Musiktherapie
Musik machen und hören gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen. Sie gezielt zur Therapie einzusetzen ist nicht neu – aber die neuesten Erkenntnisse helfen den Therapeuten in den NÖ Landeskliniken bei ihrer Arbeit. Im November startet der 4. Kongress „Mozart & Science“.

Priv. Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Studiengangsleiter Musiktherapie an der IMC Fachochschule Krems. Er ist Musiktherapeut, Leiter des Instituts für Ethnomusiktherapie Gföhl, Lektor an der Universität Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Musiktherapie gewinnt in den letzten Jahren in den NÖ Landeskliniken einen wachsenden Stellenwert, und gerade in der Forschung auf diesem breiten Feld der Wirkung von Musik auf den Körper und das Wohlbefinden gibt es laufend neue Erkenntnisse. Deshalb ist es wichtig, dass sich Forscher, Praktiker und ganz allgemein Menschen in Gesundheitsberufen über den Stand der Forschung austauschen. Darüber und über den kommenden Kongress sprach GESUND+LEBEN-Chefredakteurin Mag. Riki Ritter-Börner mit dem Organisator, Priv. Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Studiengangsleiter Musiktherapie an der IMC Fachhochschule Krems.
G+L: Den NÖ Musiktherapie-Kongress „Mozart & Science“ gibt es heuer bereits zum 4. Mal. Was waren die wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Veranstaltungen?
Tucek: Bisher ging es darum, die Wurzeln der historischen Musikwirkungsforschung aufzuarbeiten, bei der Österreich ursprünglich eine wichtige Rolle innehatte. Und wir haben den Neurowissenschaften einen weiteren Zugang hinzugefügt – die psycho-vegetative Forschung. Dies ermöglicht vor allem an der „klinischen Front“ zu forschen. Internationale und nationale Netzwerke entstanden auch durch die Kongresse.
G+L: Was hat sich seither geändert?
Tucek: Niederösterreich wurde innerhalb weniger Jahre zu einem „musiktherapeutischen Hotspot“. So wurde uns für 2014 der 14. Weltkongress für Musiktherapie zuerkannt. Seit 2009 arbeiten Musiktherapeuten in den NÖ Landeskliniken Mistelbach, St. Pölten, Wiener Neustadt, Amstetten, Allentsteig und Zwettl; Hochegg ist in Planung. Musiktherapeuten gibt es auch in den Einrichtungen in Ottenschlag, Gars, Grafenwörth. Alle Studierenden haben Praktikumsplätze erhalten. Wir haben mittlerweile auch Gäste aus Heidelberg.
G+L: Was sollte sich in Sachen Musiktherapie noch verändern und was läuft jetzt schon gut?
Tucek: Die NÖ Landeskliniken-Holding und die Musiktherapie an der FH Krems arbeiten in Praxis, Forschung und Lehre bestens zusammen. Die Schwerpunkte des Studiengangs sind eng mit der Holding abgestimmt, sodass praxisrelevante Themen bearbeitet werden. Die drei Schwerpunkte sind Empathieforschung, vom richtigen Zeitpunkt, therapeutisch tätig zu werden, sowie spezifische Musiktherapie-Themen. Dafür haben wir vier methodische Zugänge entwickelt – die Neurowissenschaften, den psycho-vegetativen Ansatz, die Endokrinologie (Anm.: Hormone) sowie Sozialwissenschaften (Anthropologie, Psychologie).
Was noch fehlt, ist ein tieferes Verständnis über die Möglichkeiten von Musiktherapie in den Gesundheitsberufen sowie Forschungsergebnisse. Da sind wir dran, denn jetzt haben wir ja die Strukturen dafür weitgehend etabliert.
G+L: Was kann Musiktherapie?
Tucek: Musiktherapie ist im Sinne des biopsychosozialen Zugangs zum Patienten ein Weg, auf die seelischen Aspekte einer Erkrankung einzugehen. Musiktherapie hilft Patienten bei der Krankheits- und Schmerzverarbeitung sowie bei der Fokussierung auf die Ressourcen. Soziale Aspekte wie z. B. der Umgang des sozialen Umfelds (Familienangehörige und Bekannte) mit der erkrankten Person kann unterstützt werden. Ein zweites wesentliches Argument für die Musiktherapie ist, dass die Aktivierung der Selbstheilungskräfte nur im Vagotonus – also Entspannungszustand – gelingt. Musiktherapie ist einer der Königswege hierfür, zumal auch Musiktherapeuten die Möglichkeit haben, individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen.
G+L: Was bringt „Mozart & Science 2012“?
Tucek: „Mozart & Science“ wird sich mit der Frage unterschiedlicher (Verständnis-)Kulturen befassen. Dies meint nicht nur musikalische oder therapeutische Ebenen, sondern auch Forschung als kulturelle Konstruktion. Weitere Details finden Sie auf der Website www.mozart-science.eu
Der Kongress „Mozart & Science 2012 – Musik in Medizin und Therapie“, 4. internationaler Kongress der Musikwirkungsforschung, ist eine Veranstaltung der IMC Fachhochschule Krems in Kooperation mit der Initiative >>Tut gut!<<, der SRH Hochschule Heidelberg und der NÖ Landeskliniken-Holding. 8.–10. November 2012 in Krems.
Zielgruppen sind niedergelassene und klinische Ärzte, Pflegepersonal, Psycho- und Musiktherapeuten, Interessierte aus Forschung, Bildung, Gesundheitswesen, Erwachsenenbildung, Früherziehung, Familie, Kunst; Interessierte, einschlägige Öffentlichkeit; internationale Musikwirkungsforscher.




