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Die Strahlkraft der Sonne

Vom Glück im Sonnenschein und dem guten Gedächtnis der menschlichen Haut


FOTO: fotolia

Auf Kinderzeichnungen hat die Sonne oft ein lachendes Gesicht. Wen wundert’s? Lacht die Sonne, freut sich das Herz des Menschen. Denn Sonnenstrahlen tun gut! „Wenn die Sonne scheint, werden Glückshormone ausgestoßen“, bestätigt der Hautarzt Dr. Theodor Stallmeister aus Perchtoldsdorf und nennt noch mehr positive Wirkungen von Sonnenstrahlen: Hautkrank­heiten wie zum Beispiel die Psoriasis (Schuppenflechte) können sich verbessern, depressive Verstimmungen verschwinden, wichtiges Vitamin D wird in der Haut synthetisiert. Und überhaupt: „Ohne die Sonne wäre das Leben auf der Erde nicht möglich.“ Jetzt kommt das große Aber: Denn ungeschützt sollten wir uns der Sonne und ihren ultravioletten Strahlen nicht aussetzen. Auf die menschliche Haut wirken vor allem die UV-A- und UV-B-Strahlen aus dem Gesamtlichtspektrum der Sonne. Stallmeister erklärt: „UV-B-Strahlen bewirken Bräune und Sonnenbrand und verändern die Erbsubstanz in den Hautzellen, was Hautkrebs auslöst. UV-A-Strahlen verursachen Hautalterung, weil sie zur Zerstörung von elastischen und kollagenen Fasern in der Haut führen, und sind für Hautkrebs mitverantwortlich.“

Geeigneter Lichtschutzfaktor

Wie stark sich die Sonne auf unsere Haut auswirkt, hat viel mit dem eigenen Hauttyp zu tun. Zum Hauttyp I gehören Rothaarige mit sehr heller Haut und Sommersprossen, die fast gar nicht braun werden. „Sie müssen nach fünf bis zehn Minuten aus der Sonne gehen, sonst kriegen sie einen Sonnenbrand“, weiß Stallmeister. Für sie empfiehlt der Dermatologe Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50. Hauttyp II hat blonde oder hellbraune Haare, helle Augen und bräunt sehr langsam: Zehn bis zwanzig Minuten beträgt die Eigenschutzzeit der Haut, ein geeigneter Lichtschutzfaktor liegt zwischen 30 und 50. Der dritte Hauttyp ist der sogenannte Mischtyp mit braunen Haaren und Augen. Er kann sich 20 bis 30 Minuten in der Sonne aufhalten und braucht einen mittleren Sonnenschutz. Hauttyp IV wirkt mit dunklen Augen und Haaren südländisch und hat eine Eigenschutzzeit von etwa 30 bis 40 Minuten.

Die Sonne wirkt

Wenn es nach dem Winter langsam wärmer wird und die Haut wieder mehr Sonne ausgesetzt ist, produziert sie mehr Melanin und baut sich ihren Eigenschutz kontinuierlich auf. Sonnenschutzmittel verlängern diesen Eigenschutz. Sonnencreme und Co. sollten vor allem in den Bergen und am Wasser zum Einsatz kommen, rät Stallmeister, denn „pro 300 Höhenmeter steigt der Anteil der UV-Strahlen um vier Prozent an.“ Liegt dazu noch Schnee, werden die Strahlen um bis zu achtzig Prozent reflektiert. Auch Wasser und Sand reflektieren stark – eincremen am Strand sollte deshalb selbstverständlich sein. Stallmeister warnt davor, bei leichter Bewölkung auf Sonnenschutz zu verzichten, denn die Strahlen dringen auch durch die Wolkendecke. „Dazu kommt, dass es in den Bergen oder am Wasser windig ist und man viel später dieses Signal ‚Das ist mir jetzt zu heiß auf der Haut‘ bekommt.“ Das Gleiche gilt für Sporttreibende, denen durch die kühle Luft beim Laufen oder Radfahren die Stärke der Sonnenstrahlen nicht bewusst ist. Grundsätzlich erkennt der niederösterreichische Hautarzt ein Umdenken bei vielen Menschen und beobachtet vielerorts vorbildliches Verhalten, was den Sonnenschutz – gerade bei Kindern – angeht. Er rät: „Machen Sie all das, was Sie möchten, machen – Sport, wandern oder spazieren gehen. Aber schützen Sie sich.“ Mit einer Einschränkung: „Das Einzige, das Sie nicht machen sollten, ist, sich in die Sonne zu legen, um sich in die Sonne zu legen.“

Juckreiz, Brennen & Rötung

Wenn die Haut zu lange der Sonne ausgesetzt ist, reagiert sie mit einer Entzündung, dem Sonnenbrand. Die Symptome eines Sonnenbrandes, Juckreiz, Brennen und Rötung, kann man mit kühlenden Umschlägen, Gels oder Lotionen, die DNA-Reparatur-Enzyme enthalten, behandeln. Bei starken Sonnenbränden kann es zu Blasenbildung kommen. „Es kann sinnvoll sein, dass man die Blasen vom Arzt steril punktieren lässt“, sagt Hautarzt Stallmeister.

Folgenreicher Sonnenbrand

Dass die Sonnenbrände im Laufe eines Lebens folgenreich sein können, veranschaulicht der Dermatologe so: „Die Haut ist wie ein Bankkonto, auf das man kontinuierlich UV-Strahlen einzahlt. Irgendwann kommt dann der Tag der Auszahlung.“ Der menschliche Körper hat zwar bis zu einem bestimmten Grad die Möglichkeit, von UV-Strahlen bewirkte Schäden zu reparieren. Aber: „Mit jedem Sonnenbrand kumulieren sich die DNA-Schäden. Irgendwann kann man an Hautkrebs erkranken“, erklärt Stallmeister.
Um einen optimalen Schutz vor Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs zu erreichen, hat der Experte einen Tipp parat: Apps auf dem Handy rufen den täglichen UV-Index ab und geben Auskunft über die Stärke der ultravioletten Strahlung und die daraus folgenden erforderlichen Schutzmaßnahmen. Und im Zweifelsfall: Sonnenschutzcreme, schützende Kleidung und Schatten. Dann bleibt die Sonne ein Quell der Lebensfreude.

Neue Studie zu Hautkrebs

Eine österreichweite Studie des Karl Landsteiner Instituts für Dermatologische Forschung unter der Leitung von Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger hat ergeben, dass sogenannte aktinische Keratosen, das sind Vorstufen von Plattenepithelkarzinomen, einer bestimmten Art von weißem Hautkrebs, mit steigendem Alter immer häufiger auftreten. „Menschen mit heller Haut und Personen, die in ihrer Vorgeschichte sehr viel in der Sonne gewesen sind, Bauarbeiter, Straßenarbeiter, Landwirte oder solche, die in ihrer Freizeit dem Sonnenbaden oder dem Solarium gefrönt haben, sind besonders betroffen“, sagt Trautinger. Ein außergewöhnlich hohes Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken, haben Menschen mit einer Organtransplantation.
Der weiße Hautkrebs ist die häufigste Krebsart, wird jedoch meist gut erkannt, weil Unregelmäßigkeiten auf der Haut leichter sichtbar und kontrollierbar sind. „Jede Veränderung an einer chronisch sonnenexponierten Körperstelle wie zum Beispiel Stirn, Ohren oder Handrücken, die auffällt, die sich unterscheidet von der Umgebung, die von selber nicht besser wird, die langsam wächst, ist verdächtig“, erklärt Trautinger. Sein Rat: „Patienten, die schon einmal an weißem Hautkrebs oder einer Vorstufe erkrankt sind, haben ein wesentlich höheres Risiko und sollten sich regelmäßig untersuchen lassen.“