< vorhergehender Beitrag

Mehr Hirnaktivität bei Musiktherapie

Beim Musiktherapie-Kongress in Krems sorgten wichtige neue Erkenntnisse in der Hirnforschung aus dem Landesklinikum Hochegg für viel Aufsehen.


(v.l.) Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka, Musiktherapeutin Astrid Heine, Weltkongress-Präsident FH-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek und OA Dr. Nikolaus Steinhoff. FOTO: NLK Filzwieser

Rund 1.000 internationale Experten diskutierten Anfang Juli am 14. Weltkongress der Musiktherapie an der IMC FH Krems über Themen wie die Überwindung der Kluft zwischen Forschung und Praxis und wie Musiktherapie wirkt. Auf Letzteres gibt nun eine neue IMC FH Krems-Studie am Landesklinikum Hochegg Antwort: Musiktherapie steigert nachweislich die Gehirnaktivität von Wachkoma-Patienten.

Musiktherapie aktiviert Gehirnzellen

Derzeit arbeiten Musiktherapeuten in zehn NÖ Landes- und Universitätskliniken (siehe Kasten). „Forschung und Praxis arbeiten hier Hand in Hand, indem aktuelle Forschungsthemen der IMC FH Krems in den Klinikalltag einfließen“, berichtet Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka, dem die Förderung der Musiktherapie ein großes Anliegen ist. Im Dezember 2012 startete die IMC FH Krems in enger Kooperation mit dem Landesklinikum Hochegg ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt: Vier Wachkoma-Patienten nach Hirnschäden durch schwersten Sauerstoffmangel erhielten über einen Zeitraum von fünf Wochen zusätzlich zu Ergo- und Physiotherapien dreimal pro Woche eine Musiktherapie. „Wir haben einzelne Patienten während der Musiktherapie einer PET-Messung (Positronen-Emissions-Tomografie) unterzogen“, erklärt Dr. Nikolaus Steinhoff, Ärztlicher Leiter der Intermediate Care Unit-IMCU-Neurologie an der Neurologischen Abteilung.
„Zum ersten Mal konnten wir wissenschaftlich darstellen, dass Musiktherapie Auswirkungen auf das Gehirn hat. Die Gehirnaktivitäten jener Patienten, die zusätzlich zu Ergo- und Physiotherapien fünf Wochen lang eine Musiktherapie erhalten hatten, stiegen um 34 Prozent. Bei Patienten ohne zusätzliche Musiktherapie verbesserten sie sich nur um vier Prozent. Dieses Zwischenergebnis ermutigt uns, weiterzuforschen, denn dass Musiktherapie Sinn macht, kann erstmals durch diese neuen Studien­ergebnisse im Hirnforschungsbereich bejaht werden“, erklärt Steinhoff. „Es besteht immer eine Chance, auch schwerstbetroffene Patienten ins Leben zurückzubringen. Wenn der Einsatz von Musiktherapie uns diesem Ziel einen Schritt näherbringt, dann müssen wir mit aller Kraft den musiktherapeutischen Ansatz weiterverfolgen“, ergänzt FH-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, Weltkongress-Präsident, IMC FH Krems-Forschungsbereichsleiter Department Health Sciences und Studiengangsleiter „Musiktherapie“.

Über die Musiktherapie 

Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. In Österreich gilt seit 2009 das Musiktherapiegesetz.

Einsatz von Musiktherapeuten nach medizinischen Bereichen
NÖ Landes- und Universitätskliniken:

  • Allentsteig: Neurologische Rehabilitation
  • Amstetten: Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • Hochegg: Neurologie
  • Hollabrunn: Psychiatrie
  • Mauer: Psychiatrische Abteilungen
  • Mistelbach-Gänserndorf: Innere Medizin II-Onkologie, Orthopädie
  • St. Pölten: Neurologie/Projekt Neonatologie
  • Tulln: Psychiatrie
  • Wiener Neustadt: Radioonkologie und Strahlentherapie
  • Zwettl: Kinder- und Jugendheilkunde mit Neonatologie

NÖ Rehabilitationseinrichtungen:

  • Klinik Eggenburg: Psychosomatik
  • LebensResort Ottenschlag: Psychosomatik, Burnout
  • Rehabilitationsklinik Gars am Kamp: Psychiatrische Rehabilitation

Ausbildungsstätten: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Diplomstudium), IMC Fachhochschule Krems (Bachelor- und Masterstudium), Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (interuniversitärer Lehrgang Musiktherapie)