Pflege zu Hause – eine stetige Herausforderung
Einen Menschen zu pflegen ist seelisch und körperlich eine tagtägliche Herausforderung. Pflegende Angehörige fühlen sich oft allein und im Stich gelassen – dennoch nehmen sie ihr „Schicksal“ hin, weil es „ja doch keine Alternative dazu gibt“. Dass dies nicht ganz der Realität entspricht, zeigt zum Beispiel der Informationstag im Landesklinikum Neunkirchen.
Ungefähr 80 Prozent der Menschen, die Pflege brauchen, werden zu Hause von Angehörigen betreut – Laien, die durch die Pflege psychisch und körperlich an ihre Grenzen und auch darüber hinaus gehen. Oft sind diese Leute selbst schon älter, was die Pflege noch zusätzlich erschwert.
Für viele Betroffene kommt die Situation, pflegen zu müssen, unerwartet und plötzlich. Es fehlt ihnen an wichtigen Informationen und hilfreichen Tipps. Die beiden diplomierten Gesundheits- und Krankenschwestern Elfriede Gutschelhofer und Elisabeth Jeschke haben deshalb im vergangenen Jahr einen Informationstag für diese Personen im Landesklinikum Neunkirchen ins Leben gerufen. Heuer gibt es am 8. Oktober in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Klinikums Neunkirchen bereits die zweite Auflage – erstmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Senioren- und Pflegeheim.
„Wir wollen den pflegenden Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, erklären die engagierten Initiatorinnen dieses Projektes. Durch ihren beruflichen und privaten Hintergrund verfügen beide über umfangreiches Wissen auf diesem Gebiet: Elfriede Gutschelhofer hat selbst mehr als 14 Jahre Erfahrung mit der Pflege zu Hause. Sie ist mit den Problemen, die dabei auftreten können, bestens vertraut. „Neben Beruf und Familie ist es oft eine immense Belastung, sich noch um einen pflegebedürftigen Menschen zu kümmern.“
Auch Elisabeth Jeschke konnte bei ihrer langjährigen Tätigkeit in der Überleitungspflege des Klinikums Neunkirchen einen ähnlichen Eindruck gewinnen. Ihrer Meinung nach kann man von niemandem verlangen, „sich 365 Tage im Jahr, 24 Stunden pro Tag alleine der Pflege eines Angehörigen zu widmen. Betroffene sollen wissen und merken, dass sie von Seiten der Gesellschaft mit ihren Schwierigkeiten nicht allein gelassen werden.“
Vorsicht vor übersteigertem Pflichtbewusstsein
Die beiden Gesundheits- und Krankenschwestern sehen übersteigertes Pflichtbewusstsein häufig als Problem. „Viele denken sich, meine Mutter hat mich aufgezogen und nun bin ich an der Reihe, Tag und Nacht für sie da zu sein.“ Natürlich soll sie nicht im Stich gelassen werden, aber „es ist keine Schande, sich bei der Pflege helfen zu lassen, und sei es nur durch wertvolle Ratschläge.“
Der diesjährige Tag der pflegenden Angehörigen soll diesen Zweck erfüllen. Das Angebot reicht dabei von Tipps rund um die Pflege, wie die richtige Ernährung oder das Vermeiden von Wundliegen, über Hinweise zur finanziellen Unterstützung bis hin zu Entlastungsmöglichkeiten. Viele wissen beispielsweise nicht, wohin sie ihre Angehörigen geben können, um sich einmal ein paar Tage Urlaub zu gönnen. Und verzichten auf diese Erholung, was für DGKS Gutschelhofer und DGKS Jeschke „eindeutig der falsche Weg“ ist.
Der Informationstag ist aber nicht nur für Menschen interessant, die zum ersten Mal mit der Pflege konfrontiert sind. Wie Elfriede Gutschelhofer im Zuge ihrer langjährigen Zeit als pflegende Angehörige selbst erfahren musste, „lernt man gerade in diesem Bereich niemals aus – und seien es nur neue Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.“
Informationen rund um dieses Thema finden sich auch in der Informationsbroschüre „Pflege zu Hause – Tipps für pflegende Angehörige“ oder unter www.lknoe.neunkirchen.at.
Hilfe für Angehörige in den NÖ Kliniken
- Im LK Scheibbs ist der Stammtisch für pflegende Angehörige immer am 2. Mittwoch des Monats um 19.00 Uhr im Besprechungsraum 2 im 4. OG, das nächste Mal nach der Sommerpause am 14. September.
- Im LK St. Pölten gibt es ab 5. September wieder den „Treffpunkt für pflegende Angehörige”. Treffpunkt ist jeden 1. Montag im Monat 18 bis 20 Uhr im 9. Obergeschoss des Landesklinikums. Ansprechpartner ist Sylvia Ambichl (02742/300-76702). Beim Treffen am 3. Oktober 2011 wird Gerhard Heilig von der NÖ Pflegehotline einen Vortrag über mögliche Förder- und Unterstützungsmaßnahmen halten.
- In vielen Kliniken kann man durch die Überleitungs-Pflegespezialisten Tipps und Informationen bekommen, so wie zum Beispiel im Landesklinikum Hochegg, Abteilung Neurologie: bei Bedarf Montag bis Freitag von 13 bis 15 Uhr im jeweiligen Patientenzimmer bei vorheriger Terminvereinbarung.
„Pflege ist Thema. Aber Pflegen heißt mehr!“
Unter dem Motto „Pflege ist Thema. Aber
Pflegen heißt mehr!“ bietet die Hilfswerk Family Tour heuer Informationen und Bewusstseinsbildung rund um das Thema Pflege.
Wie man die Beweglichkeit im Alter erhalten kann und Schmerzen als Warnsignal des Körpers versteht, das ist Inhalt spezieller Broschüren des Hilfswerks, die man auf der Family Tour bekommen oder direkt beim NÖ Hilfswerk als Service-Paket bestellen kann: Tel.: 02742/90600 oder office
hilfswerk.at.
Die nächsten Termine der Pflege-Tour:
- 6. August: St. Georgen an der Leys 33, Halle Schweighofer, 14:00–17:30 Uhr, Blasmusikfest, Bezirksseniorentreffen
- 27. August: Schwechat, Hauptplatz, 10:00–18:00 Uhr, Stadtfest
- 28. August: Atzenbrugg, Schloss, ab 14:00 Uhr Familienfest
- 3. September: Stockerau, Hauptstraße, ab 14:00 Uhr Erdäpfelfest
- 9. September: Poysdorf, Körnergasse, vor dem Feuerwehrhaus, 14:00–18:00 Uhr, Bezirkswinzerfest
- 11. September: Kierling, Feldgasse, 09:00–17:30 Uhr, Straßenfest
Informationen: www.hilfswerk.at





