< vorhergehender Beitrag

Qualitätvoll lernen

Die NÖ Kliniken bemühen sich um beste Ausbildung und Lernbedingungen – am Beispiel von zwei Jungärztinnen aus dem Landesklinikum Scheibbs.


(v.l.) Assistenzärztin Dr. Eveline Preu und Turnusärztin Dr. Nina Schweiger schätzen die hervorragende Lernsituation im Landesklinikum Scheibbs. FOTO: Gerald Lechner

Landesklinikum Scheibbs
Eisenwurzenstraße 26
3270 Scheibbs
Tel.: 07482/9004-0
www.scheibbs.lknoe.at

Dr. Eveline Preu kennt den Klinikbetrieb in- und auswendig, war nach ihrem Medizinstudium jahrelang in ihrem Zweitberuf als Hebamme tätig. Irgendwann kam der Wunsch, doch als Ärztin zu arbeiten; daher absolviert die 40-Jährige derzeit ihre Facharztausbildung zur Gynäkologin im Landesklinikum Scheibbs. Eveline Preus Herz schlägt für die Frauenheilkunde: „Es ist für mich das schönste Fach, weil Schwangerschaft und Geburt einfach zu den größten Wundern gehören.“ Die Ärztin weiß, wovon sie spricht, ist selbst Mutter von vier Kindern (17, 12, 7, 5 Jahre). Der Berufswunsch Gynäkologin stand von Anfang an fest, daher startete sie ihre ärztliche Laufbahn sofort mit den für die Facharztausbildung benötigten Gegenfächern und verzichtete auf die volle Turnuszeit – dies ist in einigen Kliniken bereits schon jetzt möglich; ab nächstem Jahr gilt dann die neue Ärzteausbildung, die in diese Richtung geht (siehe Kasten Seite 08). Eveline Preu ist nun Assistenzärztin an der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und kann dazu als Hebamme bereits auf profundes Wissen und reichlich Erfahrung zurückgreifen. Bis sie fertige Gynäkologin ist, wird es noch viereinhalb Jahre dauern.

Verfechterin des Turnus

Ganz anders bei Dr. Nina Schweiger. Die 27-Jährige beendete im Juli 2012 das Medizinstudium und begann zwei Monate später als Turnusärztin im Landesklinikum Scheibbs. Sie ist eine eifrige Verfechterin des Turnus, wird alle 36 Monate absolvieren: „Für mich ist der Turnus der Grundstock, eine gute Ausbildung in vielen Fächern. Ich bekomme ein fundiertes Grundwissen, auf dem ich aufbauen kann.“ Ob sie danach als Allgemeinmedizinerin arbeiten wird oder eine Facharztausbildung macht, ist noch offen. Bis August nächsten Jahres dauert ihre Turnuszeit, bis dahin wird sie in weitere Abteilungen hineinschnuppern, Erfahrungen sammeln und Neues lernen. Bis Ende November arbeitet die Turnusärztin noch auf der gynäkologischen Abteilung. „Hier gefällt es mir sehr, aber jede Abteilung hat ihren eigenen Reiz.“
Die Ärzteausbildung ist derzeit im Umbruch: Ab Juni 2015 wird der Turnus für alle neuen  Medizinerinnen und Mediziner abgeschafft. Die frisch promovierten Ärzte sollen ab dann nach neuem Schema qualifiziert werden: Nach einer neunmonatigen Basisausbildung entscheiden sie, ob sie eine allgemeinärztliche oder fachärztliche Ausbildung anstreben (siehe Kasten Seite 08). Ebenfalls im Nationalrat beschlossen wurde die Reform der Arbeitszeit für Spitalsärzte: Sie soll ab 2015 in Etappen sinken, von jetzt oft mehr als 70 Stunden auf 48 Stunden pro Woche. Ab 2015 dürfen Spitalsärzte nur noch mit ihrer Zustimmung maximal 60 Stunden im Dienst sein.

Kind & Karriere

Marathon-Dienste gehören spätestens dann der Geschichte an, sind aber in den NÖ Landeskliniken jetzt schon deutlich seltener als früher, sagt Nina Schweiger: „Wir konnten aus verschiedenen Arbeitszeitmodellen wählen: Ich habe mich fürs Modell 48/60 entschieden, das heißt 48 Stunden durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche, maximal jedoch 60 Stunden. Inkludiert sind fünf verlängerte Dienste über dreizehn Stunden.“ Flexiblere Arbeitszeiten kommen auch der vierfachen Mutter Eveline Preu sehr entgegen, sie nimmt Elternteilzeit in Anspruch, das bedeutet 87,5 Prozent Arbeitsausmaß mit 35 Wochenstunden: „Dieses Modell der Elternteilzeit ermöglicht mir, als Ärztin zu arbeiten. Die fünf verlängerten Dienste pro Monat lassen sich mit Organisation, gutem sozialem Umfeld und Zusammenhalt der Familie leicht bewältigen.“

Hervorragende Ausbildung

Die Qualität der Ausbildung sei hervorragend, betonen die beiden Jungärztinnen: „Die Lernsituation ist sehr gut, es herrscht eine große Bereitschaft seitens der Kollegenschaft zu lehren – angefangen beim Ärztlichen Direktor über die Primar- und Oberärzte bis hin zum Pflegepersonal.“ Sie schätzen die Vorteile, die ein kleines Klinikum wie Scheibbs zu bieten hat, etwa in der fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Dass es in einem kleinen Haus nicht alle Fächer gibt, sehen sie nicht als Nachteil:  „Wir gehen mit den Konsiliarfachärzten mit, fahren in kleineren Fächern wie Dermatologie oder HNO zu Workshops, haben Round Tables, bei denen wir Fallbeispiele besprechen können. So bekommen wir wirklich gute Einblicke. Und für Fächer wie Kinder- und Jugendheilkunde sind wir etwa drei Monate im Landesklinikum Amstetten.“ Nina Schweiger bringt es auf den Punkt: „Häufige Sachen sind häufig, seltene sind selten, egal wie groß das Klinikum ist. Ich will häufige Sachen gut machen und spezielle Sachen erkennen können. In einem Zentrum sehe ich nur mehr spezielle Sachen, weniger alltägliche. Ich will lieber eine Ärztin sein, die einen Blick auf den Patienten wirft und weiß, was ihm fehlt.“

Ärztemangel spürbar

Trotz der guten Lernsituation ist auch in Scheibbs der Ärztemangel spürbar, drei Turnusstellen sind unbesetzt. Das soll sich langfristig ändern, mit der neuen Ausbildung und der Arbeitszeitregelung sollen die Arbeitsbedingungen der Ärzte verbessert und der Beruf in den kommenden Jahren attraktiver werden. Zusätzlich legen das Land Niederösterreich und die NÖ Landeskliniken-Holding von Beginn an besonderen Wert auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung für den Mediziner-Nachwuchs und beste Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (siehe unten).
„Unser gesamter Arbeitsbereich ist derzeit im Umbruch. Tätigkeiten wie Blutabnehmen oder Venflon-Legen übernehmen immer öfter die Pflegepersonen“, sagt Nina Schweiger. Für die Zukunft fänden die Jungärztinnen eine Dokumentationsassistenz hilfreich, wie es sie in einigen Kliniken bereits gibt, damit der Schreibaufwand für die Ärzte geringer wird.

Mit Herz & Empathie

Eveline Preu und Nina Schweiger sind Medizinerinnen mit viel Herz und Empathie. „Es ist ein faszinierender Beruf, weil er das Wissenschaftliche mit dem Sozialen v0erbindet“, sagt Schweiger. „Und es ist ein dankbarer Beruf“, ergänzt Preu, „es kommt sehr viel zurück von den Patienten.“ Natürlich habe man auch oft mit dem Tod zu tun, „doch damit wird man ja schon im Sezierkurs an der Uni konfrontiert. Man lernt relativ früh, damit umzugehen“, meint Preu. Zudem gibt es Angebote wie Supervision und Seminare, oder man tauscht sich mit Kollegen aus. Der Beruf biete eben die ganze Palette des Lebens – von der Geburt bis zum Tod, sagt Eveline Preu: „Es gibt Tage, da gehe ich direkt von der Geburtenstation zu einer sterbenden Patientin auf die Palliativstation. Wir begrüßen und verabschieden das Leben.“

Werben um den Ärzte-Nachwuchs

  • NÖ studiert Medizin
    Heuer Matura – in wenigen Jahren Ärztin oder  Arzt: Unter diesem Motto hat es sich die NÖ Landeskliniken-Holding zum Ziel gesetzt, Maturantinnen und Maturanten umfangreich über den Beruf des Arztes zu informieren. Sie erfahren Wissenswertes etwa über den Studienablauf, Jobaussichten und die Anmeldung zum Medizinstudium. Als weiteres Service wird ein Vorbereitungskurs für den Aufnahmetest „MedAT-Humanmedizin“ organisiert. Allen Teilnehmenden, die ihren Hauptwohnsitz in Niederösterreich haben und auch alle anderen Förderungsvoraussetzungen erfüllen, wird ein Teil der Kosten für den Vorbereitungskurs ersetzt.
    Informationen: www.noe-studiert-medizin.at
  • Klinisch-Praktisches Jahr
    Ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Ärzte-Nachwuchses ist das Engagement beim Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ), das im Studienjahr 2014/15 erstmals Bestandteil des Ausbildungs-Curriculums der Medizinischen Universitäten Österreichs ist: Die NÖ Landes- und Unikliniken bieten an fast allen Standorten seit Anfang August insgesamt 235 KPJ-Ausbildungsplätze für Studentinnen und Studenten der Med-Uni Wien an. Dafür mussten sich die Kliniken als Lehrkrankenhäuser approbieren und die Betreuungspersonen schulen lassen.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Attraktiver Arbeitgeber in Niederösterreich: Die Landes- und Universitätskliniken bieten ein umfassendes Angebot an Aus- und Weiterbildungen:

  • umfangreiches Bildungsprogramm für 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • jährliche Ausbildungsmillion für Ärztinnen und Ärzte
  • Simulatortraining zum Trainieren schwieriger Situationen im Landesklinikum Hochegg
  • Cochrane-Zweigstelle/Ärzte-Informationszentrum an der Donau-Universität in Krems: Spitalsärzte können dort zu speziellen Problemen den Stand des Wissens erheben lassen (www.ebminfo.at).
  • Eigene Med-Uni in NÖ: Erstmals in Österreich bietet die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) in Krems ein vollwertiges, Bologna-konformes Medizinstudium an. Die medizinische Ausbildung setzt sich aus zwei Studiengängen zusammen: Das Bachelorstudium Health Sciences eröffnet Zugang zu neuen Berufsfeldern in den Gesundheitswissenschaften. Das darauf aufbauende Masterstudium Humanmedizin dient der wissenschaftlichen Vorbildung für den ärztlichen Beruf sowie der Vermittlung der Kompetenzen, die für die selbstständige ärztliche Berufsausübung notwendig sind. Angesiedelt im Umfeld der Lehr- und Forschungslandschaft am Campus Krems und im Universitätsklinikverbund St. Pölten, Krems und Tulln peilt die KL Forschungskooperationen und Vernetzungen mit nationalen und internationalen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern an. (www.kl.ac.at)
    Informationen: www.lknoe.at

Neue Ärzteausbildung                    

Die Regierung hat im September die neue Ärzteausbildung beschlossen. Nach dem Medizinstudium muss der angehende Arzt eine neunmonatige Basisausbildung im Krankenhaus absolvieren. Der Schwerpunkt liegt auf den Fachgebieten Chirurgie und Innere Medizin. Außerdem sollen die Jungärzte die 15 häufigsten Krankheiten erkennen lernen. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Störungen, Lungenkrebs, Alzheimer und Diabetes. Nach den neun Monaten müssen sie entscheiden, ob sie Facharzt oder Allgemein­mediziner werden wollen.

  • Für den Allgemeinmediziner sind weitere 27 Monate Ausbildung in mehreren Spitalsabteilungen vorgesehen – ähnlich der bisherigen Praxis. Was danach kommt, ist neu: die Mitarbeit in einer Lehrpraxis über zumindest sechs Monate.
  • Auf den Facharzt wartet eine 15-monatige Grundausbildung. Danach kommt die Schwerpunktausbildung, die zumindest 27 Monate dauert. Dabei stehen maximal sechs Module zu bestimmten Fachinhalten zur Wahl. Die Additivfächer entfallen und werden in die Ausbildung integriert.