liegen.
„Diese Probleme, die im Nachhinein auftreten, sind naturgemäß individuell ganz unterschiedlich. Viele haben etwa Sorge, weil sie zugenommen haben“, sagt Büttner. „Tatsächlich regt Nikotin den Stoffwechsel an, und wenn der regelmäßige Konsum dieser Substanz wegfällt, ohne dass man gegensteuert, kommt es im Schnitt zu einer Gewichtszunahme von zwei bis vier Kilogramm.“
Dem lässt sich aber entgegenwirken, zum Beispiel mit vermehrter Bewegung, reichlich Flüssigkeitszufuhr, die ebenfalls den Stoffwechsel anregt, oder dem Konsum von Vollkornprodukten zum Frühstück, der spätere Heißhungerattacken hintanhält.
Ein anderes Problem, das bei vielen nach etwa zwei bis vier Monaten auftritt, ist die „Versuchung“, nur noch ein Mal eine Zigarette zu rauchen, um sich selbst zu beweisen, dass man sie nicht mehr braucht. Viele frisch gebackene Abstinenzler fühlen sich zu diesem Zeitpunkt sicher und glauben, die Sache im Griff zu haben, doch die Erfahrung spricht eine andere Sprache, warnt Büttner: „Leider reicht ein einziger Zug oft aus, um rückfällig zu werden. Wir empfehlen daher, bei einem solchen ‚Aus­rutscher‘ sofort beim Rauchfrei Telefon anzurufen und sich Unterstützung zu holen.“

Wie eine Bergbesteigung

Das Unternehmen Rauchstopp erfordert offensichtlich für die meisten Unterstützung. Die Expertinnen vergleichen es mitunter mit einer Berg­besteigung, für die man gut vorbereitet sein sollte, sich Begleitung organisieren kann, die einzelnen Schritte aber naturgemäß selbst setzen muss. Die Kombination aus Gruppenberatung und nachfolgender Einzelunterstützung, die die NÖGKK bei „Rauchfrei in 5 Wochen“ anbietet, erweist sich in dieser Hinsicht als äußerst erfolgreich. Auch das Feedback der Teilnehmenden ist ausgesprochen positiv: Hervorgehoben wird insbesondere die Neuheit und Aktualität der vermittelten Informationen, die Effizienz der Methoden, die angewendet werden, oder die gute Integrierbarkeit der Expertinnentipps in den Alltag.
Büttners Resümee: „Dranbleiben ist das Wichtigste. Und: Beim Rauchstopp kann man nichts verlieren, sondern nur gewinnen.“

Weitere ausführliche Informationen zum Thema Rauchstopp finden Sie unter www.rauchfrei.at

„Rauchfrei in 5 Wochen“   

Seit 2013 kann man das Programm gegen den geringen Selbstbehalt von 25 Euro in allen 21 Servicecenterstellen der NÖGKK in Anspruch nehmen. Das Angebot gilt für alle Erwachsenen ab 18 Jahren, die bei der NÖGKK, der BVA, SVA oder SVB versichert sind, und enthält unter anderem ein ausführliches Erstgespräch, regelmäßige Kohlenmonoxidmessungen sowie individuelle Beratung zur Unterstützung beim Rauchstopp.

Ihr Körper wird es Ihnen danken!  

Der Rauchstopp zahlt sich immer aus! Bereits 20 Minuten nach der letzten Zigarette machen sich die ersten körperlichen Verbesserungen bemerkbar.

Nach 20 Minuten: Der Blutdruck sinkt nahezu auf einen Wert wie vor der letzten Zigarette. Die Temperatur in Händen und Füßen steigt wieder auf normale Werte.
Nach 8 Stunden: Der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut sinkt auf normale Werte.
Nach 24 Stunden: Das Risiko von Herzanfällen verringert sich.
Nach 2 Wochen bis 3 Monaten: Die Kreislaufsituation und die Lungenfunktion verbessern sich.
Nach 1 bis 9 Monaten: Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen, Müdigkeit und Kurzatmigkeit gehen zurück. Die Flimmerhärchen der Atemwege gewinnen wieder ihre Reinigungsfähigkeit, so dass eine normale Lungenfunktion erreicht wird. Die Infektanfälligkeit wird vermindert.
Nach 1 Jahr: Das erhöhte Risiko einer koronaren Herzkrankheit sinkt auf die Hälfte des Risikos eines Rauchers.
Nach 5 Jahren: 
Das Schlaganfallrisiko ist nur noch halb so groß wie bei Rauchern.
Nach 10 Jahren: Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, verringert sich fast um die Hälfte. Das Risiko einer Krebs­erkrankung in der Mundhöhle, Luftröhre, Speiseröhre, Harnblase, in den Nieren und in der Bauchspeicheldrüse sinkt.
Nach 15 Jahren: Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit ist das von lebenslangen Nichtrauchern.
Quelle: American Cancer Society