In besten Händen
Niederösterreich setzt bei der Krebsbehandlung auf Spezialistinnen und Spezialisten mit internationaler Expertise.
Etwa 7.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher werden jährlich mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Die Krankheit ist heute früher erkennbar und besser behandelbar – dank spezialisierter Zentren und Experten, die ihr Wissen bündeln. In Niederösterreich ist das Landesklinikum Wiener Neustadt im Begriff, zu einem der modernsten europäischen Krebskompetenzzentren zu werden. In Kombination mit dem Ionentherapie- und Forschungszentrum MedAustron und dem Lebens.Med Zentrum Bad Erlach zur onkologischen Rehabilitation bietet Niederösterreich eine Versorgung von Krebspatienten im europäischen Spitzenfeld.
Pro Jahr werden am Landesklinikum Wiener Neustadt etwa 11.400 Chemotherapien durchgeführt, 5.400 onkologische – davon 507 hämatoonkologische – Patientinnen und Patienten werden jährlich stationär behandelt. Prim. Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt: „Die Anforderungen an ein Krebskompetenzzentrum sind vielfältig und umfassen onkologische Forschung sowie begleitende Angebote, wie etwa Ernährungs- oder Musiktherapie, interdisziplinäre Projektgruppen und vieles mehr.“
Bereits seit über vier Jahren finden im Haus daher Tumorboards statt, also interdisziplinäre Besprechungen, bei denen sich Experten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam über die Krebserkrankungen von Patienten im Einzelnen beraten; dank dieses Austausches ist es möglich, die jeweils bestmögliche Therapie für den Betroffenen zu empfehlen, weiß Hajek: „Im internen Tumorboard behandeln wir pro Monat etwa 280 Erkrankungsfälle, gut 100 Patientenfälle besprechen wir via Videokonferenz.“ Dabei arbeitet das Landesklinikum Wiener Neustadt klinikübergreifend per Video mit den Landeskliniken Baden-Mödling, Hochegg, Hainburg sowie mit den Kliniken Graz und Oberwart zusammen. Die einzelnen Erkrankungsfälle werden von Spezialisten verschiedener Disziplinen, wie interne Onkologen oder Hämatoonkologen, Radioonkologen, Pathologen, Radiologen sowie Fachärzte anderer Fächer, besprochen.
Diese Bündelung von Fachwissen ermöglicht es auch, Patienten individuell und sehr spezialisiert zu betreuen. Und noch einen großen Vorteil haben die Tumorboards: Die Ärztinnen und Ärzte lernen viel aus den Spezialgebieten der Kollegen und verstehen die Krankheit Krebs so immer besser.
Onkologischer Schwerpunkt
Große Bedeutung im Krebskompetenzzentrum Wiener Neustadt hat die Abteilung für Chirurgie mit den Schwerpunkten Onkologie, Gefäßchirurgie und Plastische Chirurgie. Mit Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle steht der Abteilung ein erfahrener Spezialist der gastroenterologischen Onkologie vor. Im Hinblick auf Tumorerkrankungen leistet auch der Bereich der Plastischen Chirurgie einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung. Vor allem die Tumorchirurgie, wie etwa die Brustwiederherstellung bei Tumorerkrankungen, ist eine wichtige Facette im Bereich der Plastischen Chirurgie.
Um noch komplexere Behandlungen durchführen zu können, wurde eine Reihe arrivierter Krebsspezialisten an Wiener Neustadts neues Krebskompetenzzentrum engagiert. So etwa leitet Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Köstler, PhD, die neu etablierte 3. Interne Abteilung, die auf Krebs spezialisiert ist und an der Patienten interdisziplinär betreut werden.
Neu im Haus ist auch Prim. Univ.-Prof. Dr. Edgar Selzer, er leitet das Institut für Radioonkologie und Strahlentherapie. Beide Spezialisten waren zuvor an der Medizinischen Universität Wien tätig. Die Radioonkologie und Strahlentherapie am Landesklinikum Wiener Neustadt ist übrigens einzigartig in der Thermenregion, nur im Universitätsklinikum Krems gibt es sonst noch eine Radioonkologie und Strahlentherapie in Niederösterreich – in beiden Häusern stehen je drei Linearbeschleuniger für die Behandlung von Krebspatienten zur Verfügung.
In Wiener Neustadt werden etwa 1.800 Strahlentherapien jährlich durchgeführt, sowie 3.300 Nachsorge-Therapien. Eine neue Möglichkeit dabei bietet die tumorangepasste Bestrahlungsmethode der VMAT (Volumetric Intensity Modulated Arc Therapy). Dabei können Dosis und Bestrahlungsdauer noch besser auf den Tumor abgestimmt werden, auch die Bestrahlungsdauer ist kürzer als bei der bisher gängigen Intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT). In erster Linie werden Brust-, Prostata-, Magen-, (Dick)Darm- oder Lungenkrebs und Kopf-Halstumoren am Institut für Strahlentherapie behandelt. Aber auch bei gutartigen Erkrankungen, wie zum Beispiel einem Fersensporn, sind die neuen Technologien hilfreich. „Spezialisierung, umfassende Vorsorgeangebote und neueste Technologien tragen dazu bei, dass Krebs heute besser behandelbar ist und die Strahlentherapie weniger Nebenwirkungen hat“, sagt Primarius Selzer.
Ionentherapie gegen den Krebs
Ergänzt werden die Behandlungen am onkologischen Kompetenzzentrum Wiener Neustadt ab Ende 2015 durch MedAustron – hier können etwa 1.200 Patienten jährlich mit Ionenstrahlen behandelt werden. MedAustron ist eines von vier der weltweit modernsten Krebsbehandlungs- und Krebsforschungszentren.
In Wiener Neustadt können somit Patienten mit zwei Arten von Ionen bestrahlt werden: einerseits mit Protonen, dies sind die positiv geladenen Kerne des Wasserstoffatoms; andererseits mit Kohlenstoffionen, den Kernen eines Kohlenstoffatoms. Das Besondere dieser Ionentherapie ist die niedrige Strahlenbelastung des umliegenden gesunden Gewebes.
Vor allem bei Tumoren im Bereich strahlungsempfindlicher Organe, wie Gehirn, Lunge oder Leber ist die Protonentherapie der gängigen Strahlentherapie mit Photonen (Gammastrahlen, Röntgenstrahlen) vorzuziehen und kann daher auch in höheren Dosen gezielt auf den Tumor gerichtet werden. Die Ionentherapie mit Kohlenstoffionen wiederum ist dreimal wirksamer als Protonen und eignet sich zur Behandlung von Knochenkrebs oder Weichteiltumoren.
Expertise in Krems
Auch im Universitätsklinikum Krems steht Onkologie im Vordergrund des Versorgungsspektrums. An der Abteilung Innere Medizin 2, geleitet vom Krebs-Experten Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, sind die Bereiche Hämatoonkologie, Gastroenterologie und Palliativmedizin beheimatet.
Die Expertise von Prim. Dr. Elisabeth Stubenberger mit dem Spezialgebiet Thoraxchirurgie bringt neueste internationale Entwicklungen nach Krems. Während früher bei Lungenoperationen der gesamte Brustkorb geöffnet werden musste, werden heute minimal-invasive Techniken angewendet. Diese bedürfen jedoch langjähriger Erfahrung und großen Fingerspitzen-gefühls. Neben der chirurgischen Basisversorgung bietet das Universitätsklinikum Krems damit eine weitere Behandlungsoption in der onkologischen Versorgung.
In Niederösterreich sind Individualisierung und Spezialisierung zukunftsweisende Strategien, um der Krankheit Krebs ihren Schrecken zu nehmen.
Roboter zur Tumorbehandlung
Mit dem Einsatz des neuen Operationsroboters „Da Vinci Xi“ spielt die urologische Abteilung des Landesklinikums Wiener Neustadt zukünftig in einer neuen Liga mit; der Roboter kann aber auch in der Gynäkologie und der Chirurgie eingesetzt werden. Das Gerät kann Operationen mittels 3D-Sicht in HD-Qualität und zehnfacher Vergrößerung nun noch präziser und schonender durchführen als bisher. Die Instrumente des Roboters lassen sich im Körperinneren wie natürliche Gelenke bewegen und ermöglichen so auch kompliziertere Operationsschritte, die mit bisherigen laparoskopischen Methoden nur eingeschränkt möglich waren. Der Operateur steuert den OP-Roboter sicher und gezielt mittels einer Operationskonsole. Insgesamt stehen vier Arme zur Instrumenten- und Kameraführung zur Verfügung. Das Landesklinikum Wiener Neustadt ist das erste öffentliche außeruniversitäre Krankenhaus in Österreich, in dem diese Technologie der Zukunft zum Einsatz kommt. Bis zum Sommer werden die künftigen Nutzer noch intensiv am Roboter üben, danach soll er an Patienten eingesetzt werden.
Prim. Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek, Ärztlicher Direktor im Landesklinikum Wiener Neustadt
Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle, Leiter Chirurgie im Landesklinikum Wiener Neustadt
Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Köstler, PhD, Leiter 3. Interne Abteilung im Landesklinikum Wiener Neustadt
Prim. Univ.-Prof. Dr. Edgar Selzer, Leiter Institut für Radioonkologie und Strahlentherapie im Landesklinikum Wiener Neustadt
Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, Leiter Innere Medizin 2 im Universitätsklinikum Krems
Prim. Dr. Elisabeth Stubenberger, Leiterin Chirurgie im Universitätsklinikum Krems





