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Immer mit der Ruhe

Ob im Studio ums Eck, beim Autofahren oder im Bürosessel – Yoga-Übungen kann man überall machen. Warum jeder mit Yoga anfangen kann und wie sich eine regelmäßige Praxis auf Körper und Geist auswirkt.


Foto: Felicitas Matern

Schwitz-Yoga, Kinder-Yoga, Manager-Yoga, Hunde-Yoga: Bei so vielen Yoga-Stilen verliert man vor allem als Anfänger schnell den Überblick, denn Yoga ist derzeit Trend. In einer stets schneller werdenden Gesellschaft suchen immer mehr Menschen einen Ausgleich zu ihrem stressigen Alltag – und viele finden ihn im Yoga.
Körper und Geist sollen wieder in Einklang gebracht und Schmerzen sowie Erschöpfung reduziert werden. Die Sportwissenschaftlerin und GESUND&LEBEN-Redakteurin Susanne Lehrner absolviert derzeit eine Yogalehrer-Ausbildung und zeigt Ihnen, dass hinter Yoga viel mehr steckt als körperliche Übungen und wie man als Anfänger den Einstieg ins Yoga findet.

Von außen nach innen

Wenn man im Westen von Yoga spricht, werden damit oft Gymnastikstunden gemeint, in denen der Körper sanft gekräftigt wird. Der körperliche Aspekt von Yoga ist in der jahrtausendalten Philosophie allerdings der jüngste – und nicht zentral. Übersetzt bedeutet Yoga nämlich „Verbindung“: Körper, Geist und Seele sollen verbunden
werden. Warum? Die Yoga-Philosophie sagt, dass Gedanken, Wünsche, Gefühle, Rollenbilder oder Verhaltensmuster unser wahres Selbst „überdecken“. Ziel von Yoga ist es daher, durch verschiedene Übungen diese Schichten abzulegen, um wieder die Verbindung zu uns herzustellen. Achtsamkeit und Bewusstsein werden geschult und gewinnen nach einiger Zeit auch abseits der Yoga-Stunde im Alltag immer mehr Bedeutung. Yoga beschreitet daher stets einen Weg nach innen: Neben der körperlichen Praxis helfen Atemübungen, Meditation, aber auch kleine „Regeln“ für den Umgang mit der Umwelt und mit sich selbst, diesen Weg zu finden.

Der Weg ist das Ziel

Den Einstieg ins Yoga findet man dennoch am einfachsten über den Körper. Im Yoga gibt es – im Unterschied zu Sport – kein Ziel, das verfolgt wird. Es soll bereits auf dem Weg zu einer bestimmten Yoga-Stellung etwas über den Körper und damit auch etwas über sich selbst gelernt werden. Sich einige Zeit nur auf seinen eigenen Atem zu konzentrieren und dabei die Gedanken ziehen lassen – auch das ist Yoga. Anfänger sollten am besten Unterricht bei einem erfahrenen Yogalehrer nehmen. Für Yoga braucht man keine Voraussetzungen, etwa besonders beweglich zu sein. Es gibt für alle Übungen Variationen und wenn Verletzungen vorliegen, sollte man vorab mit einem Arzt und Yogalehrer sprechen. Bei regelmäßiger Praxis stellen sich schnell positive Effekte ein: Ausdauer, Kraft und Flexibilität werden gesteigert, Schmerzen reduziert, Altersbeschwerden gelindert, Lebensqualität, geistige Fitness, Mut und Durchhaltevermögen gefördert, Selbstbewusstsein und -vertrauen gestärkt und es eröffnen sich oft neue Denkansätze – alles, was man dafür braucht, ist etwas Ruhe und Zeit für sich.

Von Indien in die ganze Welt  

Den Begriff Yoga findet man bereits 1.000 v. Chr. in den Veden, den indischen Weisheitssammlungen. Damals bezeichnete man damit lediglich eine Geistesdisziplin. Erst 2.000 Jahre später kam der körperliche Aspekt dazu, in den Westen schaffte es Yoga in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seitdem ist der Yoga-Trend auf der ganzen Welt ungebrochen und immer mehr Menschen lernen die Vorteile, auch abseits der körperlichen Übungen, kennen und schätzen.

Kleines Yoga-ABC  

Asana = Sanskrit: „der Sitz“, bezeichnet Körperstellungen im Yoga
Karma = Sanskrit: „Handeln“, freiwilliges Handeln, ohne etwas dafür zu erwarten
Mudra = Sanskrit: „Siegel“, Haltungen der Hände zur Konzentration auf den Energiefluss im Körper
Namaste = Sanskrit: „Verehrung dir“, Gruß- oder Dankesgeste mit gefalteten Händen
Om = heilige Silbe, wird oft am Anfang und Ende einer Yoga-Stunde gesungen
Sanskrit = heilige Sprache Indiens
Shavasana = Sanskrit: „Totenstellung“, Stellung für die Entspannung in Rückenlage am Ende einer Yoga-Einheit
Sonnengruß = dynamische Abfolge von Asanas im Atemrhythmus, wird meist zum Aufwärmen am Anfang einer Yoga-Einheit praktiziert
Yogi/Yogini = Yoga praktizierender Mann oder Frau

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