Musik als Medikament
Musiktherapie wird intensiv beforscht und in den NÖ Kliniken eingesetzt. Beim Musiktherapie-Kongress „Mozart & Science“ tauschten Wissenschafter und Anwender nun Wissen und Erfahrungen aus.

Priv. Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Studiengangsleiter Musiktherapie an der IMC Fachochschule Krems. Er ist Musiktherapeut, Leiter des Instituts für Ethnomusiktherapie Gföhl, Lektor an der Universität Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Schon seit Jahrtausenden verwenden Menschen Musik als Mittel, Gesundheit und Wohlbefinden zu stärken und Kranke beim Gesundwerden zu unterstützen. Doch da Musik etwas Hochkomplexes ist, ist es auch nicht einfach, die genaue Wirkung von Musik zu erfassen. Denn während der Eine bei Mozarts Arien in Verzückung gerät, oder bei Paganinis
Geigenakrobatik, kann sich ein Anderer nur bei AC/DC entspannen, ein Dritter wiederum braucht sanfte Panflötenklänge und wieder ein Anderer Hip-Hop. Klar, dass diese vier Menschen im Fall von Krankheit andere Musik zum Gesundwerden brauchen.
Doch Musiktherapie geht noch viel tiefer, wird sie doch auch für zu früh geborene Babys verwendet, auf der Intensivstation und bei Menschen im Koma. Sie unterstützt Krebspatienten dabei, neuen Lebensmut zu gewinnen, und Kinder, um wieder zu sich selbst zu finden.
Was die Sache so schwierig macht, sind die vielen Dimensionen der Musik – Rhythmus und Tempo, Melodie und Harmonie, Einstimmigkeit und Vielklang und dazu noch das breite Spektrum der Instrumente, die vielen kulturgeschichtlichen Dimensionen der musikalischen Entwicklungen und schließlich
die sich im Laufe des Lebens verändernden Hörgewohnheiten der Individuen.
Internationaler Kongress
Beim diesjährigen vierten internationalen Musiktherapie-Kongress „Mozart & Science 2012“ in Krems ging es – grob gesagt – darum, das Individuum und den Menschen hinter dem Patienten zu entdecken. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich mit den neuesten Erkenntnissen und Wegen im Bereich der Musiktherapie. Fest steht, dass sich Forscher aus den verschiedensten Bereichen mit der Wirkung der Musik beschäftigen und das mit zunehmender Intensität. Durch neue Möglichkeiten, etwa durch leistungsstarke Computer, können die einzelnen Aspekte immer besser erforscht werden. Gleichzeitig liefern die – besonders in Niederösterreichs Kliniken arbeitenden Musiktherapeutinnen und -therapeuten laufend weiteres Material für die Forschung. Nicht nur evidenzbasierte Studienergebnisse sollten als Benchmark herangezogen werden, erklärte Priv.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Kongress-Organisator und Studiengangsleiter Musiktherapie an der IMC FH Krems: „Mindestens gleich bedeutsam für die Evaluierung des Therapieerfolges ist es, die Patienten partizipativ miteinzubeziehen. Die Wissenschaften müssen menschlicher werden. Der Fortschritt in der Musiktherapie ist ein starker Schritt hin zum Menschen.“
Mittlerweile arbeiten Musiktherapeuten in verschiedenen Einrichtungen wie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und an acht niederösterreichischen Landeskliniken unter anderem in der Geriatrie, Onkologie und Pädiatrie. Mag. Wolfgang Sobotka, Landeshauptmann-Stellvertreter und Initiator des Kongresses, hat Musik studiert und leitet das Kammerorchester Waidhofen/Ybbs. Sein Ziel: „Für uns im Land Niederösterreich geht es darum, standort- und patientengerechte Medizin anzubieten, die den Menschen im Fokus hält. Hier kann die Musiktherapie sowohl in der Gesundheitsvorsorge als auch im klinischen Bereich neue Ansätze und auch neue Lösungen finden.“
Informationen:
www.mozart-science.eu




