Lebensfreude gewinnen nach Krebs
Für Krebspatienten gab es lange keine Möglichkeit, sich durch einen Kuraufenthalt zu regenerieren. Doch das neue Angebot bewährt sich: Kuren erleichtern immer mehr Menschen die Rückkehr in den Alltag.
7.000 Menschen pro Jahr erhalten in Niederösterreich die Diagnose Krebs. Dank verbesserter Früherkennung und wirksameren Behandlungen ist für immer mehr Erkrankte die Lebenserwartung deutlich höher als noch vor einiger Zeit. Doch während Patienten nach anderen Erkrankungen bei einem Kuraufenthalt neue Kraft tanken können, waren Krebspatienten von Kuren mehr oder weniger ausgeschlossen.
Zusammenarbeit notwendig
Dr. Wolfgang Foisner, Präsident des Verbands österreichischer Kurärzte, nennt Vorurteile als Grund dafür: „Lange hieß es, dass eine Kur Krebspatienten nicht gut tue, dass sich der Verlauf der Krankheit sogar verschlechtern könnte. Das ist Unsinn. Gerade Krebspatienten könnten bei einer Kur wieder Kraft tanken und sich gut auf den Alltag vorbereiten.“ Ist eine Kur für jeden Krebspatienten geeignet? Prof. Dr. Christoph Wiltschke, Onkologe an der MedUni Wien, erklärt: „Prinzipiell ja, jedoch mit Einschränkungen. Wenn gerade eine Krebs-Behandlung stattfindet, kurz nach einer OP oder wenn die Haut durch Bestrahlungen offene Stellen hat, sind Kuren nicht zielführend.“ Kurarzt Foisner ergänzt: „Jeder Fall ist individuell zu betrachten. Kurärzte und Onkologen müssen zusammenarbeiten, um die passende Kurbehandlung zu finden.“
Kur oder Rehabilitation
Die onkologische Rehabilitation richtet sich an Patienten, die ihre primäre Krebsbehandlung, z. B. Operationen, Strahlen- und Chemotherapien, abgeschlossen haben und deren Gesundheitszustand wieder verbessert werden soll. Durch verschiedene Maßnahmen soll die Rückkehr in den Alltag erleichtert werden.
Krebs-Experte Wiltschke konkretisiert: „Alle Therapien zielen darauf ab, körperliche, psychische und soziale Beeinträchtigungen der Betroffenen weitestgehend zu reduzieren und ihnen zu helfen, die Erkrankung und ihre Folgen zu bewältigen. Die Folgen von Krebstherapien wie Muskelabbau, Narbenschmerzen, Neuropathien, Thrombosen oder tumorbedingte Beeinträchtigungen werden behandelt.“
Angebot erweitern
Im Unterschied zur Rehabilitation bei anderen Krankheiten wird bei Krebspatienten die psychische Komponente stärker berücksichtigt, weiß Wiltschke: „Psychoonkologie spielt bei den Therapien eine große Rolle, denn viele Patienten haben einen langen qualvollen Weg hinter sich – davon bleiben weder Körper noch Psyche verschont. Besonders wichtig ist auch die Behandlung von Angststörungen und Depressionen, die durch die Erkrankung ausgelöst wurden.“
Derartige Angebote gibt es noch nicht flächendeckend, doch es tut sich momentan viel in diese Richtung, erläutern Foisner und Wiltschke: „Das Ziel ist, das Angebot auszuweiten. Es gibt momentan einige Initiativen.“ Also nur mehr eine Frage der Zeit – denn der Bedarf dafür ist auf jeden Fall gegeben.
Foto: fotolia





