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„Man muss die Menschen mögen“

Vergessen Sie das Klischee vom Portier, der nichts zu tun hat. Anita Hösl, die seit zwei Jahren den Dienst in der Portiersloge des Landesklinikums Tulln versieht, beweist, wie vielfältig und bunt man diesen Beruf auch anlegen kann.


Mittwoch, 8 Uhr früh: Im Eingangsbereich des Landesklinikums Tulln herrscht schon reges Kommen und Gehen. In der Portiersloge sitzt Anita Hösl an ihrem Pult, neben ihr die Telefonanlage. Kaum hat Hösl einem Anrufer Auskunft über die Besuchszeiten erteilt, schrillt das Telefon schon wieder, die nächste Anruferin will zu einem Angehörigen, der im Landesklinikum stationär aufgenommen ist, verbunden werden. So geht es weiter, und dazwischen kommen im Minutentakt Besucher und Patienten mit ihren Anliegen zur Portiersloge.

Pausenlos beschäftigt

„Im Tagdienst geht das oft pausenlos so, und neben der Telefon- und persönlichen Auskunftstätigkeit habe ich auch noch so einige andere Aufgaben. Aber gerade das macht mir Spaß – ich mag es, wenn viel los ist und meine Arbeitszeit ausgefüllt ist“, erzählt die hübsche blonde Portierin, die seit 2005 im Landesklinikum Tulln arbeitet. Wie sie hier her kam? Sie musste als Patientin die Ambulanz des Krankenhauses in Anspruch nehmen, fand die Atmosphäre und das rege Treiben spannend und bewarb sich.
Zunächst begann sie in der Patientenaufnahme, für die sie auch nach wie vor tätig ist, seit Juli 2010 kam auch die Portierstätigkeit dazu, die ihr besonders gut gefällt. „Dieser Beruf ist so vielfältig und bunt. Man hat ständig mit Menschen und ihren unterschiedlichsten Anliegen und Bedürfnissen zu tun, mit der Zeit kennt man nicht nur viele Kollegen des Hauses, sondern auch so einige Patienten, die immer wieder kommen, und das macht das Ganze noch netter“, sagt Anita Hösl, die ihren Job sehr ernst nimmt und ihn gelassen und souverän ausführt.

Immer am Drücker

Darüber, dass viele Leute meinen, ein Portier habe so gut wie nichts zu tun, kann sie nur lachen. Neben der klassischen Empfangstätigkeit hat sie auch einige administrative Aufgaben zu erfüllen und die Schrankenanlage für den Besucherparkplatz, die Störungszentrale für die Haustechnik sowie die Brandmeldezentrale zu bedienen. „Wenn mir etwas auffällt, muss ich rasch den Alarmknopf drücken, der unsere hausinterne Feuerwehr aufruft, die dann sofort  kontrolliert und notfalls auch die Stadtfeuerwehr verständigt.“
Auch die Überwachungsmonitore müssen von der Portierin immer im Auge behalten werden, sodass sie im Notfall die im Haus 24 Stunden am Tag anwesende Security rufen kann. Anita Hösl erledigt auch die Patientenaufnahmeformalitäten – in jenen Zeiten, da die Aufnahme nicht besetzt ist.

Notfälle und Skurrilitäten

Natürlich ist die junge Frau auch zur Stelle, wenn sich ein Notfall in ihrem Sichtbereich ergibt, und das ist gar nicht so selten, denn hereinkommende Patienten können mitunter etwa einen Schwächeanfall erleiden, und dann ist Not am Mann. Not, die freilich mit der Herzalarmtaste rasch gelindert werden kann, denn dann kommt binnen kürzester Zeit ein Notarzt, der sich um den betroffenen Patienten kümmert.
Andere Patientenanliegen an Anita Hösl stellen sich mitunter erst auf den zweiten Blick als Notfälle heraus. „Einmal kam ein Mann, der sich mit einer Nagelmaschine einen Nagel ins Knie gejagt hatte. Ich bemerkte seine Verletzung erst gar nicht, weil er noch so unter Schock stand, dass er im Moment keine Schmerzen verspürte, aber ich habe ihn dann natürlich sofort an die Unfallambulanz verwiesen“, erzählt die Portierin. „Manchmal ist man natürlich schockiert über krasse Verletzungen oder verzweifelte Patienten, aber da muss man sich zurücknehmen und gelassen bleiben. Es nützt ja niemandem, wenn man selbst auch noch ‚ausflippt‘, und das kann und soll man sich als Krankenhausportierin auch nicht leisten.“

Arbeitsflaute unerwünscht

Nicht leisten darf sich die junge Frau auch den Nachtschlaf, wenn sie zwölf Stunden hindurch den Nachtdienst hinter ihrem Pult versieht, und das ist mitunter schwierig, denn zu diesen Zeiten gibt es immer wieder lange Flauten, in denen nichts passiert, niemand kommt und auch kein Telefon läutet. „Nachtdienst ist dann sehr anstrengend für mich, denn ich brauche es, dass sich immer etwas tut und ich auch immer selbst etwas tun kann.“
Dafür kommen zu anderen Zeiten wieder Fragen, die Anita Hösl wirklich nicht beantworten müsste, zum Beispiel, wann und wo denn der Zirkus in Tulln seine Zelte aufschlägt oder wann die nächste Messe in der Stadt stattfindet. Doch sie bemüht sich, über die Ereignisse in Tulln und Umgebung immer informiert zu sein. „Die Leute abwimmeln kommt nicht gut – man sollte als Portierin schon auch über den Tellerrand schauen und darauf achten, dass man auch über solche Dinge Auskunft geben kann.“

Gepflegter Umgang mit Beschwerden

Was im Job der jungen Frau noch gefragt ist, ist ein gepflegter Umgang mit Beschwerden, denn naturgemäß gibt es immer Patienten, die mit etwas nicht zufrieden sind und das rückmelden wollen – gerne auch beim Portier, doch auch  dabei bleibt Anita Hösl gelassen und souverän.
Sie scheint ihren Job wirklich zu mögen: „Mir gehen meine Kollegen ab, wenn sie nicht da sind, und auch auf die Patienten gehe ich grundsätzlich immer offen und mit einer positiven Einstellung zu.“ Der intensive Kontakt mit bekannten und fremden Menschen gefällt der Portierin sehr und sie möchte ihn nicht missen: „Für diesen Job muss man die Menschen mögen, und ich tue es.“

FOTOS: felicitas matern