Rauch bleibt Rauch
Immer mehr Jugendliche treffen sich abends in der Shisha-Lounge und rauchen gemeinsam Wasserpfeife. Doch das Gerücht, dass diese gesünder sind als Zigaretten, ist falsch.
Mein Kaffee schmeckt mir nicht, wenn ich keine Zigarette dazu rauche. Ich brauche eine Zigarette zum „Herunterkommen“, nachdem ich mich aufgeregt habe. Wenn ich Stress habe, muss ich rauchen. Wenn ich mit dem Staubsaugen fertig bin, gönne ich mir zur Belohnung einen Glimmstängel. – Kennen Sie das? Dann sind Sie einer von mehr als einer Milliarde Rauchern auf der Welt. Vielleicht können Sie sich sogar noch an Ihre Beweggründe erinnern, damit begonnen zu haben. Damals wussten Sie vielleicht noch nicht, wie gesundheitsschädlich es eigentlich ist.
Gefahr
Heute sind wir aufgeklärter. Jedes Kind weiß, wie gefährlich Nikotin für unseren Körper sein kann. Dennoch geht ein solcher Reiz davon aus, dass schon Jugendliche bewusst Lungenkrebs, Blasenkrebs, Krebs im HNO-Bereich oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Kauf nehmen. Die Einstellung „Mir wird schon nichts passieren“ legen sie mit zunehmendem Alter zwar ab, doch dann ist die Sucht meist bereits so stark, dass sie es nicht schaffen, aufzuhören. Alle sechs Sekunden stirbt ein Raucher an den Folgen dieses Nikotinkonsums. Sechs Millionen Menschen pro Jahr. Zigaretten fordern mehr Todesopfer als HIV, Malaria und Tuberkulose zusammen. Da unsere Kinder bereits mit diesem negativen Image der Zigarette aufwachsen und wissen, dass man in Einkaufszentren oder öffentlichen Gebäuden nur an bestimmten Plätzen rauchen darf, hat die Industrie aus Sorge um niedrigere Verkaufszahlen reagiert. Heute können Jugendliche als Alternative auf E-Zigaretten und Shishas zurückgreifen. Doch sind diese tatsächlich weniger gefährlich?
Geschmack
Shishas sind orientalische Wasserpfeifen, bei denen der Rauch durch ein mit Wasser gefülltes Gefäß gezogen und dann durch einen Schlauch inhaliert wird. Der Wasserpfeifentabak ist viel feuchter als der normaler Zigaretten, da er aus Rohtabak, Melasse und Glycerin besteht. Oft werden Aromen beigemischt, die den Tabakgeschmack reduzieren. Mango, Vanille, Karamell, Cola und sogar Biergeschmack werden angeboten. Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems, erklärt: „Da sich beim Rauchen das Wasser der Shisha durch den Teer gelb färbt, wird oft angenommen, dass das Wasser die schädlichen Bestandteile des Rauchs herausfiltert. Das ist jedoch ein Irrtum.“
Die eigentliche Wirkung des Wassers bestehe darin, den Rauch deutlich abzukühlen. Dadurch könne man im Vergleich zu Zigaretten pro Zug zehn Mal mehr Rauch inhalieren, ohne husten zu müssen. Zusätzlich werde der Shisharauch durch das Abkühlen auch viel tiefer inhaliert. Eine Wasserpfeife gibt die gleiche Menge an Nikotin ab wie Zigaretten. Man inhaliert aber ein größeres Volumen an Rauch und somit auch mehr Nikotin, etwa zehn Mal mehr Kohlenmonoxid und fast die zwanzigfache Menge an Teer einer einzelnen Zigarette. Außerdem enthält der Shisharauch Schadstoffe wie Arsen, Chrom und Nickel. Schadstoffe wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und tabakspezifische Nitrosamine können zu Lungenkrebs und Tumoren an den Lippen führen. „Außerdem ließen sich nach langjähriger Verwendung von Wasserpfeifen Verschlechterungen der Lungenfunktion nachweisen“, sagt Errhalt.
Gruppenaktivität
Das Rauchen in einer Shisha-Bar ist meist auch eine gesellschaftliche Aktivität: Man trifft sich am Abend nicht mehr bloß auf ein Bier oder einen Cocktail, sondern um Wasserpfeife zu rauchen. Errhalt steht dieser Entwicklung kritisch gegenüber: „Nikotin kann süchtig machen, unabhängig von der Form, in der es konsumiert wird. Gerade für Jugendliche macht der aromatisierte Tabak die Shisha zu einer ‚schmackhaften‘ Einstiegsdroge. Durch das Teilen der Mundstücke können sich Raucher außerdem mit Hepatitis C, Tuberkulose und Herpes anstecken.“
Jugendschutz
E-Zigaretten ohne Nikotin werden oft auch als „E-Shishas“ vermarktet. Das Problem daran: Sie sehen aus wie Stifte, kommen oft in bunten Farben daher und enthalten Geschmacksaromen wie Apfel oder Erdbeere. Das macht sie vor allem für Kinder interessant. Viele der Inhaltsstoffe sind noch nicht ausreichend erforscht, deshalb raten Mediziner, die Finger davon zu lassen.
In der Politik hat man auf diese Erkenntnisse reagiert. In Niederösterreich wird das Rauchen von Shishas oder E-Zigaretten im kommenden Jahr für Jugendliche unter 16 Jahren verboten sein. Lungenarzt Errhalt begrüßt diese Entscheidung: „Für Shishas sollte es die gleichen Warnungen wie auf den Zigarettenpackungen geben.“ Speziell warnt er Frauen davor, Shishas als „gesündere“ Alternative zu Zigaretten während der Schwangerschaft zu verstehen. Nikotin bleibt ein gefährliches Nervengift, egal ob man es aus einer Shisha oder einer Zigarette inhaliert.
Aufhören
Die beste Wahl aus gesundheitlicher Sicht ist, das Rauchen völlig sein zu lassen. Begleitete Verhaltenstherapie in Form von Gruppen ist dafür die wirksamste Methode. Aber auch hier schaffen nur 30 Prozent der starken Raucher den Absprung für immer. Nikotinpflaster und -kaugummis können zwar helfen, aber eine Behandlung nicht ersetzen. Im Alter motivieren oft die körperlichen Schäden, die die Sucht verursacht hat, zum Aufhören. Doch will man es wirklich soweit kommen lassen?
Prim. Assoc. Prof. Dr. Peter Errhalt, Leiter der Klinischen Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Krems
Endlich aufhören!
Die NÖ Gebietskrankenkasse unterstützt Raucherinnen und Raucher, die ihre Sucht bekämpfen wollen, mit unterschiedlichen Programmen (www.noegkk.at):
- „Rauchfrei in 5 Wochen“: fünfwöchiges Raucherentwöhnungsprogramm. Experten in der Raucherentwöhnung beraten und begleiten Sie auf Ihrem Weg in die Rauchfreiheit. Tel.: 050 899 62 02
- „Rauchfrei Telefon“: Telefonische Unterstützung und Raucherberatung erhalten Sie von Montag bis Freitag (10:00–18:00 Uhr) unter der kostenfreien Nummer 0800 810 013.
- „Rauchfrei App“: Unterstützt Sie mit persönlich abgestimmten Hilfsmitteln und motivierenden Benachrichtigungen dabei, Ihren Rauchstopp vorzubereiten, umzusetzen und auch rauchfrei zu bleiben. www.rauchfreiapp.at
- „Rauchfrei per Mausklick“: Diese Möglichkeit bietet das interaktive Entwöhnprogramm „Endlich aufatmen“. Das Online-Programm begleitet Sie Schritt für Schritt in ein rauchfreies Leben. www.endlich-aufatmen.at





