Kinderleicht reisen
Sandburgen, Meer & Abenteuer – für Kinder ist der Sommerurlaub oft die aufregendste Zeit im Jahr. Gute Planung ist alles, von Impfungen über Sonnenschutz bis zur Reiseapotheke – damit Kind und Eltern den Urlaub gesund und unbeschwert genießen können.
„Grundsätzlich kann man mit Kindern überall hinreisen“, weiß Dr. Konstantin Zabakas, Kinderarzt im Landesklinikum Zwettl: „Man muss nur wissen, ob die Kinder Spaß an der jeweiligen Reise haben und ob sie es schaffen, während der Anreise so lange ruhig zu sitzen.“ Anders ist das bei Säuglingen, betont Zabakas: „Fernreisen mit Kindern unter einem Jahr sollte man vermeiden.“ Zum einen weil im Notfall in tropischen Ländern rasche medizinische Hilfe oft nicht gewährleistet werden kann, zum anderen können die Druckunterschiede bei langen Flügen für kleinere Kinder zum Problem werden, besonders beim Starten und Landen. „Ohren und Nase-Rachenraum sind durch Öffnungen, die sogenannten Tuben, miteinander verbunden, was den Druckausgleich ermöglicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist diese Verbindung für den schnellen Ausgleich oft zu eng und in den Ohren steigt der Druck, was sehr schmerzhaft sein kann“, erklärt Zabakas. In Kurzstreckenflügen sieht der Experte kein Problem. Bei schmerzhaften Druckschwankungen schafft ein einfacher Trick Abhilfe: den Säugling an die Brust anlegen oder den Schnuller geben. Durch die Saugbewegungen öffnen sich die Tuben und die Schmerzen verschwinden. Bei größeren Kindern helfen abschwellende Nasentropfen.
Achtung, Sonne!
Am Traumziel ist die Versuchung groß, sich sofort ins Abenteuer, an den Strand und in die Sonne zu stürzen. Doch der Körper braucht Zeit, sich an das neue Klima anzupassen. „Bei Reisen in den Süden sollten Kinder die ersten Tage eher im Schatten verbringen. Säuglinge sollten gar nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden“, rät der Kinderarzt. Das Wichtigste ist der geeignete Sonnenschutz: „Die Haut kleiner Kinder hat noch keine Schutzmechanismen gegen UV-Strahlung ausgebildet, sie wird zum Beispiel nicht braun. Deshalb verbrennt sie viel rascher als die Haut von Erwachsenen.“ Je jünger das Kind, desto stärkeren Sonnenschutz braucht es. Ein Erwachsener schafft ohne Schutz je nach Hauttyp ca. 20 Minuten in der prallen Sonne (siehe Seite 16), ein Baby trägt nach nicht einmal fünf Minuten schon Schäden davon. Deshalb ist ständige Kopfbedeckung und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor unbedingt notwendig. Kleine Sonnenbrillen sind für Babyaugen eher ungeeignet. Wenn, dann unbedingt in teure Modelle mit vollständigem UV-Schutz investieren, denn billige Brillen bieten oft zu wenig bis gar keinen Schutz, obwohl das Etikett das Gegenteil verspricht. Folgen können schwere Netzhautschäden sein.
Auch die Hitze kann für die Kleinsten zur Gefahr werden. „Der Sonnenstich kommt im Sommer häufiger vor, als man denkt“, weiß Zabakas. „Die Symptome gleichen oft denen einer Hirnhautentzündung. Kleinkinder sind unruhig, schlecht gelaunt, haben gerötete Haut oder erbrechen sogar. Ältere Kinder klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit.“ Auch auf genügend Wasserzufuhr sollte man achten. „Kleine Kinder können oft noch nicht sagen, dass sie Durst haben, deshalb sollten Getränke immer wieder angeboten werden“, betont der Experte.
Urlaub am stillen Örtchen
Wer kennt das nicht: Im Urlaubsland kostet man sich durch die exotischen Köstlichkeiten – und verbringt die nächsten Tage auf der Toilette. Brechdurchfall ist die wohl häufigste Nebenwirkung von Reisen in südliche Gefilde. Der Körper ist plötzlich mit einer Vielzahl unbekannter Keime in Wasser und Speisen konfrontiert. Was für Erwachsene sehr unangenehm ist, aber meistens schadlos überstanden wird, kann für die Kleinsten zum lebensbedrohlichen Wasser- und Salzverlust führen. „In jede Reiseapotheke gehört daher etwas zum Rehydrieren, also ein Elektrolyt-Ersatz“, betont Zabakas: „Zur Not kann man auch zu einem isotonen Sportgetränk greifen.“ Klassische Medikamente gegen Durchfall können bei Erwachsenen hilfreich sein, nicht jedoch bei Kindern. „Durch das Erbrechen und den Durchfall wird der Keim rasch wieder aus dem Körper hinausbefördert. Wird das durch stopfende Mittel verhindert, bleibt er im Körper und kann durch die noch sehr dünne Darmschleimhaut kleiner Kinder ins Blut auswandern und noch mehr Schaden anrichten“, warnt der Kinderarzt. Um gar nicht erst krank zu werden, sollte man nichts essen oder trinken, das nicht verpackt ist. Je südlicher, desto mehr Vorsicht ist geboten. Auch Speiseeis sollte nur aus der Verpackung kommen, genauso wie Wasser. Leitungswasser ist in den meisten Ländern tabu, auch im Restaurant sollte die Unversehrtheit der Wasserflasche immer überprüft werden.
Im Fall des Falles
Was tun, wenn ein Kind trotz aller Vorsicht plötzlich krank wird, fernab der Heimat? „In Europa ist eine gute medizinische Versorgung in den meisten Fällen möglich“, beruhigt der Kinderarzt: „Eine gute Reiseapotheke ist aber essentiell.“ Neben der Ausrüstung zur Wundversorgung braucht man unbedingt ein fiebersenkendes Mittel, Nasentropfen und ein einfaches Breitbandantibiotikum. „Wenn ein Kind im Ausland länger als drei Tage hoch fiebert, kann man sicherheitshalber mit einem Antibiotikum beginnen – auch ohne Arzt“, rät der Experte. In Anbetracht exotischer Insekten und Speisen darf auch ein Antihistaminikum nicht fehlen, egal ob Allergien bekannt sind oder nicht. Braucht das Kind wegen einer chronischen Erkrankung dauernd Medikamente, nimmt man diese in doppelter Menge mit, auf verschiedene Gepäcksstücke aufgeteilt.
Ein paar Wochen vor der Abreise sollte man sich über die für das Zielland und das Alter des Kindes empfohlenen Impfungen informieren. „Das Hygieneinstitut in Wien zum Beispiel hat immer die aktuellen Impfempfehlungen für jedes Land. Dort kann man sich vor Reiseantritt individuell beraten lassen“, empfiehlt Zabakas. „Innerhalb Europas sind die Basisimpfungen des österreichischen Impfpasses generell ausreichend.“ Gute Planung ist die halbe Miete – damit einem unbeschwerten Urlaub nichts im Wege steht.
Landesklinikum Zwettl Propstei 5
3910 Zwettl
Tel.: 02822/9004-0
www.zwettl.lknoe.at
Checkliste: Reiseapotheke für Kinder
- Rehydrationslösung für Kinder, z. B. Normolyt® bei Brechdurchfall
- fiebersenkende Mittel als Saft oder Zäpfchen, z. B. Nureflex®
- Breitbandantibiotikum, z. B. Augmentin®
- abschwellende Nasentropfen, bei Ohrenschmerzen und Schnupfen
- Antihistaminikum, bei allergischen Reaktionen
- Desinfektionsmittel, Wundsalbe, Pflaster und Verbandszeug zur Wundversorgung
- Fieberthermometer
- individuelle Dauermedikation





