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Kommunikation lernen

Geht es den Lehrkräften gut, geht es auch den Schülerinnen und Schülern gut. Deshalb beschäftigt sich das Programm »Gesunde Schule« derzeit mit der Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer.


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Gehirnforscher Dr. Joachim Bauer erforscht, was im Gehirn passiert, wenn die Kommunikation zwischen Menschen gelingt – und was, wenn das nicht der Fall ist. Deshalb lud ihn die Initiative »Tut gut!« zum »Gesunde Schule«-Tag als Vortragenden ein. Der heurige Schwerpunkt des Programms »Gesunde Schule« ist die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer. 25.000 Schülerinnen und Schüler profitieren von diesem Schwerpunkt, 114 Schulen beteiligen sich, 2.500 Lehrkräfte können damit erreicht werden.

Gesundheits-Drehscheibe

Die »Gesunde Schule« in NÖ ist ein seit 2007 entwickeltes Angebot für Hauptschulen, Neue Mittelschulen und AHS-Unterstufen in Niederösterreich, das von der Initiative »Tut gut!« in Zusammenarbeit mit dem NÖ Landesschulrat durchgeführt und organisatorisch betreut wird. In erster Linie bezieht sich das Programm auf die interne Stärkung von gesundheitsfördernden Strukturen für das System Schule und damit für Schülerinnen, Schüler, Leitungs- und Lehrpersonen. Die Beteiligten setzen sich mit dem Thema Gesundheit umfassend auseinander, um gesundheitsfördernde Arbeits- und Lernbedingungen für alle zu schaffen. „Somit wird die Schule selbst zum gesundheitsfördernden Projekt“, sagt der Vorsitzende des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka.
Der renommierte Gehirnforscher und Arzt Joachim Bauer betonte bei der Festveranstaltung, dass zuerst die Kompetenz der Lehrkräfte im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation gestärkt werden muss. Sie müssten dafür die Chance haben, Kommunikation für schwierige Situationen gut zu trainieren. Und vor allem müsse bereits in der Ausbildung auf diese Fähigkeit geachtet werden.

Kompetenz der Lehrer stärken

Prof. Dr. Joachim Bauer leitet die Ambulanz der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg. Er hat eine tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Ausbildung, ist für Innere Medizin und Psychiatrie habilitiert und hat eine Universitätsprofessur für Psychoneuroimmunologie. Bauer beschäftigt sich mit dem Thema Beziehung im Klassenzimmer. Er fand heraus, dass die Beziehungsgestaltung zwischen Lehrpersonen und Kindern der größte Belastungsfaktor im Klassenzimmer ist.

Wie kann man hier als Lehrkraft ansetzen?

Bauer: Im Freiburger Ansatz zeigt sich, dass zuerst die Kompetenz der Lehrer im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation gestärkt werden muss. Trainings der Lehrkräfte wie sie zum Beispiel von der Initiative »Tut gut!« in Niederösterreich angeboten werden, sind hier ein guter Weg.

Wie entwickelt sich der Beruf des Lehrers?

Bauer: Heute müssen sich junge Frauen und Männer im Klaren sein, dass dieser Beruf einer der anstrengendsten überhaupt ist. Die zwischenmenschliche Kompetenz ist bei weitem schwieriger zu erreichen als das entsprechende Fachwissen. Lehrer werden heute leider zu einseitig ausgebildet. Ein Schwerpunkt im Bereich sozialer Kommunikation und mentaler Gesundheit ist unbedingt zu forcieren. Nur dadurch kann der gesellschaftliche Fortschritt im Klassenzimmer bewältigt werden.

Modelle guter Praxis


Wie verbessern Schulen konkret ihre Arbeit, den inneren Zusammenhalt, die Kommunikation? Die Broschüre zeigt, wie die folgenden Schulen Verbesserungen einleiteten, gestalteten und weiterhin umsetzen. Denn ihre Projekte dienen als Vorbild bzw. Leuchttürme – nachzulesen in der »Gesunde Schule«-Broschüre „Modelle guter Praxis“:

  • NNÖMS 1 Korneuburg; Projekt: Gesundheitsfördernde Maßnahmen im Lehrberuf
  • BG Zehnergasse, Wiener Neustadt; Projekt: Herzintelligenz
  • ÖKO-NNÖMS Pottenbrunn; Projekt: Schulfreiraum
  • NNÖMS Aschbach-Markt; Projekt: FIT4DAY – Tägliche Fitnesseinheit für alle
  • NNÖMS Raabs/Thaya; Projekt: Müllecool
  • NNÖ Mittelschule Seitenstetten-Biberbach; Projekt: Schule im Aufbruch

»Gesunde Schule« in NÖ

Programm der Initiative »Tut gut!« für Schulen der Sekundarstufe 1

Die Schule ist eine wichtige Lebens- und Arbeitswelt für Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte, Schulleitung und nicht unterrichtende Mitarbeitende. Hier verbringen sie viel Zeit, sie lernen und lehren, arbeiten, erholen sich und sollen miteinander auskommen. Das Ziel der schulischen Gesundheitsförderung ist es, diesen Lern- und Arbeitsort so zu gestalten, dass gleichzeitig die Gesundheit aller Beteiligten gefördert und das Erreichen des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule unterstützt wird. Das Image der Schule wird gesteigert und das Wohlbefinden gestärkt.
Die zentrale Frage lautet: Wie können wir Schulen so gestalten, dass es den Beteiligten leichter fällt, sich gesund zu verhalten und ihre Gesundheit bestmöglich zu entfalten? Wichtig sind dabei folgende Grundsätze der Gesundheitsförderung:

Prozessorientierung, nicht nur Ergebnisorientierung: Bereits die Organisation und Durchführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen stellt einen Wert für alle Beteiligten dar.
Informationen: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at