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Qualitätsarbeit im Labor

Biomedizinische Analytiker liefern im Klinikum die oft lebensnotwendigen Daten für Diagnosen und zur Überwachung von Therapien. Ihre Laborbefunde bilden die Basis jeder Krankengeschichte.


Josef Buchebner, leitender biomedizinischer Analytiker im Landesklinikum Scheibbs, liefert gemeinsam mit seinen Kolleginnen wichtige Informationen für die ärztliche Diagnose.

Was passiert mit unserem Blut, nachdem es der Arzt im Krankenhaus abgenommen und in ein Röhrchen hat fließen lassen? Es wird im Labor sorgfältig auf krankhafte Veränderungen untersucht. Die analysierten Blutwerte liefern wesentliche Informationen für den Mediziner, sind oft eine wichtige Grundlage seiner Diagnose. Die Informationen aus dem Labor helfen aber auch bei der Überwachung von Behandlungen und dienen zur Prognose und Prävention von Krankheiten.

Exakte Analysen

Josef Buchebner, leitender biomedizinischer Analytiker im Zentrallabor des Landesklinikums Scheibbs, berichtet über seine tägliche Routine­arbeit für die Stationen: Das Patientenblut wird in modernen Präzisionsapparaten zunächst auto­matisch analysiert, bei Bedarf auch unter dem Mikroskop kontrolliert. Die Analyse-Geräte sind mit der Spitalsdatenbank verbunden, lesen den Barcode auf den Röhrchen ein und speichern die Ergebnisse. „Wir schauen uns diese Ergebnisse dann in der EDV an und  machen eine medizinische Validation, finden also heraus, ob sie plausibel sind.“

Ärzte und Schwestern können dann die abgespeicherten Labor-Befunde einsehen. Das geht ganz schnell, 25 bis 45 Minuten ist der Turn-around, die Zeit vom Eintreffen der Blutprobe im Zentrallabor bis zur Freigabe des Untersuchungsergebnisses. Blutproben von 70 bis 150 Patienten werden täglich im Scheibbser Zentrallabor analysiert, jede Blutprobe erfordert 10 bis 12 Untersuchungen.

Vielfältige Untersuchungen

In der Kernarbeitszeit ist der Job im Labor ganz schön stressig, am Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr sind die Spitzenzeiten für die Analytiker, „da müssen wir optimieren, dringende Patienten vorreihen.“ Denn immerhin entscheidet das Ergebnis der Blut­untersuchung nicht selten darüber, ob ein Patient wieder nach Hause gehen darf oder besser im
Klinikum bleiben sollte.

Das Landesklinikum Scheibbs ist ein Grund­versorgungskrankenhaus, hier werden vor allem Routine-Analysen für interne und gynäkologische Untersuchungen, Operationen und Geburten gemacht, also wichtige Parameter für die Grund­versorgung. Für spezielle Blutanalysen werden Proben in andere Labors, z. B. St. Pölten, geschickt. Die sechs biomedizinischen Analytiker im Landes­klinikum kontrollieren nicht nur Blutbilder, sie untersuchen auch Harn und Stuhl und messen Tumor­marker.

Weniger Aufnahmen ins Klinikum

Das Blut nehmen die Ärzte im interdisziplinären Aufnahmebereich des Klinikums ab, senden es mittels Rohrpost sofort ins Labor, „wir schauen dann, dass möglichst zeitnah die Befunde wieder retour geschickt werden“, erklärt Josef Buchebner.

Die Patienten wissen also dank dieser Zusammenarbeit zwischen der Aufnahmestation und dem Labor innerhalb kürzester Zeit, was los ist mit ihnen, und der Arzt kann rasch und sicher entscheiden, ob der Patient im Spital bleiben muss. „Die Aufnahmen sind zurückgegangen, seitdem die Zusammenarbeit zwischen den Medizinern und den Analytikern so effizient geregelt ist“, bestätigt Josef Buchebner die Vorteile des interdisziplinären Aufnahmebereichs. Und: „Wir sind gut vernetzt mit den Abteilungen, haben intensiven Kontakt zu den Ärzten.“

Veränderungen beobachten

Zu den Patienten haben die biomedizinischen Analytiker eher selten einen direkten Kontakt, kennen meist nur die Namen und Daten, haben aber doch eine Art Beziehung zu ihnen: „Wenn ich den Verlauf der Analysen bei einem Patienten betrachte, kann ich Veränderungen und  Geschehnisse beobachten, und ich kann gut mitverfolgen, wie es dem Patienten geht, etwa vor, während
und nach einer Chemotherapie“, erzählt Josef Buchebner, aber: „Uns fehlt das Gesicht des Patienten. Ich versuche mir immer eines vorzustellen. Wenn ich den Menschen dann kennenlerne, schaut er meistens ganz anders aus.“

Qualität – das A und O

Und schon kommen mit der Rohrpost wieder zwei Röhrchen ins Labor gerutscht, beide mit einem auffallenden roten Blitz markiert, dem Kenn­zeichen für „besonders dringend“. Josef Buchebner kümmert sich sofort darum, leitet konzentriert die notwendigen Schritte ein. Denn für Patienten kann es lebenswichtig sein, dass die Analysen auch unter Zeitdruck, etwa bei Notfällen, absolut zuverlässig und exakt ausgeführt und interpretiert werden. „Qualität ist bei unserer Tätigkeit sehr wichtig, man muss sich darauf verlassen können, dass wir richtige Ergebnisse liefern.“ Diese Ergebnisse werden laufend überprüft, sowohl intern als auch extern. Qualitätskontrolle, auch die österreichweite der Öquasta, der österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Standardisierung medizinisch-diagnostischer Untersuchungen, spielt eine wesentliche Rolle bei der Tätigkeit der biomedizinischen Analytiker. Die Öquasta hat das Scheibbser Labor übrigens bereits mehrmals ausgezeichnet. Für die interne Kontrolle werden die Blutproben bis zu einer Woche im Kühlschrank aufbewahrt. Sie können zur Beweisführung und zur Nachmessung mehrmals verwendet werden.

Gespür der Mitarbeiter

Was ist, wenn bei dieser konzentrierten, schnellen, präzisen Arbeit trotzdem ein Fehler passiert? „Es gibt ein zweites Mal“, beruhigt Josef Buchebner, „und zwar dann, wenn berechtigte Zweifel daran bestehen, dass die ermittelten Werte nicht stimmen können.“ Er hat zum Beispiel Blut eines Kranken analysiert, dem es, wie er bereits wusste, nicht gut ging. Kurze Zeit später langte eine Blutprobe vom selben Patienten ein – und die Werte waren sehr viel besser. „Der Kollegin ist das sofort aufgefallen, sie hat schnell erkannt, dass hier etwas nicht stimmt und ein Fehler vorliegen muss.“ Geholfen hat dabei nicht nur die Präanalytik, also die Informationen, die das Labor schon vor der Untersuchung über den Patienten erhält, sondern auch ein besonderes Talent der biomedizinischen Analytikerin: „Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter mitdenken, ihr Gespür ist gefragt.“
Dazu kommt die tägliche Routine, die erarbeitet man sich im Lauf der Zeit, und sie lässt einen etwas ruhiger schlafen, weiß der 56-jährige Josef Buchebner: „In den ersten Jahren meiner Tätigkeit war jede Untersuchung noch eine große Herausforderung. Jetzt habe ich mir Systeme zurechtgelegt, auf die ich mich verlassen kann – und in die meine Mitarbeiter einsteigen können. Einer weiß vom anderen, wie er arbeitet, kann ihn notfalls vertreten.“

Drei Jahre Studium

Der leitende biomedizinische Analytiker hat sein
Diplom bereits 1978 abgelegt, als einziger männ­licher Absolvent neben 83 Frauen: „Ich habe nach der Matura einen medizinähnlichen Beruf gesucht, und das Medizinstudium war mir zu lang.“
Buchebner hat für sich einen „hochinteressanten Beruf“ gefunden, den im Übrigen noch immer hauptsächlich Frauen wählen: „Meine Arbeit empfinde ich als sehr abwechslungsreich, ich mache nicht immer dasselbe, und ich muss mich immer ganz schnell nach der jeweiligen Situation richten.“
Zwei Jahre dauerte die Ausbildung zum biomedizinischen Analytiker damals, vor mehr als 30 Jahren. Viel hat sich verändert seither, viel neues Wissen ist dazugekommen. Heute ist die Ausbildung ein intensives dreijähriges Bachelor-Studium an einer Fachhochschule, etwa in Wiener Neustadt. Biomedizinische Analytiker haben übrigens sehr gute Berufschancen.

Fotos: Gerald Lechner

Ausbildung zum biomedizinischen Analytiker

Wichtige Voraussetzungen für den Beruf des biomedizinischen Analytikers sind naturwissenschaftliches und technologisches Interesse, manuelles Geschick, soziale Kompetenz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Das dreijährige Bachelor-Studium an einer Fachhochschule oder Akademie umfasst medizinische und bioanalytische Grundlagen, Chemie und Biologie sowie Berufspraktika.

Informationen: FH Wiener Neustadt, www.fhwn.ac.at